A. Poſtzeitung) jaͤhrlich
Neunnter Zahrgang.
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Sonntags-Peiblatt
zur
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Poſtzeitung.
Zeitgedanken bei m Wechſel des Jahres.
Ariſtoteles pflegte bei der Herausgabe ſeiner Phyſik zu ſagen, erhabe ſie herausgegeben und nicht herausgegeben, weil ſie ſo dunkel geſchrie—ben wäre, daß Wenige ſie verſtehen werden. Noch dunkler aber iſt dasBuch der Zeiten geſchrieben, und nur Wenige ſind es, die darin leſen undſelbes zu ihrem Beſten verſtehen. Die Meiſten gehen mit der Zeit um,
rufen wird:„Von uͤun an iſt keine Zeit mehr.“ Wie den einzelnen Men—ſchen, ſo ergeht es mit der Zeit der ganzen Menſchheit und den beſondernGenerationen, die in der Zeit leben. Man denkt ſelten oder gar nicht andas Ende der Lebenszeit und an das Aufhören dieſer Zeit auf Erden.Und doch geben die heiligen Lehrer der Kirche ſo deutliche Kennzeichen desWeltendes und der Weltzeit an, daß es nur einer beſondern Apathie gegenalles Ueberſinnliche zugeſchrieben werden muß, wenn dieſe Kennzeichen deralternden und dahinſterbenden Welt unbeachtet bleiben. Bekannt iſt indieſer Hinſicht die Anſicht vieler Kitchenväter, daß die ſechs Schöpfungs—
tage die ſechstauſend Jahre des Weltalters vorſtellen, nach welcher dieſeDie Abnahme derHeiligen, die Zunahme der Gottloſigkeit, der Verfall des Glaubens, deruͤntergang des römiſchen Reiches, die Verkündung des Evangeliums in
Welt keine zweihundert Jahre mehr exiſtiren würde.
Men iihenen und die Verkehihet und Verdorbenhent der Wen ſuue
ſechs Puncte, die dem aufmerkſamen Beobachter des Zeitenlaufes nichtunbemerkt entgehen. Wer mit dem Republlicaner Fröbel den Glauben anGott und an die Unſterblichkeit des Menſchen aus dem Staate verbanntund die bindende Ehe, ſo wie das Privatrechtſund den Privatbeſitz aufge—hoben wiſſen will, der wird freilich obige Anſichten als Thorheiten ver—lachen. Allein eben dieſe vermeintlichen Thoen wären Arzneimittelfür unſere fieberhaft bewegte Zeit, wenn man ſie ernſtlich überdenken undauf das Leben anwenden würde. Die Verdienſte und das Gebet der Hei—ligen ſind Säulen, welche die Welt halten Wenn aber dieſe Säuleneinſtützen, was wird die Welt halten, von der man ſagen kann, wasGott von der Stadt Sodoma ſagte? Durch theoretiſchen und praktiſchen
verrücker die Menſchen von Gott los, ſo daß die Frage des göttlichenHeilandes immer mehr ihre Wahrheit beurkundet„Wird wohl der Men—-ſchenſohn Glauben finden auf Erden, wenn er kommt?“ Vier große Welt—reiche ſagte der Prophet Daniel vorher, das babyloniſche, das perſiſche,das griechiſche und das römiſche. Dieſe vier groͤßen Reiche haben ihrenLauf vollendet. Auch iſt das Evangelium bereits überall verkündet worden,in Indien, Japan, China, Amerika u. ſ. w. Endlich deuten die herr—ſchende Genußſucht und die aus derſelben entſtehende Fleiſchesluſt auf jeneZeit hin, welche der göttliche Heiland ſelbſt mit Noes Zeit vergleicht.Möge der Wechſel des Jahres uns veranlaſſen, dieſen kurzen Andeutungeneiniges Gehör zu ſchenken in unſerer an Herbſtzeitloſen ſo überreichen Zeit!
Unglauben machen die ſogenannten und eigentlichen Volks—
Boffnung!„Wider Hoffen hoffen wir.“
Es handelte ſich, wenn wir auf die Bewegungen und Kämpfe desverfloſſenen Jahres zurückblicken, um reiche, große, tiefe Ideen, die imBewußtſeyn der Völker verwiſcht, um koſtbare Güter, die verloren, umLebensbedingungen, die längſt und ſchwer vermißt waren. Freiheit,Wahrheit, Recht war die Loſung, die durchs ganze Jahr getönt hat.Ware die Entwicklung der deutſchen Freiheit im organiſchen, lauteren,
RMe
J. Januar 8409.
Sichtlichen Wege vor ſich gegangen, dann könnten wir Deutſchland Suck wünſchen, dann hätten wir die tiefen Wunden nicht zu beklagen,die gegenwärtig dem Vaterland geſchlagen ſind. Es iſt eine mißliche Sache,wenn aus der Krankheit die Geſundheit, aus der Revolution die FretheitWorgehen ſoll, Tieferdenkende, die das Weſen der Revoluͤtion näherbachtet, in den Conſequenzen verfolgt hatten, ſchüttelten bedächtig denEpf und hatten gerechten Argwohn gegen eine Freiheit, die ihre erſtengen Wurzeln in die Barricaden geſchlägen hatte.
och gegenwärtig iſt die Verwirrung der Begriffe groß, die GefahrDt überſtaänden, aber, wider Hoffen hoffen wir.
Wir verzweifeln keineswegs, daß das deutſche Volk eben bei demRichthum des Gemüthes, bei der Tiefe des Gedankens und der ThatkraftS Lebens, die ihm eigen iſt, im Laufe der Zeit, wenn auch nach hartenKämpfen, die tiefen und reichen Ideen von Freiheit, Wahrheit und Rechtlauter und rein entwickeln, und im Herzen Europa's klar vor dem Ange—ſichte aller Völker ausprägen werde, wir verzweifeln nicht an einem gluck—lichen Gelingen und hoffen, daß Gott den Leüchter nicht von unſerm Landerücktz und wenn auch die Hinderniſſe groß und unüberwindlich ſcheinen,dennoch hoffen wir.
Die Gerichte, Gottes ſind über uns ergangen.„Lange,“ ſo ſagenerſammelten Biſchöfe zu Würzburg „hat der Herr zu den Völkernereder mo ſte haden Ihn nicht gehört; hat durch Segnngen eutihre Herzen erwerben wollen, und ſie haben es nicht erkannt; hat durchernſte Prüfungen, durch Krieg und Kriegsgeſchrei, durch Krankheit undHunger die vereitelten Gemüther zu ſich erheben wollen, und ſie haben esnicht geachtet. Da hat Er die Stürme des Aufruhrs frei gelaſſen undder Empörung, und ſie ſind über die Fürſten dahingefahren und über dieVölker, und haben die Paläſte erſchüttert auf den Höhen und in Hüttenin den Thälern, und viele alte Dämme durchbrochen und alte Wege zer—ſtört, ſo dgß auch die Sicheren aufgerüttelt, die Schlummernden geweckt,die Hochmuthigen gebeugt worden ſind, und— es iſt ein wahres undwahrhaftiges Wort— der Herr wird ſeine ſtrafende Hand nicht zurück—ziehen von dieſem Geſchlechte, bis daß es Ihn von Neuem erkennt, inDemuth um das verachtete Kreuz ſich ſammelt und in der Kirche, die ſichChriſtus mit ſeinem heiligen Blut erkauft hat, die Mutter wieder ehrt,welche allein die Menſchen die Wege des Heiles führt.„Darum erhebeteure Häupter und erkennet, und zwar in dieſen euern Tagen, was zu euermFrieden dient.“
Wirklich haben dieſe und ähnliche Gedanken in den Gemüthern mehroder minder Anklang gefunden; man bemerkte in den Ereigniſſen etwas vonGottesgerichten, Ahnungen ſtiegen in der Seele auf, man fühlte dasWehen eines höhern Geiſtes und unwillkürlich wandte ſich manches Auge,welches lange blöde und blind auf die Erde geheftet war, auf zum Him—mel. In den Edleren und Beſſeren gab ſich ein merklicher Umſchwung derGeſinnung kund. Man verſpürte, daß die Ideen Freiheit, Wahrheit, Recht,mit ihren Wurzeln in ein göttliches Gebiet herüberreichen müſſen, um ſichrichtig zu entwickeln und fruchtbringend für ein Volk werden zu können.Und wenn auch die Maſſe der wirklich Böſen groß, die Schaaren derLeichtſinnigen und Oberflächlichen Legion iſt, wenn auch eine unendlicheSündenmaſſe in Deutſchland ſich angehäuft hat und ein höheres Erkennenund beſſeres Wollen hindert,— dennoch bieten ſich auch tröſtliche Erſchei⸗—nungen unſerem Auge dar, dennoch haben ſich auch beſſere Elemente ange—ſetzt; und abermals ſagen wir:
Wider Hoffen hoffen wir.
Der waͤhre Katholik, der längſt ſchon treu zu ſeiner Kirche hielt,ſteht feſter, denn je, in ſeiner Ueberzeugung. Wo Alles wankte und brach,da ſtand ſeine heilige Kirche hehr und hoch auf dem Felſen und blickte in
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das Gewühl der Völker; wo die Begriffe in einem gräulichen Chaos ver-