Ausgabe 
9 (7.1.1849) 1
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schlungen waren, sind dem Katholiken an der Hand seiner heiligen Kircheseine Grundsätze fest, seine Anschauungen klar, seine Begriffe rein geblieben.Mancher halbe Katholik, der gesinnungslos auf beiden «seilen hinkte undfeige mit seiner Ueberzeugung und seinem Bekenntniß^zurückhielt, stellt sichenischieven zu seiner Kirche; nach Außen wächst die -schaar der glaubenS- treuen Katholiken und im Angesichte der Gefahren wächst die intensive Kraft.

Und nachdem die Kirche lange in mütterlicher Liebe und Wehmurhgeharrt, daß ihre getrennten Kinder von der-langen Wanderschaftendlich zur Heimalh zurückkehren; nachdem sie den Wind beobachtet undoft am Gestade gewandelt, ihre Arme nach den Zaudernden ausgebreitetund ihnen zugerufen, das seit Jahrhunderten entbehrte Erbtheil des Frie-dens in Empfang zu nehmen; da ist vieler Orten eine Sehnsucht wachgeworren nach Versöhnung und Vereinigung mit der alten Mu'terkirche.Es drängt gewaltsam im Protestantismus nach einem lebendigen GlaubenS-und Lebensquell.

Darum hoffen wir.

Ein Blick aber auf die gegenwärtige Stellung der katholischen KircheDeutschlands läßt uns dieselbe in einem Lichte erscheinen, daß wir freudigjubelnd über die jugendliche Braut deS Herrn abermals ausrufen:

Wider Hoffen hoffen wir.

Das Unerhörte ist geschehen! DaS Unerwartete ihr zu Theil geworden. Der Herr hat in den Ereignissen gekämpft für die Freiheit seinerheiligen Kirche. Wie die Eisdecke von lebendigem Strome, ist die Knecht-schafk von der Kirche genommen. Nachdem vor einem Jahrzehent der ersteentschiedene Kampf für die Freiheit der Kirche in Clemens August angehoben und das in Stockung gerathene katholische Herzblut wieder inlebendige Cirkulation gesetzt war, hat eben eines Zeitraumes von zehnJahren bedurft, wo die Kirche still und bescheiden ihr inneres Leben pfle-gen und kräftigen sollte, ehedenu die politischen Ereignisse, wie ein ver-heerender Strom, über Deutschland und Europa hereinbrachen und Allesin ihrem Strudel begruben. DaS katholische Volksleben hatte inzwischeneinen neuen, herrlichen Aufschwung genommen; mit treuen, guten, tüchtigen Hirten wurden die Bischofsstühle Deutschlands besetzt und in ClemensAugust war allen daS lebendige Vorbild vorgestellt, wie man unerschrockenficht für die Rechte und Freiheiten der Kirche. Und als nun die LosungFreiheit" durch Deutschland schallt, da erhebt sich einmüihig das katholi-sche Volk und fordert Recht und Freiheit auch für seine heilige Kirche.Frankfurt muß der Uebermacht weichen und gibt, was cS zuerst geweigert,und jenes Land, welches am feindlichsten früher der Kirche gegenüder stand,muß am ersten in seiner Verfassung Freiheiten für die Kirche proclamiren.Die Kirche ist freier geworden

Darum hoffen wir.

Und nunmehr, nachdem die Kirche freier geworden, wird sie ihreWirksamkeit beginnen, ihre Segnungen entfalten. Schon waren die Bi-schöfe Deutschlands in der Stadt KilianS, im alten Würzburg versammelt,zweihundert Jahre später, als der westfälische Frieden geschloffen wardund in einer anderen Gesinnung, als zu einer unheilvollen Zeit auf einemandern Congrcß von Bischöfen sich kund gab; kort haben sie vor Allemzunächst am Altare deS dreieinigen Gottes die Gelöbnisse der Treue unddeS Gehorsams dem Vater der Christenheit, unserm vielgeliebten PiuS IX. ,zu Füßen gelegt, dort haben sie den Glauben der heiligen Kirche nach demSymbolum deS KirchenrathS von Trient laut und öffentlich bekannt, dortzur Erhaltung und Verbreitung dieser göttlichen Wahrheit in freudigerEintracht sich die Hände gereicht, dort zum andern Losungswort eS sichgemacht, zu leben und zu sterben in dieser Wahrheit und für diese Wahr-heit; dort haben sie ihre Hirtenworte an die Katholiken Deutschlands gerichtet und sie sind in die Herzen gedrungen, dort den Klerus zumKampfe ermuthigt, zur Ausdauer ermähnt, zum Eifer und zur Gottselig-keit angespornt; dort haben sie im Angesichte Deutschlands ihre Rechteund Freiheiten gefordert, dort ihr Verhältniß zum Skaare beiderseitigeSelbstständigkeit und wechselseitige Freundschaft festgestellt. Der Episko-pat Deutschlands ist fest im Glauben, stark in der Hoffnung, reich in derLiebe

Darum hoffen wir.

Und nachdem die Kirche freier geworden, wird sie die Schätze ihresreichen, innern Lebens erschließen, ihre heilige Mission beginnen unter denVölkern Deutschlands . Sie wird auS ihrem Sckwoße Männer gebären,welche die Armuth versöhnen, wie ein Franz v. Assist, in die Wissenschaftden Keim der Gottesfurcht tiagen, wie ein JgnatiuS und PhilippuS Neri,sie wird ihre Missionen eröffnen und durch Buße und Bekehrung in demverwilderten Volksleben ein reiueS Herz und einen neuen Geist schaffen;sie wird ihre Tempel bauen und schmücken, ihre heiligen Institute wiedertnS Leben rufen, die Herrlichkeit ihres EultuS vor den Völkern offenbaren

und an ihrer Brust die heil. Künste wieder nähren, sie wiid Deutschlavdwieder groß machen durch Einheit im Glauben und in der L.edeSolches hoffen, darum flehen wir.

Und wenn auch der letzte entscheidende Kampf, wo vielleicht Glaubeund Unglaube, Christus und Belial sich gegenüberstehen und die großeScheidung erfolgt, hart und heiß werden sollte, so wissen wir, was gesagtist:Wir leiden Trübsal, aber wir werden nicht beängstigt, wir gerathenin Noth, aber wir kommen nicht um, wir leiden Verfolgung, aber wirwerden nicht verlassen, wir werden niedergeworfen, aber wir gehen nichtzu Grunde." Die Kirche ist bekämpft, doch nicht besiegt. Denn ChristiLeben ist daS Leben seiner Kirche, sein Kreuz ihr Theil auf Erden, seinSieg daS Unterpfand ihres ewigen Sieges.

DaS ist unsere Hoffnung.

Und darum haben wirHoffnung" als Angebinde zum neue«Jahre dem Leser dargereicht.

Graf Montalembert über die letzter» römischen Ereignisse»

Ich halte eS für überflüssig, Ihnen zu bemerken, meine Herren,daß ich'auf einem ganz andern Standpunkte stehe, als mein ehrenwertherVorgänger (Lernt - Rollin); eben so wenig will ich die Regierung ver-theidigen, denn sie muß sich allein zu vertheidigen wissen und vermögen;allein loben will ich sie für das, waS sie gethan hat, und gleichzeitig dieAusdehnung und Bedeutsamkeit darlegen, welche ich in meinen Gedankenihrer Thätigkeit und ihren weiteren Absichten gebe. Ursprünglich wollte ichdiese Thätigkeit hervorrufen, mein ehrenwerther College Birio ist mir in-dessen zuvorgekommen und ich muß heute der Regierung für ihre Initiativedanken und auch der Nationalversammlung für die kräftige und sympalhi-sirende Ausnahme danken, welche die Initiative in ihrer Mitte gefundenhat. Die Mittel der Ausführung will ich hier nicht beurtheilen; ich willnamentlich die römische, die päpstliche Frage vollkommen von der italieni-schen Frage trennen, und ich kann in dieser Beziehung mit dem Interpel-lanten von vorgestern, der da gesagt hat, der Knotenpunkt der Frage liegein Mailand , nicht einverstanden sepn, ein Standpunkt übrigens, auf densich »er ehrenwerthe Herr Ledru-Roltin offenbar gestellt hat. Nein, meineHerren, der Knotenpunkt der Frage liegt nicht zu Mailand , sondern derKnoten dieser besondern Frage liegt zu Rom . Handelte eS sich hier umdie italienische Frage im Allgemeinen, so hätte ich Ihnen gar Vieles zusagen, ..... allein noch einmal, die Frage ist keine italienische und derehrenwerthe Herr Birio bat dieses selbst gefühlt, als er ihnen sagte, daSPapstthum sey keine bloß italienische Institution, sondern eine InstitutiondeS StaatS- und KirckenrechleS, deren Aufrechtbaltung mit der Aufrecht-haliung deS Gleichgewichtes und deS Glaubens im Auslande eng ver-knüpft ist.

Indem ich also die Frage auf ihr rechtes Maaß zurückführe, indemich sie in ihre Gränzen beschränke, glaube ich ihr darum nichts von ihrerBedeutung zu rauben, ich erhebe sie vielmehr meines ErachtenS zu ihrerwahren Höhe und Bedeutung, ich mache eine Frage daraus, die wedereine italienische, noch eine französische, ja nicht einmal eine europäische,sondern die, ich wüßte mich keines andern Ausdruckes zu bedienen, einekatholische Frage ist, also die ausgedehnteste, die höchste Frage, welche inAnregung gebracht weiden kann. ES handelt sich hier nicht um einegewöhnliche Souveräneiät, eS handelt sich nicht um einen gewöhnlichenStaat, sondern eS handelt sich um Den, der das geistige Oberhaupt von200 Millionen Menschen und um den Staat, welcher der Mittelpunct die-ser Oberherrlichkeit ist, eS handelt sich mit einem Worte um die Freiheitder katholischen Idee. Nun aber sage ich, daß eS eine gar nicht zu berech-nende Ehre, ein gar nicht zu berechnendes Glück für die französische Re-publik, ist, daß sie ihre Thätigkeit in der politischen Welt, in den auswär-tigen Angelegenheiten damit so zu sagen einweihen konnte, daß sie dieseUnabhängigkeit der katholischen Idee gestützt und gerettet hat, und ich fürmeinen Tkeil wünsche ihr auS der Tiefe meiner Seele Glück dazu. Ichwünsche ihr Glück zu, daß sie sich die Bewunderung und den Dank derHerzen und Gewissen von so vielen Millionen Menschen, die da zerstreutsind über die ganze Welt, erworben hat. (Lebhafter Beifall.) Allerdingsgibt eS auch noch andere Gründe, welche für Papst PiuS den Neuntensprechen, und ich will sie nicht mit Stillschweigen übergehen. Ist cS jakoch zu allen Zeiten, vor aller Diplomatie, vor allen politischen Manifesten,unter allen Regierungen und Verfassungen, eine Pflicht der großen Mächtegewesen, den Schwachen zu Hilfe zu kommen, ich rede hier nicht vonMächten im diplomatischen Sinne deS Wortes, sondern eS ist stetseine Pflicht dessen gewesen, waS groß und mächtig ist in der Welt, dem

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