700
mit allen Kräften meiner Kunst eine würdige Umhüll-ung schaffen."
Otto sprach schwärmerisch:
„Ich bin beglückt, wenn ich Euch eine Freude be-reiten konnte. O, ich möchte die ganze Welt zu EurenFüßen legen!"
Noch einmal zog der Bischof von Hildesheim denliebenswürdigen Knaben an sein Herz, noch einmal legteer ihm segnend die Hände auf, dann schied er.
(Fortsetzung folgt.)
--
Der Aöend-Segen.
Eine Episode aus dem Leben des Bischofs f Pancratius von Dinkel.
Pancratius, der Bischof, er hält nun lange RastIm hohen Dom zu Augsburg als müder Gottesgast.
Pancratius der Gute einst hielt er kurze RastAuf einem Edelsitze als hochgeehrter Gast.
Der Graf mit all' den Seinen im hohen SpeisesaalSie saßen mit dem Gaste lang nach dem Abendmahl.
Da schlägt's vom nahen Thurme, die Gräfin winket sacht:„Nun ist es Zeit, ihr Kinder, sagt alle schön „Gut Nacht!""
In pünktlichem Gehorsam erheben sie sich leis
Und nah'n die Hand zu küssen dem edlen Priestergreis.
Nur eines steht noch zaudernd, das Jüngste, und es spricht«„Mama, den Abendsegen, den haben wir noch nicht."
„Mein Kind, den Abendsegen vergaß ich heute fast,Den gibt uns heute allen gewiß der hohe Gast!?"
Der Bischof nickt Gewährung, sie sinken auf das Knie,Und er erhebt die Rechte und segnet liebreich sie.
Mit Dank sie sich erheben, das Jüngste aber spricht:„Das ist kein Abendsegen, so macht man ihn gar nicht."
Verlegen steh'n die andern, der Bischof aber lacht:
„So zeig' 'mal Deinem Bischof, wie man den Segen macht!"
„Bring mir, Mama, ich bitte, geweihtes Wasser her!"'Die Gräfin thuet lächelnd nach kindlichem Begehr.
Eintaucht die liebe Unschuld das Fingerlein ganz sacht,Worauf es dann dem Bischof drei Kreuzlein zögernd macht:
„Im Namen Gott' des Vaters", so spricht es wohlbedacht,„Des Sohnes und des Geistes— so wird's bei uns gemacht!"
Der Bischof spricht gerühret: „Herr, Gott, ich danke DirFür diesen Abendsegen, er sei zum Zeichen mir.
Für meinen Lebensabend sei er ein Zeichen hold;
Hab' Dank, mein Kind, Dein Segen gilt mehr als schweres
Gold!"
Und steh, den Gott gesegnet durch eine Kindeshand,Gesegnet ist sein Name bis über'n Grabesrand.
Pancratius, der Bischof, nun hält er lange RastIm hohen Dom zu Augsburg als stiller Gottesgast.
Doch sieht sein Auge nieder vom Himmel jede NachtUnd fragt Dich, Kind und Mutter: „Wie wird's bei Euch
gemacht?!"
Gerhauser M.
-—1-^ -I—--
Goldkörner.
Zwei Menschen, die einen Tag lang auf einander ange-wiesen sind, lernen sich besser kennen, als wenn sie sich Jahrelang in der Gesellschaft begegnen. Herbert.
Wenn Jemand sich selbst tadelt, büte dich wobl ihm bei-zustimmen. Mann und Frau mögen sich zanken, sie ergreifenaber sofort Partei gegen Jeden, der sich hineinmischt. K.
So hart ist kein Tyrann,
Zu fordern von einem Mann,
Was mancher aus freien Stücken
Sich ladet auf seinen Rücken. I. Trojan.
Den Esel kenn' ich an seinen Ohren,
An seiner Zunge kenn' ich den Thoren. K.
Man steht dem Alles nach, von dem man keine Besserungmehr erwartet. So macht es Gott auch oft mit dem Sünder —er sucht ihn nicht mehr heim. K.
Als im Jahre 1800 Bayern mit Frankreich sich ver-bunden hatte, war dem Regimente neuerdings Gelegenheitgegeben, diesmal im Kampfe gegen Oesterreich , seineBravour zu beweisen. Von den besonders glänzendenWaffenthaten seien erwähnt: die Ueberrumpeluug derStadt Jglau unter Major Graf Anton von Nechberg undNothenlöwen, der Todesritt des Regiments am 25. Dez.1805 gegen die österreichischen Ulanen bei Stecken, wo-bei Graf Nechberg mit Säbelwunden und Lanzenstichenbedeckt in die feindliche Gefangenschaft fiel, das Gefechtvon Strehlen, 24. Dez. 1806 , in welchem Rittmeisterv. Zandt die schwerbedrängte württembergische Reitereiherausriß. Ein keckes Bravourstück lieferte RittmeisterKraus, indem er bei Kosel mit einem Häuflein von 60Reitern ein Bataillon in der Stärke von 800 Mannüberfiel, dasselbe zersprengte und ihm die beiden Kanonenabnahm. Leider fiel Hiebei der tapfere OberlieutenantWilhelm Freiherr v. Kleudgen. Gleiche Bravour zeigtenunsere Chevaulegers in dem Treffen von Niederhandorf
bei Glatz, wo sich Major v. Hertling den Max-Joseph-Orden erkämpfte.
Im Feldzuge von 1809 war es dem Regimenteleider nicht gegönnt, an den Ruhmestagen von Abens-berg, Eckmühl und Landshut theilzunehmen. Der Haupt-moment dieses Feldzuges gipfelte für das Regiment indem Treffen von Staatz in Mähren am 9. Juli 1809,in welchem sein tapferer Oberst August v. Florett ander Spitze des Regiments den Heldentod starb. Er wurdevon einem Pistolenschuß mitten in das Herz getroffen.
Wohl war Friede zwischen Oesterreich, Frankreich und Bayern geschlossen, aber für das Heer gab es keineRuhe; es galt, den grausamen Aufstand in Tirol nieder-zuwerfen, wobei das Regiment mit Auszeichnung bei Inns-bruck und am Jselberge kämpfte. Erst am 15. Januar1810 konnte es wieder in seine Friedensgarnison nachAugsburg zurückkehren.
Am 17. März 1812 marschirte das Regiment unterdem Kommando des Grafen Seyssel d'Aix ab; der ruf-