Ausgabe 
9 (28.1.1849) 4
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und meint er habe sich durch diese Mühwaltung ein wohnliches HauSzubereitet der macht sich allgemeinen Bedauerns würdig, und zwar umso mehr, je mehr er meint, er habe für Erbauung etwas gethan.

Ueber die Stellung des Klerus.

In einem Artikel der (alten) Sion über die Stellung deS Kleruszu den politischen Verhältnissen der Gegenwart finden wir folgende beach-tenSwerthe Puncte hervorgehoben:

Erstens. Es ist größtentheils und fast überall mit der Würde desPriesters und seinem Ansehen unverträglich, zu politischen Versammlungeneinzuladen, sie abzuhalten und zu leiten. Dieß ist vielmehr Sache derPolitiker von Profession. Schreiber dieses weiß, wie sehr man einen Prie-ster, der gegen diese Regel handelte, von geistlicher und weltlicher Seitegetadelt und verunglimpft hat. *)

Zweitens. Dagegen wird eS gerathen seyn, solchen Versammlun-gen, wenn sie in der Pfarrei oder in deren Nähe gehalten werden, bei-zuwohnen und nach Gelegenheit daS Wort zu ergreifen. Nur wenn mitGewißheit vorauszusehen wäre, daß seine Anwesenheit Zorn oder Erbit-terung unter den Versammelten herbeiführen würde, oder Wender mitGrund befürchten könnte, daß gegen die Religion und die bestehende Ver-fassung aufrührerische Reden gehalten werden, hat er sich fern zu halten.In diesem Falle aber wird er nicht ermangeln, auf geeignetem Wege seinePfarrangehörigen und andere, auf die er Einfluß hat, zu ermähnen, daßauch sie der Versammlung nicht beiwohnen.

Drittens. Damit die Gemeinde nicht der Verführung sogenannterVolkSsreunde preisgegeben werde, andererseits aber ihre politischen undkonstitutionellen Rechte, gewahrt bleiben, hat der Seelsorger die Pflichtauf sich, sie zu ermahiicii, sich einem der bestehenden katholischen Vereinedurch Bildung eines FilialvcreineS anzuschließen.

Viertens. Hat sich ein solcher Verein gebildet, so wird eS dieSorge deS Seelsorgers seyn, daß er ihm in jeder Weise zu Diensten steht.Selbst beizutreten wird nicht in allen Fällen rathsam seyn; eS wird hin-reichen, hie und da den Versammlungen wo möglich auf Einladungbeizuwohnen, und als außerordentliches Mitglied sich einschreibenzu lassen.

Fünftens. Ein Hauptaugenmerk richte er darauf, die religiösenFragen von den politischen und bürgerlichen zu trennen. Erscheint er inder Versammlung, so erkläre er, daß er nicht als Pfarrer, sondern alsStaatsbürger hier sey. Die Religion wird er immer und überall zumMotiv der Handlungsweise seiner Untergebenen machen, nicht aber inallen Tagcöfragcn religiöse Fragen erkennen. Er soll den Beweis liefern,daß die Kirche zeitgemäßen Reformen, die eS wahrhaft sind, nicht im Wegesteht. Die Religion ist der Willkür der Herrscher und der Zügcllosigkeitder Völker gleich entgegen. Sie ist die Mutter der wahren Freiheit. Siebefehdet nur den Umsturz und die rohe Gewalt, die zerstört ohne aufzu-bauen. DaS Volk soll lernen, daß gesetzlicher Fortschritt nicht im Wider-sprüche stehe mit der treuen Aichängltchkeit an den Glauben und die Kirche,so wie daß eben deßhalb alle Reformen, die dem Glauben und der Kirchewidersprechen, oder wogegen diese Einwendungen zu erheben hat, diesenNamen nicht verdienen.

Sechs tenö. Ein Haupibcdürfniß ist eS, dem Volke begreiflich zumachen, daß alle Berge zu ebnen, alle Hügel abzutragen, alle Thälerauszufüllen auch die beste Regierung nicht vermöge. Alle menschlichenEinrichtungen tragen den Stempel der Mangelhafligkeit und Unvollkom-menheit an sich. ES ist eine,beklagenswertste Thatsache, daß irgend einministerieller Fehlgriff häufig schon den Sturz deS Ministers nach sich zieht.Niemand ist in allen Stücken vollkommen; die bestgemeinten Entwürfe fin-den oft unübersteiglichc Hindernisse, oder zeigen sich in der Anwendung alsunausführbar. Davon können unsere FortschrittSminister viel erzählen.Stark in der Opposition, waren sie desto schwächer, als sie selbst anSRuder kamen. Also nur keine 'zu hohen Erwartungen! Nur keine Wunderverlangen!

Siebentens. Ein starkes Hinderniß eines wirksamen Einflussesder Geistlichen auf daS Volk ist die weit verbreitete Meinung, daß sienur ihre StaudeSintcrcsscn im Auge haben. Man bemühe sich also, diesemWahne die Wahrheit gegenüberzustellen. Der Priester zeige durch Wort

') Hiegegtn spricht nicht die von vielen Seelsorgern init Erfolg abgewendete Abhal-tung einer Gemeinde zum Zwecke gemeinsamer Besprechung und Beschlußfassung. Wirhatten oben größere Versammlungen im Auge.

Veranlwortlicher Redacteur: L. Schönchen.

und That, daß er auch in seiner politischen Thätigkeit nicht für sich, son-dern für seine Heerdc sorge. Er gebe, waS er geben kann, er entsagefreudig für seine Person allen Privilegien und Vorrechten als Staatsbürger,waS nicht mehr zu retten ist, lasse man fahren. Man nehme so denFeinden der Kirche die Waffen auS der Hand, die sie leider mit vielemErfolge bisher geführt haben. Durch freundliches Zuvorkommen, durch *Nachgiebigkeit und Opferwilligkeit wird man für die materiellen Verlustegeistigen Gewinn eintauschen. ES ist hohe Zeit, daß sich der KlerusFreunde mache. Schon steigen neue Wolken am politischen Horizonte auf.Wünschen wir, daß sie sich vertheilen, so lasset unS einträchtiglich mitdem Volke und für daS Volk reden, schreiben und wirken und mitGotteS Gnade bessere Zeiten herbeiführen.

BlumS Tod.

* München, 23. Jan. Die Nachricht, daß Robert Blum vorseinem Ende, dem Deutschkatholikenthum entsagend, sich nach dem Empfangder heiligen Sacramente der katholischen Kirche sehnte und sie empfing,mußte voraussichtlich in der radicalen Presse einen Rückschlag und einenconliverablengesinnungstüchtigen" Lärmen erregen. In München wardaS Tagblatt, daS Organ der Deutschkathchischen, also daS Orgai^. derLiebe," eines der ersten Organe, um die Postzekvung und Konsorten auchdießmal (wie schon so oft) mit einem Schmutzwurf heHiger und 'brüderlicher,liebevoller" Schmähwort? zu überschütten,, auch nebenbei dem PsaffenfreundI)r. Hurter einen kräftigen Settenhicb zu versetzen. Nun beeilt sich einanderes der gesinnungstüchtigen Blätter, ick einem Artikeldie heiligeLandbötin und ihr Anhang» .die Bekehrung Blunl's als Lüge zu erklärenund denPfaffen" Eines hknauSzugeben. Dasselbe Blatt schließt seineSammlung für Blum'S Wittwe und Kinder mit der Summe von 56 fl.!

DaS ist daS Resultat beinahe eines Vierteljahres und so begeisterter Auf-rufe; wenn man für Blum'S Wittwe und Kinder so viel Mitleid fühlte(und sie verdienen es auch in »Vnchcr Beziehung), hätte man nicht zweck-mäßiger einen Theil der SuMie, welche die Münchner Todtenfeier fürBlum kostete (Manche glauben, im Ganzen nahe an 2000 fl.) zu jenem Mit-leidszwccke verwenden können? Allein Mancher will wissen, daß es damalsmehr auf eine politisch-demokratische Demonstration, als auf eine Todten-feier abgesehen war. Zu läugnen, daß Blum als katholischer Christstarb, eS für eineLüge" zu erklären, ist leicht, und ist in der Weltder .Gesinnungstüchtigen" gewiß auch erfolgreich, denn vr. Hurter ist !einPfaffenfreund", also unglaubwürdig, Pater Raimund ist einPfaffe»,also ebenfalls unglaubwürdig, der Profoß, der etwa als Zeuge dienenkönnte, ist einSchwarzgelber», also unglaubwürdig, ergo daS Ganzeeine Lüge derPfaffenpartei". DaS ist allerdings ganz bequem; aber >fatal war Blum'S Bekehrung für dieGesinnungstüchtigen", für dieGewaltmänner der Freiheit", ein wahrer Donnerschlag; denn starb Blumals katholischer Christ, so starb er weder zagend, wie ein tröst- und halt-loser armer Sünder, noch keck und trotzig, wie ein Barricadenmensch, derdas Hemd von der behaarten Brust reißt, und mit gesinnungstüchiigemPathos schreit:hieher zielt, deutsche Brüter!" Blum kann also derDerbheit und modernen Barbarei der modernen Nothrcpublik nicht alsHeldenercmpcl hingestellt werden; starb Blum als katholischer Christ, er-wähnte jeder gute Katholik dieß mit aufrichtiger Freute und weihte er ihmdabei den Tribut eines anerkennenden Andenkens für eine, wenn auch späte,doch so aufrichtige und in Wahrheit demuthvolle Bekehrung, so hatte diegcsinnungstüchtige Presse einen Anlaß weniger, die glänze katholische undconservative Welt wegen ihrer Be feint ung Blum'S in die tiefste Höllezu verwünschen; wahrlich, wäre Blum'S Bekehrung noch vor seinen ver-schiedenen Tvdtenfeiern bekannt geworden, man hätte unter der ZahlderGesinnungstüchtigen» statt sunkensprühcnoer Begeisterung so mancheskühle und lange Gesicht erblickt. Danken wir aber Gott, daß Er durchSeine Gnade den Sterbenden rührte und daß dieser dem Zug der Gnade >treu folgte.

Verein der heiligen Kindheit.

Der Verein der heiligen Kindheit hat in dem letzten Hefte seinerJahrbücher einen interessanten Bericht über seine bisherige Wirksamkeit h

erstattet. Seine Einnahmen betrugen vom 1. Mai 1847 bis zum 1. Mai1848 95,834 FrancS , die Ausgaben 95,478 FrancS. Davon gingen inFrankreich 76,865 FrancS , im Auölande 18,968 FrancS ein.

Verlags-Inhaber: F. C. Kremer.