234
so tief beleidigt, und sich nicht entblödet hat, noch heuteIhre Liebe für ihn als unzweifelhaft hinzustellen, wieman zu sagen pflegt, am Halse. Wissen Sie, was diesfür Herrn Julius, und was es der Welt gegenüber fürSie bedeutet, liebe Armgard?"
Diese schwieg einen Augenblick, dann aber richtetesie sich stolz auf und antwortete mit fester Stimme:„Was jener Herr denkt, kann mir persönlich sehr gleichsein, Tante Hanna! — Für mich bedeutet die Geschichtenichts weiter, als ein wenig Samariterthum gegen einfremdes, krankes Kind, weshalb das Urtheil der Weltmir hier ganz gleichgültig sein kann."
„Dann bin ich beruhigt", sprach Tante Hanna miteinem tiefen Athemzug, „und kann leichten Herzens nachHause reisen."
„Nein, Tante Hanna", ich lasse Sie nicht fort!"
sterben als mit der unfreundlichen alten Tante wegreisenwolle. (Fortsetzung folgt.)
u r s b e r g.
(Schluß.)
(Hiezu die Bilder auf Seite 234 und 235.)
Von dieser Mißregierung erholte sich das Stiftnie mehr, obwohl dem Abte Ulrich mehrere vortrefflicheAebte folgten. Abt Johann Gerngroß 1470 -1479brachte durch gute Wirthschaft wieder Ordnung in denHaushalt. Sein Nachfolger Johann Nibler (1479—1500)dankte ab und ging auf die Pfarrei Haslach. Der Con-vent wählte den klugen und frommen Wilhelm Hensel- man zum Abt, der bis 1522 vortrefflich regierte undviele von Sekler verschleuderte Güter und Dorsschaften
klMl
Kloster Ursberg. (Ostseite.)
Original-Aufnahme von Gustav Bader, Photograph in Krumbach. sDervielfältigungSrecht vorbehalten.)
rief Armgard bittend, „Sie versäumen zu Hause nichts,und könnten mir hier die sicherste Mauer gegen jede übleNachrede bilden. Wenn Sie zum Exempel die Pflegeder Kleinen übernehmen —"
„Gut, es wird wohl das Beste sein, das Kind, wieich beabsichtigt, auch hier unter meine Flügel zu nehmen.Möchte aber doch erst mal heimkehren, um mein Hauszu bestellen. Ich könnte bei dieser Gelegenheit mit demDoktor zurückfahren —"
„Und ich lasse Sie morgen Vormittag wieder abholen,Tante Hanna!" fiel Armgard sichtlich erleichtert ein.
Der Arzt kam erst spät Abends, da er einen Pfingst-Ausflug mit seiner Familie gemacht hatte. Er hatteeinige Medikamente mitgebracht, welche Lotta mit Wider-streben nahm und dabei fortwährend nach ihrem Papajammerte, wobei sie Armgard's Hand krampfhaft festhieltund sie anflehte, bei ihr bleiben zu dürfen, da sie lieber
wieder zurückkaufte. Sein Nachfolger Thomas 1522—1569fuhr in seinem Geiste fort. Das Kloster war wieder soziemlich auf der Höhe, da kam der Bauernkrieg 1525und warf es wieder in Schutt und Asche. Sonntag den30. April früh überfielen die aufständischen Bauern dasKloster, plünderten es, brannten es dann nieder bisauf den Thurm; nur dieser und die Klostermühle undBäckerei blieben stehen. Aber schon tagsdarauf kamendie Truppen des schwäbischen Bundes und sprengten diein Oberrohr versammelten 100 Bauern auseinander,verfolgten sie in das Moos gegen Balzhausen, wo sie 8Bauern erstachen und 4 gefangen nahmen. Nach Nieder-werfung des Aufstandes vertrug sich Abt Thomas mitseinen Unterthanen. Jedes dem Kloster eigene Haus,dessen Inwohner mit den Rebellen liefen, mußte 12 fl.Strafe^zahlen, die übrigen zahlten 6 fl. und erhieltenhiezu sechsjährige Frist.