236
daß sie an den Aufbau deS niedergebrannten Klostersdenken konnten. Die heutige große Kirche wurde nun er-baut und im Jahre 1677 das große Kloster, so wie esheute noch steht.
Es kam nun eine ruhigere Zeit. Das Kloster erholtesich wieder. Es entwickelte sich bald nach dem Schweden-kriege eine lebhafte Wallfahrt nach Ursberg . Ein altesKruzifixbild war bei allen Zerstörungen, die Kirche undKloster trafen, stets wunderbar erhalten worden, selbstbei der Vernichtung aller Bilder durch die Schweden amTage vor der Niederbrennung der Kirche. Nur ein Armwurde dem Bilde von einem schwedischen Soldaten ab-geschlagen. Seitdem galt das Bild als wunderthätig;zahlreiche Wallfahrer kamen im frommen Glauben, daßGott an die Andacht vor diesem Bilde die Gnade ge-knüpft habe, in todtgeborenen Kindern die Lebensflammewieder zu erwecken, um sie taufen zu können. Tausendevon todtgeborenen Kindern wurden 100 Jahre lang vonallen Seiten nach Ursberg zu diesem Gnadenbilde gebrachtund, sobald man an ihnen Lebenszeichen bemerkt habe,wie es in den Akten heißt, getauft, bis gegen Ende desvorigen Jahrhunderts Zweifel und Einspruch gegen dieseTaufe todtgeborener Kinder erhoben und diese selbst vonhöherer Seite untersagt wurde.
Das Reichskloster Ursberg erfreute sich noch immereines ansehnlichen Herrschaftsgebietes, zu welchem alleFilialen von Ursberg (Baiersried, Rohr, Bremach),Mindelzell, Attenhausen, Edenhausen, Billenhausen, Has-lach, Tiefenried, Hagenried, Erisweiler und das Krum-bacher Bad und halb Ellzee gehörten, bis die Säkulari-sation 1801 auch dieses 700 Jahre alte Reichsstift verschlang.
Ursberg ist heute berühmt durch seine Cretinen-,Blinden -, Taubstummen- und Epilepten-Ver-sorgungs-Anstalt, welche von dem hochw. HerrnPfarrer Dominikus Ringeisen in den ehemaligenKlostcrräumen in's Leben gerufen worden. Zunächst erfolgtedie Gründung der Cretinenanstalt im Jahre 1884, derenEröffnung am 1. Dezember des genannten Jahres statt-fand. Schon im folgenden Jahre war es dem Wohlthäterder Armen gegönnt, mit der Cretinenanstalt eine Blinden-Anstalt zu verbinden.
Im Jahre 1888 wurde der große Neubau begonnen,und 1889 vollendet. In demselben wurde von der FabrikHaag in Augsburg eine Centralheizung eingerichtet undzwar die „Niederdruckdampfheizung". Diese Centralheizungwärmt den ganzen Bau und speist auch ein großes Lokalunter dem Dachboden, welcher als „Warmtrockenraum"der Wüsche eingerichtet ist.
Behufs Arrondirung wurden einige Acker- und Wies-gründe bei günstiger Gelegenheit neu erworben. Imselben Jahre wurde auch ein sehr schöner Gottesackerangelegt, da der Altgottesacker für die Anforderungender Anstalt nicht mehr ausreichte. Zugleich erfolgte dieAufnahme von Taubstummen in die Anstalt, der Neubau,welcher 1890 bezogen wurde, mußte zur Aufnahme der-selben erweitert werden. In demselben wurden sodannauch untergebracht die Werkstätten für Schusterei, Bürsten-binderei, Strohmatten- und Sesselflechterei, und wurdezugleich die Einrichtung getroffen, daß er im Nothfallejeden Augenblick zu einem Spitale Verwendung findenkonnte.
Die im Jahre 1888 erworbene Mühle — vonSchwestern geleitet — zeigte sich für die Anstalt alssehr nützlich, sowohl das Mahl- als das Sägewerk, da
vor allem die großen Anstaltsbedürfnisse gedeckt werdenkonnten, wozu noch die Versorgung einer zahlreichen Kund-schaft kam, indem alles dem Unternehmen vollstes Ver-trauen entgegenbrachte.
So gut aber Feldgründe und Baulichkeiten waren,so schlimm stand es beim Wasser-, Mahl- und Sägewerk;sie waren keine Stunde mehr sicher vor dem Zusammen-krache.
Am 5. Juli 1891 wurde darum der Wasserbaubegonnen und auf die solideste Weise durch BaumeisterJakob Zepf von Thannhausen ausgeführt.
Nachdem auch die sonst noch nöthigen Baulichkeitenfür den Mahlbetrieb vollendet waren, folgte die Montagedes Mahlwerks durch die Mühl-Maschinen-Fabrik Geiß-lingen, welche ein vollkommen neues Werk herstellte fürden gewöhnlichen Kunden- und für den Kunstbetrieb.
Am 17. Februar 1892 erwarb Herr Pfarrer Ring-eisen das Krumbad.
Das Jahr 1892 war für die Anstalt ein Vollend-ungsjahr.
Die Mahlmühle erhielt noch eine Vorsichtsmaschinefür den Weißgang, um die Leistungsfähigkeit in derFeinheit des Mehles zu erhöhen.
Besonders wichtig für das gesammte Mahlwesenwar die Herstellung einer Ventilation, die der Mehl-produktion sehr förderlich war. Durch die Entwärmungund deshalb Entfeuchtung der Transporteure und Cylindernahm die Qualität des Mahlgutes in hohem Grade zu,das Mahlmaterial aber erfuhr eine hohe Steigerung inder Dauerhaftigkeit.
Die Sägmühle erhielt ihre bauliche Vollendung.
Im Jahre 1892 erfolgte auch die Aufnahme vonEpilepten. Wenn man die rasche Entwicklung der Anstaltseit den 8 Jahren ihres Bestehens ins Auge faßt, somuß man gestehen, daß Gott das Werk gesegnet. Welch'segensreiches Wirken, die Anstalt Ursberg seit ihrerGründung entwickelt, ist allenthalben bekannt. EineUnterstützung des edlen Unternehmens des hochw. HerrnPfarrers Ningeisen ist daher Allen zu empfehlen.--
Zu unseren BildernAuch ein Künstler.
Da steht er vor dem Hause, der Mann mic dem Leierkastenund der spielenden Marionette, erwartend, daß bei den erstenWeisen, die er dem Instrumente entlockt, auch ein Publikum sicheinfinden werde, das seiner Kunst Aufmerksamkeit schenkt. Inden Augen der Kinder, die den Klängen lauschen und demSpiele der Figuren ihre Bewunderung zollen, ist der Savoyardegewiß auch ein Künstler. Mit dem Beifall und der Bewunderungwird es unserm „Künstler" aber nicht genug sein. KlingenderLohn ist ihm, wie so manch' wirklichem Künstler die Hauptsache.
Die Schwalben stnd wieder da.
„Wenn der Lenz beginnt, Und der Schnee zerrinnt, Wenndie Veilchen weckt ein warmer Hauck" — wie freut sich danicht jedes Menschenherz! Und wenn mit den wärmeren Sonnen-strahlen die lieben Schwälblcin kommen, da herrscht Freude injedem Hause, in welchem sie ein Nestchen gebaut, denn „dieSchwalben bringen Glück!" heißt es im Volksmunde. Undheute sind sie wieder gekehrt und haben ihr altes Heim auf-gesucht. Durch froh' Gezwitscher haben sie den Bewohnern desHauses ihre Ankunft angezeigt I „Die Schwalben stnd wieder da!"jubelte Mariechen und eilends ging es hinaus mit der Mutter— auch das Brüderlein darf nicht fehlen — um die Schwälblcinzu grüßen. Was haben die Leutchen für eine Freude über dieAnkömmlinge, denn „die Schwalben find wieder da!"
--EZS---