Ausgabe 
(17.4.1894) 31
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Abt Thomas erhob nach dem Bauernkrieg das Klosterbald wieder aus Schutt und Asche. Seine Nachfolgerwirthschafteten gut, aber das 17. Jahrhundert brachteabermals schwere Prüfungen. Unter Abt Vitus Schön-heinz grassirte 1622 eine schreckliche Hungersnoth. DasSchaff Roggen kostete 72 fl., das Pfund Schmalz 1 fl.36 Kreuzer, die Maß Bier 12 Kreuzer. Im Jahre1627 raffte eine Viehseuche fast alles Vieh in der Gegendhin, nur das Vieh, das dem Kloster gehörte, blieb fastganz verschont, was die Klosterconventualen der Fürbittedes hl. Leonhard zuschrieben. Zum Dank dafür opferteder Abt am St. Leonhardstag dem hl. Leonhard inBillenhausen eine sechsjährige Kuh, wie Kormann inseiner Ursberger Chronik erzählt (welcher Chronik wirVorstehendes entnehmen). Es kam noch schlimmer. ImAugust 1628 brach die Pest aus und wüthete furchtbar

Leuten der Muth. Alles floh in die Wälder, und auchdie Mönche von Ursberg flohen in's Bayerland. Nurder Subprior Franz Habersak und zwei Patres bliebenin der Nähe des Klosters. Der Prior war in Mindel-heim, der Abt in Schäftlarn, später in Benediktbeuern und Tirol. Am 23. April kamen schwedische Reiter,mißhandelten den Subprior auf dem Wege nach Krum-bach, brachen ins Kloster ein und raubten es aus. AmGeorgitag zündete eine andere schwedische Rotte das Klosteran. Die Kirche, die Bibliothek und alle Klostergebäudewurden ein Raub der Flammen. Den Wein, das Vieh,die Pferde und die ganze Einrichtung nahmen und ver-zehrten oder verdarben die Soldaten und der Pöbel ausder Nachbarschaft. Die Oekonomiegebäude mit Stall undStadel wurden namentlich durch die Anstrengungen derzwei Wirthe Adam und Rubelin aus Thannhausen gerettet.

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Kloster Ursberg. (Südseile.)

Original-Aufnahme von Gustav Boa» er Photograph in Krmnbach. lVervielfältigungSrecht vorbehalten.)

in der Gegend. Im nahen Dorf Mindelzell starben inwenigen Monaten 300 Menschen, im Weiler Bremachalle bis auf 8 oder 10, in Rohr 200, in Beiersriedüber 80.

Nach 4 Jahren, unter Abt Matthäus Hohenrieder,kamen die schrecklichen Schweden. Am 11. April 1632Nachts kamen die ersten Reiter von Thannhausen heran's Kloster, als sie aber Licht im Thurme und die vonden Bauern angezündeten Feuer auf den Anhöhen erblickten,fürchteten sie starke Besatzung und ritten wieder fort.Am 13. April heulten die Sturmglocken durch's Kam-melthal. Das Volk ergriff die Waffen, um sich denSchweden gegenüber zu wehren. Die Krumbacher ver-sprachen den Bauern des Klosters, die auf den AnhöhenWache hielten, Hilfe. Als aber die Schweden Haslachangezündet und das Schloß Neuburg geplündert, dendortigen Beamten tödtlich verwundet hatten, sank den

Der größte Theil der Klosterunterthanen aber löschten,wie 1?. Kormann berichtet, mehr ihren Durst als dasFeuer, raubten und jubelten, hoffend, daß, wenn allesniederbrenne, die Mönche nicht mehr zurückkehren könnten.Der Abt und die Conventherren irrten nun mehrereJahre in verschiedenen Klöstern umher, nur drei Patresblieben unter vielen Gefahren und Entbehrungen imKlostergebüude und versahen die Seelsorge. Erst umdas Jahr 1636, als das Kriegswetter sich weiterhinverzogen hatte, kehrten der Abt und mehrere Patres wiederzurück und erbauten im Jahre 1640 auf dem Michels-berge, der sich neben dem Kloster erhebt, eine kleine Kircheund 4 Jahre später ein kleines Klösterlein. Hier wohntennun auch nach dem Schwedenkriege viele Jahre lang dieKlosterherren, welche auf 9 Chorherren und 2 Novizenzusammengeschmolzen waren. Erst im Jahre 1673 hattensie sich wieder soweit von den Kriegsdrangsalen erholt,