Ausgabe 
(25.5.1894) 42
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er auf etwa 34 em Tiefe gepolstert, so baß man von vornmit den Fingern in die Schußlöcher des Oberzeugs und derPolsterung hineingreifen, die Art deS als Geheimniß des Er-finders gehüteten Panzerstücks nicht durch Fühlen erkennen kann.Die Polsterung besteht aus Tuch- und Sackleincnüberzug, Lederund Werg, ihre Zusammensetzung ist nach Angabe des Erfindersvollkommen belanglos, da sie nur dem Zweck der Geheimhaltungder Erfindung dient. Einen Querschnitt durch den Panzerfindet der Leser unten links auf der Zeichnung in natürlicherGröße.

Um nun zu einem Urtheil über den Werth der Panzerungzu gelangen, ist Folgendes zu beachten: Kugelsicher demmodernen klcinkalibrigen Gewehrgcschoß gegenüber ist nur daserwähnte kleinere mittlere Stück der Panzerfläche. Bei allenBeschießungen des Panzers hat sich dieselbe nur auf diesen Theilerstreckt, und bei den öffentlichen Vorführungen wird von dersicheren Hand des Kunstschützen-Kapitäns Martin Frank nurdaö rothe einer stets vor die Mitte des kugelsicheren Theilesgehaltenen Karte getroffen. Bei einem Gesaimntgewicht desApparats von etwa 8 Pfund weiß man nicht genau, welchesNettogewicht auf das Panzerstück entfällt, man kann also kaumgenaue zahlenmäßig zutreffende Schlüsse auf die Schwere größerer,einzelne Körpertheile oder gar den ganzen Körper eines Soldatenschützender Panzerungen ziehen. Das eine steht jedoch vonvornherein fest, daß eine Panzerung in ähnlichem Umfange wieder Kürassierharuisch ausgeschlossen ist, da der Mann, Reitersowohl wie Infanterist, zu sehr belastet würde.

Aus der Deformirung der vom Verfasser persönlich unter-suchten Geschoßsplitter, die dem Polster der Panzerung ent-nommen worden, sowie aus der Häufigkeit der Beschießung desPanzers auf ein und denselben Punkt, geht hervor, daß derPanzer eine jeden Eindruck vermeidende gleichsam stabl-itz arte Masse sein muß. Der Geschoßmantel zersplitterte inlängliche, vielfach verbogene Streifen, das Blei deformirte sichund erreichte durch den Anprall ersichtlich in kleinerem Um-fange Schmelztemperatur, die Stauchung der Geschosse war be-deutend. Die Vermuthung, daß es sich bei dem Panzer umeine federnde Widerstandskraft handle, ist danach abzu-weisen. Alle Versuche, durch Federkraft, durch dicke, ausSpiralen von bestem Klavierdraht hergestellte Panzerung, demkleinkalibrigen Geschoß den Durchgang zu wehren, sind that-sächlich fehlgeschlagen, wie Verfasser an durchschossenenPanzerungs-proben dieser Art gesehen hat.

Die Härte und Starrheit der geheimnißvollen (?) Panzer-masse läßt bei ihrem Gewicht also als praktisch brauchbar viel-leicht eine Verwendung zu kleinen Schutzschilden zu. Könnendiese so leicht hergestellt werden, daß sie mit dem Tornisterdes Mannes verbunden werden, so könnten sie als jederzeit i'mGelände aufstellbare Deckung und Gewehrauflage beim Liegend-schießen dienen. Größere Körperthcile zu bekleiden, erscheintausgeschlossen. Vielleicht blüht dem Panzermittel eine Zu-kunft im Festungskriege an Stelle von Faschinen, Sandsäcken,Schanzkörben u. dgl. Ferner zu flüchsigcr Feldbefestigung, anBord von Schiffen zum Schutz der Mann'chaften auf Deck undin den Marsen der Gefechtsmasten und an ähnlichen Orten.Im Fcldkriege aber dürfte sie, wenn überhaupt, nur in obenangedeuteter Meise verwendbar sein, und da die Herstellungausreichender Deckungen viel Zeit in Anspruch nimmt, wirddie Vertheidigung naturgemäß den größten Nutzen aus solchenFeldbefestigungen ziehen; doch auch wo beim Angriff dasSchanzzeug wcrthvolle Dienste zur Festhaltung und Verstärkunggewonnener Abschnitte leisten kann, möchte der Panzer ver-wendbar sein, denn nach Anficht unseres Exercierreglcmcntsdürfte das heutige Jmanteriegefecht Stunden überdauern.

Angesichts der oben erörterten Beschaffenheit des Dowe-schen Panzers ist jedoch die Frage berechtigt, ob seine Schutz-wirkungen nicht eben so gut durch einfache Benutzung vonkleinen Nickelstahl-Panzerschilden, die um nichtsschwerer, steifer oder unhandlicher als der geheimnißvolle kugel-sichere Panzer des Mannheimer Schneidermeisters sein brauchen,erreicht werden können. Verfasser möchte dies glauben, undvielleicht stehen die entscheidenden militärischen Autoritäten dieserAuffassung nicht fern, wie aus der Zurückhaltung derselbennach dem geschehenen Probeschicßen hervorgeht.

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Himmelsschau im Monat Juni.

X. Merkur L ist in der zweiten Hälfte desMonates am weitesten östlich von der Sonne entfernt

und als Abendstern dicht über dem westlichen Horizontfür das unbewaffnete Auge sichtbar. Er geht 1 Std.45 M. nach der Sonne unter.

Venus § geht als Morgenstern etwa 2 Stundenvor der Sonne auf.

Mars in den Fischen wird allmälig Heller undgeht auf zwischen 1 U. 21 M. und 11 U. 58 M. nachts.

Saturn H, noch der hellste Planet, steht nördlichvon der Spika und geht anfangs um 2 U., zuletzt um12 U. nachts aus.

In der Nähe des Mondes befinden sich am 4.Merkur, am 12. Saturn, am 26. Mars, am 30. Venus.

Zum

Kyzährigen Kriester-Iuöikänm

dis

Hochlvürdige», Hochverehrten Herrn Pfarrers n. bisch, geistl. Rates

in Minil-lkieim

am 21. Mai 1894.

Schon zweiundneunzig Lenze sah'st Du zreh'nAuf Deinem hochbeglückten Erdenpfade;

Dich beugten nicht des Lebens Sorg' und Müh'n;Gott schützte Dieb mit seiner Huld und Gnade.D'rum sei der erste Dank dem Herrn gebracht,

Des Vateraug' Dich stets so treu bewacht.

Und beute, da in Deinem Pr'esterlaufDer Jahre sechzig Dir so schön verflossen,

Da schauen Tausende zum Himmel auf,

Die Deines Wrltens geist'gc Frucht genossen,

Und fei'rlich steigt aus frommer Beter ChorEin heißes Fleh'n für Dich zu Gott empor.

Wer zählt die edlen Körner jener Saat,

Die Du gestreut in's weiche Herz der Jugend?

Wer zählt die Mützen, die in Wort und ThatGeopfert Tu zur Pflanzung wahrer Tugend?

Es steht geschrieben dorr am Himmelszelt,

Was Du erstrebt, gewirkt in dieser Welt.

Und all die Tausende, die Du befreitVon schwerer Sündenlast, die sie bedrücket,

Die Du gestärkt zum Heißen LebensstreitMit Himmclsbrot, das alle reich beglücket:

Sie reichen Lieb- und Dankesblüten darVoll Jubel Dir am festlichen Altar.

Sich, hochverehrter, edler Jubelgreis!

Wir alle, arm und reich und hoch und nieder,

Steh'n heut' vor Dir voll Lob und Preis,

Und dort im Himmel tönen FreudenliederVon sel'gen Geistern, die durch Dein Bemüh'»

Als Himmelsblumen dort so herrlich blüh'n.

Was sollen wir zum Jubelfeste weih'n,

DaS würdig wäre, Dich getreu zu ehren?

Nur Segenswünsche, kräftig, fromm und rein»

Kann unsre warme Liebe Dir bescheren,

Nur Dankesperlen in Dein SilberhaarBringt unser Herz voll tiefer Rührung dar.

So träufle denn hernieder aus den Höh'nDes Gnadentaues kräft'ger, reicher Segen,

Daß lang wir noch Dein edles Walten seh'nUnd neue Kraft Dir blüh' auf Deinen Wegen,

Bis einst Dein Geist an Gottes ew'gem Thron'Genießet Deines Wirkens reichsten Lohn!

Leonhard Seivokd>i

pc»s BrzirlshauMhrer.

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