Ausgabe 
(9.10.1894) 82
Seite
638
 
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schlang er sie mit seinen Armen.Melitta, Du bist mein,ich lasse Dich nicht, wenn Du mich nicht von Dir stößest,denn ich liebe Dich," rief er stürmisch aus.

Einen kurzen Augenblick schlug sie die schönen, seelen-vollen Augen. zu ihm empor, und in diesem einzigenBlicke las er das Geständnis; ihrer Liebe, und jede weitereAufklärung war nutzlos.

Mit dem Gefühl höchster Glückseligkeit umschlanger sie, drückte sie fest an sein laut pochendes Herz, undihre Lippen begegneten sich zum ersten Verlobungskuß.

Melitta, meine Geliebte, wie oft habe ich diesenAugenblick sehnlichst herbeigewünscht," flüsterte er ihr insOhr.Ich liebte Dich schon vom ersten Augenblick an,als ich Dich so einsam und verlassen auf dem Bahnhöfestehen sah, und ich nicht einmal Deinen Namen kannte.Wie war es denn mit Dir? Hattest Du mich damalsauch ein wenig lieb?"

Sie schmiegte sich fester an ihn.Ja!" flüsterte sieebenso leise,ich glaube wirklich, ich liebte Dich schonbeim ersten Anblick; aber als Du vor einem Jahre denArm irrthümlich um meine Schulter legtest, konnte ichkaum meinem Herzen mehr gebieten; denn alle meineGedanken weilten allein bei Dir."

Komm, laß uns zu dem Onkel gehen; wir habenheute den größten Wunsch seines Herzens erfüllt,"schlug er vor, und Arm in Arm verließen die Glücklichendas Zimmer.

-«MI-

Frei sing.

(Mit Bild.)

Freising , unmittelbare Stadt im bayerischen Regie-rungsbezirk Oberbayern , an der Jsar und an der LinieMünchen -Negensburg der bayerischen Staatsbahn. Es hateine katholische und eine evangelische Pfarrei, 7 Kirchen(darunter die Domkirche von 1160 mit Kunstwerken undDenkmälern), einen großen Marktplatz mit einer Marien-säule, ein ehemaliges fürstbischöfliches Schloß (jetzt Klerikal-seminar), ein Armen- und Krankenhaus und circa 9000Einwohner. Unter den Industriezweigen treten die Fa-brikation von Dreschmaschinen. Mühlenbau, Bierbrauerei,Buchdruckerei, sowie bedeutende Torfstecherei hervor. Freising ist Sitz eines Bezirksamts und Amtsgerichts, hat einLyceum, eine Studienanstalt, ein Schullehrerseminar undPräparandenschule. Nahe bei Freising liegt die ehemaligeBenediktinerabtei Weihenstephan (725 vom hl. Corbinian gegründet, 1803 aufgehoben) auf einer Anhöhe, jetzt einkönigliches Oekonomiegut mit einer Musterwirthschaft, einerlandwirthschaftlichen Central- und einer Brauerschule mitpraktischem Vorkurs und bemerkenswerthen agrikologenSammlungen, Obstbaumschule und berühmter Bierbrauerei.

Die Stadt soll von den Römern gegründet wordensein. Im Jahre 270 kam der heilige Maximilian undpredigte das Christenthum. Im 7. Jahrhundert findenwir auf dem Domberg eine feste Burg der bajuvarischenHerzoge. Herzog Grimoald hatte den heiligen Vater ge-beten, einen Oberhirten für seine Gemeinden zu senden.Derselbe schickte den durch seine außerordentliche Fröm-migkeit hervorragenden heiligen Corbinian als Bischof.Den Höhepunkt politischer Macht und Größe erreichte oasBisthum unter Otto I., dem Großen. Otto starb am22. September. 1158. Im Domhof steht seine Statuevon Kaspar Zumbusch . Sie wurde am 19. Nov. 1857enthüllt. Unter seinem Nachfolger Albert (11581184)

zerstörte eine Feuersbrunst, welche am östlichen Dombergam Morgen des Palmsonntags, 5. April 1189, ausbrach Domkirche, Residenz und den größten Theil der Stadt.Durch reichliche Beiträge Barbarossa's und seiner Ge-mahlin Beatrix, welche zum Dank hiefür am innern Portalder Domkirche abgebildet sind, konnte er den Dom neuaufbauen, so wie er der Hauptsache nach heute noch be-steht. Die Arbeit stockte und Niemand wollte weiter bauen.Doch der Bischof griff wie ein Tagelöhner persönlich zu,und durch dies Beispiel angeeifert, zogen Tausende ausallen Ständen, betend und singend, Wagen mit Bau-materialien den steilen Domberg hinan.

1634 brandschatzte Gustav Adolf die Stadt um30,000 Goldgulden, 4000 Eimer Weins, alles Bier undetliche tausend Scheffel Getreides.

Nachdem die Schweden noch Stadt und Residenz ge-plündert, zogen sie ab, und die Kaiserlichen, welche folgten,nahmen, was übrig war, so daß eine schreckliche Hungers-noth entstand. 1674 errichtete Albert Sigismund dieMariensäule. Sie bildet die Hauptzierde des Freisinger Marktplatzes.

Unter Johannes Franz Ecker Freiherrn von Kapfingund Lichtenegg (16951727) feierte 1724 Freising seintausendjähriges Jubiläum. Schon als Domdekan hatte erden 278 Fuß hohen Pfarrthurm von St. Georg erbauenund mit Glocken von Schelchshorn in Regensburg ver-sehen lassen, außerdem hatte er in florentinischem Stildie Kirche von Neustift erbauen lassen..

Zur Feier des tausendjährigen Jubiläums ließ erdie Domkirche im Geschmack seiner Zeit renoviren.

Doch die letzte Stunde des fürstbischöflichen Glanzeshatte geschlagen. Am 23. August 1802 rückten 56 Mannvom kurfürstl. bayerischen Leibregiment unter LieutenantNöckl in Freising ein und nahmen von der Stadt unddem Bisthum im Namen des Kurfürsten Besitz. Damitwar die Säkularisation Freisings vollzogen.

In Folge der Säkularisation hörte Freising auf,eine bischöfliche Stadt zu sein..Das Fürstbisthum hatte15 Quadratmeilen Umfang und 27,000 Einwohner. DieBesitzungen in Oesterreich und Tirol fielen an Salzburg .

Mit Lothar Anselm (18211846) beginnt danndie Reihe der Erzbischöfe von München-Freising , welchein München ihren Sitz haben.

--S-8XNS-

Kmpor!

Wie der Kerze Flamme,

Strebe, Seele, himmelwärts!

Sieh' am KreuzesstammeDeines Heilands blutend Herz.

Wie der Kerze FlammeSich im Lichte ganz verzehrt,

So sei Gottes NameGanz und gar verehrt;

Durch Gebet und SpendeFrommer Hände wirst Gott gleich;

Er vergilt am EndeDir mit seinem Himmelreich.

-SMWS--

Goldkörner.

ES gibt nur eine Vernunft-Ehe, und die ist, wenn sichzwei harmonische Herzen heirathen. Die guten Ehen sinddie besten.

Kleine Küche macht großes Haus.

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