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Allerlei.
Ein riesiger Aufschwung des Handels mitMenschenhaar steht, wie der „Voss. Ztg." aus Partsberichtet wird, bevor. Die neueste Haartracht, die beider schöneren menschlichen Hälfte immer mehr in Auf-nahme kommt, ist aus eigenen Mitteln unmöglich zu be-streiten. Die über Schläfe und Ohren gelegten dickenJungfernlocken (stunäsnux ü 1u Visr^s) sahen schonetwas verdächtig fremdartig aus. Jetzt aber quellen diemeist krausen Locken und Löckchen derartig üppig unterdem breiten Directoirehut hervor, daß das eigene Haarnur in den seltensten Fällen dazu ausreichen dürfte.Die Stirne ist mit Locken gekrönt, das Gesicht vonHaaren eingerahmt, während hinten noch eine Fülledicker, breiter Locken sich angesetzt hat. Wenn jemals,so ist jetzt der Ausdruck Lockenkopf gerechtfertigt. Auchdie sprichwörtliche Schönheit fehlt ihm nicht, denn einpassend von Locken eingerahmtes Gesicht kann dadurchnur gewinnen. Einige Damen tragen dabei das Haarhinten in einen wuchtigen Knoten geschlungen. Anderegehen schon darüber hinaus, indem sie die Lockenfüllevorherrschen lassen und den etwaigen Knoten verbergen.Auch im Schnitt des Kleides wird eine Neuerung ver-sucht. Wenigstens fertigen einige Künstlerinnen Kleideran, die fast einem Mantel gleichen. Der Schoß istunten fächer- oder glockenförmig erweitert, dabei dieHüften nur eingeengt, ohne Absatz, da der Stoff bis zuden Schultern durchgeht. Diese sind mit einem doppeltenKragen oder Ueberhang umgeben wie bisher gewisse Jacken.Das Ganze sieht sehr neu und einheitlich aus. Aber dieFrauengestalt erinnert doch etwas an eine (ungleiche)Sanduhr, unten und oben breit, in der Mitte eingeengt.
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Königliche Güte. König Max Josef I. wurdeauf einer seiner letzten Reisen mit dem Wagen umge-worfen. Die Gefahr war groß, lief aber zum Glückohne Schaden ab. Der Postillon, ganz außer sich vorAngst und Schrecken, warf sich dem König weinend undflehend zu Füßen und bat um Gnade und Vergebung.„Du fürchtest gewiß," sagte der König, „es sei um DeinTrinkgeld geschehen? Kümmere Dich nicht!" — „Nein",schluchzte der Postillion, „darnach frag ich nichts; abermein Herr wird mich fortjagen." — „Nun, da kannauch geholfen werden," erwiderte der Monarch, zog ausseiner Brieftasche ein Blatt Papier hervor und schriebmit Bleistift Folgendes eigenhändig an den königlichenPosthalter: „Da der Postillon an dem Sturze des Wa-gens (es ging bergab und der Sattelgaul stürzte unterihm zusammen) nicht schuld ist; so wünsche ich, daß Siees ihm auf keine Weise entgelten lassen. Max Joseph."-
Eine dillere Medizin.
(Zu unserem Bild Seite 635 )
Was wohl Hänschen fehlen mag? In den letzten Tagenklagte er immer über Schmerzen und Unwohlsein, und heutemutzte sich der Bub' gar zu Bett legen. Da hat der Doktoreine Medizin verschrieben, die dem Kranken Hilfe bringen soll.Eben ist die Schwester im Begriff, für Hänschen den verschrie-benen Trank zurecht zu richten. Das Ding soll, wie Schwesterversichert, gar bitter schmecken, und der Patient scheint darübernicht sonderlich erfreut zu sein. Allein nur Muth, Hänschen,isi es auch eine bittere Medizin, so bringt sie dir doch die ge-wünschte Genesung!
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Mrnenstoh.
Wo die Wlldach aus dem WaldeSpringet in den weiten Gau,
Steht auf einer luft'gen HaldeEiner Hütte rauher Bau.
In der Hütte auf dem SchrägenLiegt ein bauchiger Gesell,
Eben wird er angeschlagen,
Eben quillt sein brauner Quell.
Vor dem Blockhaus in der KühleRasten Knechte auf der Bank,
Heiße Arbeit, Mittagsschwüle;
Ei, da labt ein frischer Trank.
Doppelt labt sich's aus dem Steine,
Weil ihn eine Dirne beut,
Eine Dirn', wie selten eine,
Jung und munter, Aller Freud'.
Eine Bergblum', still verborgen,
Nahe an des Himmelsblau.
Lachend wie der roi'ge Morgen,
Harzig duftend, frisch wie Thau.
Oben hinter'm FelsenbugeSitzt ein stattlich junger Mann,
Zu ihm steigt mit vollem KrugeRaschen Tritt's die Dirn' hinan.
Und er steht die Dirne, prächtig,
Und sein Auge ist entzückt.
Und es packt ihn übermächtig,
Heftig ihre Hand er drückt.
„Laß die Knechte, laß sie stehen,
Brauchest schenken nimmer ein,
Mädchen, feit ich dich gesehen,
Bist du auch schon ewig mein.
Mein bist du bis zu den Füßen,
Mein dein Hauch, dein Augenlicht,
Mein dein Herz, dein heißes Küssen,
Mein du, bis dein Auge bricht.
Kam von fern, von platter Erde,
Kaufte Wiese, Wald und Ach,
Hörst du läuten meine Heerde,
Hörst du plätschern meinen Bach?
Oben in dem sonn'gen HageSteht mein neues, großes Haus,
Eh' vergangen zwanzig Tage,
Schaust du, Weibchen, stolz heraus.
Einen Schrank hab' ich von Eisen,
Weitum thut mir's Keiner gleich,
Will Dir Gold und Silber weisen;
Arme Magd, wie bist du reich!
Laß die armen Loder alle,
Nimmer ziemt das meiner Braut,
Schätzchen, an das Herz mir falle,
Lache, weine, jauchze laut!"
Und die Rede war zu Ende,
Und die Dirne spricht kein Wort,
Drückt den Krug ibm in die Hände —
Knixt und — eiligst ist sie fort.
Wo der Wildbach aus dem HolzeSpringet jung in's Land hinein,
Schenkt noch heut' die Greth, die stolze,
Ihren armen Lodern ein.
Klement Kleeberger.— - -SÄ8SS-S«- .-
Logogriph.
Nimm einem Element das Haupt,
Nun wird es zur berühmten Stadt,
Gieb der zwei Füße, wunderbar!
Ein Held im Trauerspiel ist's gar,
Der viel geliebt, gelitten hat.
--HMW---