Ausgabe 
(9.10.1894) 82
Seite
639
 
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^ ZoseH Martin,

öischöff. geistk. Math, Iekan und Stadlpfarrcr in Landsöerg.

Am 25. September I. Js. ist in Landsberg derdortige Stadtpfarrer Hochw. Herr Joseph Martin sanftim Herrn verschieden. Er war geboren am 22. August1810 in Waal. Seine Eltern waren biedere Oekonomens-eheleute. Der unvergeßliche Todte hat i. 1.1835 in seinerHeimathgemeinde sein erstes hl. Meßopfer gefeiert. Schondie ersten Seelsorgepostcn, auf welche er entsendet wurde,gestatteten einen Schluß daraufhin, wie hoch die Kraftdes jungen Priesters von seinen Oberen veranschlagtwurde. Noch in dem genannten Jahre wurde er alsKaplan nach Thannhausen berufen. Von 1836 38 fander einen gesteigerten Wirkungskreis als Stadtkaplan inMemmingen . Dort von einem gefürchteten Uebel, demBlutbrechen befallen, genas er vollständig wieder. 1839vikarirte er die große Pfarrei Lechhausen. Das Jahr1840 führte ihn an die äußersteGrenze der Diözese hinauf indie naturschöne Stadt Lindau .

Schon nach sechs Jahren treffenwir ihn unterhalb der Donau an der Grenze Württembergs alsPfarrer vonRetstingen von 1841bis 45. Noch nicht zehn JahrePriester nimmt er eine ungleichschwerere Bürde auf seine jugend-lichen Schultern, die Pastorationder Pfarrei Lechhausen, der größ-ten Land-Pfarrei der Diözese.

Diese Bürde, auf welche er sichals Vikar schon mit ebenso vielGlück als Geschick versucht, truger in den vielbewegten Jahren184559. Und seit 1859 kamdie ganze Kraft seiner gediegenenPersönlichkeit, seine geläuterte Er-fahrung und sein reiches Wissender Stadtpfarrgemeinde Lands-berg zu gute. Seit 1872 standder Gefeierte an der Spitze derKapitelsgeistlichkeit des DekanatesLandsberg; und das nämlicheVertrauen, das ihn zum Dekanerkor, hat ihn auch in den Land-rath von Oberbayern entsendet.

Noch größere Ehrung ward seinem Verdienste als seinBischof ihn in das Kollegium seiner geistlichen Rätheaufnahm, und die Majestät seines Königs durch einenhohen Orden ihn ausgezeichnet hat. Am 21. September1885 feierte dersebe in voller Rüstigkeit sein 50jährigesPriesterjubiläum. In der meisterhaften Grabrede, an-läßlich der Beerdigung des Dahingeschiedenen hob HerrDomprediger Max Steigenberger aus Augsburg u. a.die herrlichen Züge des nun in Gott Ruhenden hervor:Joseph Martin war ein Mann des Glaubens. Inmitteneiner glaubenskalten Zeit rettete er dem Tobias ähn-lich das Licht des hl. Geistes durch die Nebel der Zweifelder damaligen Zeitströmung, und trug diese hl. Ori-flamme durch sein ganzes Priesterleben, wie Jeder zufühlen vermochte, der sein von Herzen kommendes Priester-wort vernahm.

Er war ein Mann der Pflichttreue. So lange dieLast der Jahre nicht zu mächtig auf Geist und Körper

drückte, sah man ihn als den Ersten im Beichtstuhl, auchwenn zu gewissen Zeiten die Glocke erst die vierte Morgen-stunde hämmerte. Seine Predigten schrieb der talentirteund redegewandte Mann bis in's Greisenalter wörtlichnieder und welche Pünktlichkeit ihn bei seinen priesterlichenVerpflichtungen beseelte, das ist die ganze Stadt Zeuge.

Unter einer etwas rauhen Hülle war ein warm-fühlendes und theilnehmendes Herz verborgen und rührendist's, was ich vernommen, daß er in sein Testament ge-setzt:Der Himmel weiß, daß ich allzeit das Bestemeiner Gemeinde, das ewige Heil der mir anvertrautenSeelen gesucht."

Wie für die Kirche treu und warm sein Herz ge-schlagen, so ging ihm auch das Wohl des Vaterlandesallzeitnahe, nach bestem Wissen gab er seinen Rath, woimmer auch das zeitliche Wohl der Bürger und Unter-thanen des Staates seine Sorge, seine Mühe, seine Ueber-legung herausforderte. DiesePflichttreue war es auch, welcheKirche und Staat mit hohen Aus-zeichnungen belohnten. Es wardas im Zusammenhang mit einemanderen Zuge seiner Seele:

Joseph Martin war ein Mannder edelsten Geradheit und Offen-heit, hierin eine echt deutscheNatur, wie der Dichter sie schil-dert:Der biedere Deutsche sprichtnicht viel, kurz ist sein Wort,stark sein Gefühl; ein Handschlaggilt ihm mehr als Schwur, demedlen Sohne der Natur."

Das war es auch, was ingesunden Tagen seinem WorteBeachtung verlieh, seinen Rathgeschätzt machte, was ihm dieSympathien der ganzen Bevöl-kerung, aller Stände gewann.

Hoffen wir, schloß der Hockw.Herr Domprediger, daß derMann,der auf Erden den Orden deshl. Michael auf der Brust ge-tragen, in den Orden des hl.Michael dort oben aufgenommenKtadtpfarrcr Martin. werde, in die glänzende Heer-

schaar des Himmels, wo er einengroßen Theil seiner Heerde finden wird, denen er dieewigen Thore durch seine Priesterkraft geöffnet und dieGemeinde, die sein Wort beachtet und erfüllt, ein leben-diger Kranz über seinem Grabe sei, bis Hirt und Heerdeglücklich in den ewigen Wohnungen sich finden.

So wird dann die gefallene Eiche dennoch nicht imGrabe liegen bleiben, sondern sie wird im Grabe selbstein Baum des Segens sein, wie geschrieben steht:Seligder Mann, der den Pfad des heiligen Rechtes geht; erwird sein wie ein Baum, gepflanzt an Wasserbächen,fein Laub fällt nicht ab und zu seiner Zeit bringt erFrüchte." L. I. ?.

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Goldkörner.

Wisse, du kommst nie so oft zu Gott, daß Er Deiner nichtnoch begehrender wäre. H. Seuse.

Rathlofigkeit ist meist die Folge zu vieler Rathschläge.

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Dischöfi. gciM. Rath und