Ausgabe 
(6.11.1913) 511. Vorabendblatt
 
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Augsburger Postzeitung. 5. November 1913.

Nro. 511

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E^M^Mrinzrezent Ludwig hat als KönigW »Ludwig III. von Bayern den Fhron derD Wittelsbacher bestiegen. Dainit ist ge-schehen, was seit langem dringendeU Ztaatsnotwendigkeiten verlangten, was dasM treue Volk der Bayern seit langem ersehnt,^ was man in dem übrigen Deutschland freudigbegrüßen wird.

^ Zeit dem Jahre 1180, seit dem Leptember-tage, an dem Kaiser Barbarossa das Herzogtum Bayern,das Erbe des ungetreuen Löwen, dem PfalzgrafenOtto von Bayern aus dem Hause der Grafen vonLcheyern oder Mittelsbach übertrug, ist das HausMittelsbach unlöslich mit Bayerns und DeutschlandsZchicksalen verbunden. Die Wittelsbacher warenund sind ein ritterlich Geschlecht. Kraft und Geniepaarten sich in seinen Reihen. Für Kunst und Wissen-schaft schufen die Mittelsbacher weltberühmte Heim-stätten. Gewaltige Feldherren stellten sie dem deut-sches, Schwerte. Nur war neben Fapferkeit undFreue auch das Unglück ihr steter Begleiter. Esstand namentlich an der Miege des Hausvertrageszu Paoia, der 1329 die bayerischen Lande von derPfalz bis Oberbayern in politisch einflußlosen Hälftenan die Linien verteilte und damit die Expansions-kraft des bayerischen Volkes sähmte. Das Unglückführte auch Kaiser Ludwig den Bayern nach Bran-denburg, Holland und Firol, ehe in der Quelle derKraft, in der Heimat politische Garantien für dieZukunft und der Rückhalt für den Ziegeszug ins Großegeschaffen waren. Es traf Bayern, als 1651 Maxi-milian I., der Bayern aus seinen Frümmern neuer-stehen ließ, gestorben war und in seinem NachfolgerFerdinand Maria der Glaube erstand, Bayern könnees mit Hilfe Frankreichs aus Kosten Oesterreichs zurWeltmacht bringen.

Und so wechselten im Laufe der Jahrhundertestolze Zeiten mit starken Zchicksalsschlägen; so stößtman in der Heldengeschichte Deutschlands fortgesetztauf blutige Zpuren bayerischen Heldentums und aufihm nur wenig entsprechende, vom Unglück zerstörtepolitische Erfolge; und so kam auch die Zeit. in derdes Hauses regierender Zweig unheilbar erkrankte,kam das Zchreckensjahr 1886. Bayerns Zchicksalstand wieder einmal an einem oerhängnisschwerenWendepunkte. Die Regentschaft trat in Kraft. Luit-pold starb von der Welt wie ein König geehrt. 8einedler Lohn Ludwig ist berufen, durch die Besteigungdes verwaisten Fhrones der Mittelsbacher endlicheinem unhaltbar gewordenen politischen Ohnmachts-zustande in Bayern ein Ende zu machen. Wir wollen

in diesem feierlichen Augenblicke nicht mehr rührenan die Frage, ob es ein Fehler war, überhaupteine Regentschaft einzusehen, oder nahezu drei Zahr-zehnte beizubehalten. Ebenso wenig Zweck hat esauch, jetzt noch zu erörtern, ob nicht dieser, ob nichtjener Weg der bessere zum Fhrone war. hiersprachen nicht starre und unvollkommene Para-graphen, hier sprachen Ltaatsnotwendigkeiten. Eswäre vielleicht besser gewesen, wenn in dem Laufeder langen und ruhmreichen Geschichte Bayernsöfters die rasche und entschlossene politische Maximeder Zelbsterhaltungspflicht und weniger oft die ewj^zwischen Zweifeln und Wahrheit schwankende dok-trinäre Gelehrsamkeit der Räte und falsche Lenti-mentalitäten entscheidend für die Zchicksale des Lan-des gewesen wären.

Bayern wird immer dankbar des PrinzregentenLuitpold und seiner Verdienste gedenken, wird ihm»,nie vergessen dürfen, daß er in einer Zeit des Un-heils und der politischen Verworrenheit als treuesLoldat der Mittelsbacher Herrscherpflicht das Zteuer-ruder ergriff. Bayern wird auch stets pflegen dieheiligen Erinnerungen an den, um den das Volkseit 1886 trauert, und es wird pietätvoll die Gründeehren, die den Prinzregenten Luitpold veranlaßten,der Einrichtung des verwesertums bis zu seinemletzten Atemzüge, treu zu bleiben. Die Lebendenaber haben die Pflicht, das Erbe der väter zuhalten und zu mehren. Da heißt es, sich mit denFat fachen abfinden und die Notwendigkeiten imAuge behalten. Und wer da die großen staats-politischen Gesichtspunkte sprechen läßt, der wirdfinden, daß eine Verweserschaft den Lebensinteressenund dem Ansehen einer Monarchie niemals über-mäßig förderlich, daß ein Königtum mit einem unheil-bar geisteskranken Inhaber und einem in der Be-wegungsfreiheit gehemmten Repräsentanten derKrone ein Unding ist. Das Interesse der Krone undMonarchie Bayern rief nach einer vollständigenWiederherstellung der bayerischen Königsgewalt,nach der Beseitigung der letzten Zpuren eines Un-glücks. das heldenmütig getragen ward und ge-tragen werden mußte, das aber nicht zur Quelleeiner dauernden staatspoiitischen Unsicherheit nachaußen und nach innen werden durste.

Fn einem Königreiche will man einen amtierendenKönig sehen Bayern braucht einen Monarchen,der es nach außen hin mit berechtigtem Zelbst-dewußtsein vertritt, der seinen starken Zchild hältüber alle Bestrebungen, die in einem Zeitalter, daspolitischen Ländererwerb so ziemlich ausschließt,

das heutige Bayern wirtschaftlich vorwärtsbringenwollen. Und wenn man in deutschen Landen auchwieder einmal den König von Bayern, den Königdes zweitgrößten Bundesstaates sprechen härt, sokann das vom Ztandpunkte dynastischer Grundsätzeund monarchischer Gesinnung aus nur freudig be-grüßt werden. Mir schätzen die Rechte des Volkes,sein Mitbestimmungsrecht und seine parlamentarischeVertretung sehr hoch. Die Einführung der Parla-mente war eine notwendige Konzession an einehistorisch gewordene neue Zeit. Aber wir werdenes immer für falsch und unheilvoll erachten, wennin einer Monarchie die Hauptlast der Verantwortungaus den Zchultern der Vertrauensmänner der Kroneund des Parlamentes ruht, und wenn der ver-schwommene halbzustand eines verwesertums zu-läßt, daß der Glanz der Krone im Zturme derpolitischen Wirren verbleichen kann. And je kühnerund trotziger die Gegner der Monarchie und desgesunden Autoritätsgedankens sich in den Organismusder Monarchie hineinbohren, je unzweideutiger sienach der Macht im Ztaate durch die Parlamentestreben, um so notwendiger ist es, daß eine wirk-liche und berufene Persönlichkeit die Krone trägtund bekleidet mit der autoritativen Herrscherwllrdeauftreten kann.

Fn diesem Zinne grüßt das monarchisch gesinntebayerische Volk seinen König. Es bringt dem schlich-ten, ritterlichen und gottesfürchtigen Monarchen undder edlen Königin ein hohes Maß von Liebe undVerehrung entgegen, und was Prinz Ludwig demVolke war, wird König Ludwig ihm doppelt sein.Das im Kern Königstreu bis auf die Knochen ge-bliebene Volk wird auch zornig abweisen jeden, derals Gegner der Monarchie irgendwie sich gegen dieUnantastbarkeit des rechtmäßigen Bayernkönigs ver-fehlen will. Die Masse des Volkes erwartet daher,daß in Bayern weder die offene, noch die indirekteAnarchie geheiligte Interessen der Monarchie straflosschmähen und schädigen kann. Die Kreise, die imLaufe der Debatten den Weg der Proklamation auseigener Kraft vorschlugen, stützten sich aus einengewichtigen Rechtsboden. 8ie stimmten aber rück-haltlos den Ltaatsmännern zu, als diese den Wegdurch die gesetzgebenden Körperschaften wählen zumüssen glaubten. Diese Körperschaften habengesprochen. Das Volk wird ihnen dankendafür, daß sie in der schweren Zchicksals-stunde nicht versagten. Alle Zweifel sindgelöst. Die Lücken der Verfassung sindausgefüllt. Lsuss kinita! Es lebe derKönig, nieder mit seinen Feinden!

Unter der Zchar der deutschen Monarchen undFürsten wird König Ludwig III. zu den angesehenstenund markantesten Erscheinungen gehören. Nichtnur deshalb, weil er Herrscher in Bayern ist. Landernvor allem auch deshalb, weil er ein deutscher Königim erhabensten Zinne des Wortes ist. Er fühlt sichnatürlich als Bayer, als Erbe seiner Ahnen, als sou-veräner König eines stolzen Landes. Und diese seineRechte betonte schon der Prinz mit dem denk-würdigen, in Rußland gefallenen Worte:NichtVasallen, sondern verbündete des Deutschen Kaisers".Es war ein Wort zur rechten Zeit. Denn in denKreisen des deutschen Volkes soll man nie Vasallenund Louveräne zum Zchaden des monarchischen Ge-dankens. zum Zchaden für die Kaiser-Idee und zurBeunruhigung der an ihren Fraditionen HangendenZtämme gegeneinander ausspielen können. KönigLudwig wird immer zu den treüesten Hü-tern und Freunden der Kaiserkrone ge-hören.Nicht Reichsmüdigkeit, sondern Reichs-freudigkeit" lautet fein von ihm in Berlin bekanntgegebener Wahlspruch. Und als es vor einigenMonaten galt, die Wehrkraft des Reiches zu erhöhen,da war es unter den deutschen Fürsten auch derdamalige Prinzregent und jetzige König Ludwig, derweitausschauenden Herrschergeistes die Bedeutungdes Augenblickes erkannte.

König Ludwig ist bejahrten Alters. Aber wirhoffen zu Gott, daß er, dem markigen Ztamme derWittelsbacher Eiche entsprossen, unter der Obhutdes Allerhöchsten noch lange Zahre seines Amteswalten kann zum Legen für Bayern, zum Ruhmdes bayerischen Volkes. Die Ereignisse der letztenHonate und Fage haben sich schnell entwickelnmüssen. Die Bedeutung des Augenblickes für dieGeschichte und die Geschicke Bayerns wird dahererst voll und ganz im Lause der Zeiten erfaßt undgewürdigt werden. Daher sagen wir: Was hinteruns liegt, liege endgültig hinter uns. Möge derkleinliche Hader verstummen vor der Größe desAugenblicks, möge er verstummen, wo die Rede istvon der Würde und der Erhaltung des Fhrones,dessen Zchicksale des bayerischen Volkes Zchicksal,dessen Zorge des bayerischen Volkes 8orge, dessenRuhm des bayerischen Volkes Ruhm ist. Und wennder Königssalut und der Glocken feierliches Läutenim gantzen Lande dieser Fage einschneidende Be-deutung künden, dann wird in dem Herzen einesjeden aufrichtigen Patrioten die Freude emporwallen,die stolze Freude, die entsprungen dem Bewußtsein:Wir haben wieder einen König, wirhaben wieder eine Königin! rjf:

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ie6ten Vatertanöe!