„Erzieht nur, bildet unverdossen,
Es spielt Natur euch allen einen Possen!
Doch wird ein Eiel euch geboren,
So cnltivirt ihm ja die Ohren!"
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obwohl zum größten Theil eine waffenlose Wüste undwegen der Trockenheit ihres Klimas ohne die geringsteSpur von Pflanzenwuchs, entwickelt an Stellen, wo sichWasser findet, die wundervollste Vegetation. Dort bildetdie Dattelpalme förmliche Wälder, in deren Schattenwiederum eine ganze Reihe kleinerer Kulturpflanzen,Sorghum, Henna, Mais, Bohnen, Melonen, Oliven,Feigen, Granatbäume u. s. w. prächtig gedeihen können,deren saftiges Grün lebhaft gegen den gelben Wüstensandabsticht. Diese Oasen, wie sie ja gemeinhin genanntwerden, liegen nun zum Theil an wirklichen Flußläufenoder wenigstens in den Betten sogenannter Oueds, dassind Thäler der Sahara , alte Wasserlüufe, deren Bettgegenwärtig trocken ist, die aber wenige Fuß unter demSande noch eine wasserführende Schicht haben. DieseWasseradern kommen meist von weit her, aus den Ge-birgen des Nordens, und zeigen auch dementsprechend einperiodisches Steigen und Fallen. In der übrigen Zeitverschwinden sie und sind nur noch an dem feuchtenSande zu erkennen, der unter dem Flußbette steht. DieseOasen sind aber keineswegs die üppigsten; die unregel-mäßige Bewässerung hindert ihre Entwicklung. Dieblühendsten Oasen der Sahara sind vielmehr jene, welcheihr Wasser künstlichen Brunnen entnehmen. Seit 1856haben französische Ingenieure südlich von Biskra im OuedNhir artesische Brunnen zu bohren angefangen,deren Zahl allmälig soweit gestiegen ist, daß jetzt sich tag-täglich Hunderttausende von Raummetern Wasser (jederBrunnen liefert etwa 4 Raummeter in der Minute imDurchschnitt) über den Boden ergießen, und wo sonst indem dürren Wüstensande kein Hälmchen gedieh, stehen jetztPalmenwälder. Und die Dattelpalme ist ja in der Thatfür die Sahara das, was das Getreide für Europa undder Reis für Indien ist. Wenn sie die Füße im Wasserund den Kopf in der Sonuengluth hat, dann gedeiht sienoch dem arabischen Sprichwort am besten.
An manchen dieser Brunnen, namentlich jenen in dermittleren Gegend von Ourlana, hat man nun eine merk-würdige Beobachtung gemacht, deren Richtigkeit vielfachangezweifelt worden ist, daß nämlich mit dem Wasser auseiner Tiefe von 60 und mehr Metern auch lebendeFische, Krabben und Mollusken ausgeworfenwerden. So wunderlich die Thatsache auf den erstenBlick erscheint, so ist sie doch unbestreitbar und findetvielleicht auch an anderen Punkten der Erde noch ihres-gleichen. Diese Erscheinung wurde schon gleich an demersten Brunnen beobachtet, den französische Ingenieure1856 zu Tamerna Djedida erbohrten. 1858, zwei Jahrenach seiner Vollendung, beförderte dieser Brunnen einesTages kleine Fische aus der Familie der Zahnkarpfen andie Oberfläche und im Laufe der. Zeit noch verschiedeneandere Fische (Chromis), Mollusken und schließlich auchKrabben. Man hat diese merkwürdige Erscheinung an-fangs damit erklären wollen, daß diese Thiere in Wirk-lichkeit nicht aus der Liefe des artesischen Brunnenskäuien, sondern aus den oberirdischen Bewässerungskanälenund -Gräben, wo dieselben Arten leben, durch irgend
einen Instinkt getrieben stromaufwärts wandern undschließlich in die Wasserbehälter gelangen, welche dasWasser der Brunnen auffangen. Mögen die Verhältnissean manchen Brunnen einer solchen Erklärung nicht ent-gegenstehen; bei anderen ist sie einfach unmöglich, wiez. B. bei einem Brunnen in Mazer, der in einer völligwasserlosen und jedes PflanzenwuchseS baren Gegend liegtund anfangs ohne weitläufige Bewässerungsanlagen war;außerdem liegt die Ausmündung seines Rohrs 1 Meterüber dem Erdboden, und das Rohr selbst ist mit Betongegen das umgebende Erdreich abgedeckt. Dieser Brunnenkommt aus 80^/z Meter Tiefe, und doch fand man einesTages in seinem Sammelbecken eine lebende Krabbe, dienach Lage der Sache nur aus dem Brunnen selbst ge-kommen sein konnte. Um jeden Zweifel an dem unter-irdischen Ursprung der Thiere zu beseitigen, überspannteman den ausgeworfenen Wasserstrahl mit einem fein-maschigen Drahtnetz und fing ihn, ehe er in das Beckenzurückfiel, wieder mit einem solchen Drahtnetz auf, sodaß er also zweimal gehörig durchgesiebt wurde. Inner-halb fünf bis sechs Wochen machte man diesem Netz denwunderbarsten Fischzug an Krabben, Fischen (Herni-olrromrs Lalraras und lZsnaiadroiuiZ Rolianäi) undVerschiedenen Mollusken, alle lebten und waren von außer-gewöhnlicher Lebendigkeit und Kraft. Ein noch entschei-denderes Beispiel ereignete sich bei der Erbohrung desBrunnens von Sidi Amrau, der 81 Meter tief ist. Erliegt an dem einen Ende einer Oase, wo keine Spur vonWasser mehr an der Oberfläche zu finden ist. Als sein12 Centimeter starkes Rohr auf 61,73 Meter nieder-gebracht war, stieß man auf kalkhaltigen Mergel, welcherdie wasserhaltigen Schichten dieser Gegend überlagert. Ausdem darunter liegenden wasserführenden Sand sprudeltenun eines Tages das Wasser unter großem Druck inStrömen empor, und zwischen dem ausgeworfenen Sandund Geröll kamen auch kleine Fische (Zahnkarpfen undChromis), sowie Mollusken zum Vorschein. Inzwischenhaben sich diese Beobachtungen so gehäuft, daß man auchvon wissenschaftlicher Seite der Frage nach dem Herkom-men dieser Thiere näher trat. Wie kommen diese leben-den Thiere 60 bis 80 Meter tief unter die Erde? DieErklärungen, die versucht worden und durch den bekann-ten französischen Geologen Georges Rolland, der die Geo-logie der Sahara eingehend studirt hat, neuerdings nochum eine vermehrt sind, gehen davon aus, daß diese Thiereursprünglich aus oberirdischen Gewässern, Flüssen oder Seenkommen müssen. Denn einmal leben alle die Thiere, diedie Brunnen bisher ausgeworfen haben, auch in den ober-irdischen Gewässern der niederen Sahara , andererseitssind die Thiere weder blind, noch farblos, wie es dochnach aller biologischen Erfahrung über Anpassung derFall sein müßte, wenn sie dauernd unter der Erde beiLichtabschluß gelebt hätten. Diese eigenthümliche Er-scheinung hat Jus, der leitende Ingenieur der Brunnen-gesellschaft, damit zu erklären gesucht, daß einmal dasOued Rhir in seiner unterirdischen Bewässerung vom Zababhängt, weil dieselben Thiere auch in ihm vorkommenund namentlich, weil Krabben nur im Zab allein vor-kommen; daß ferner also zwischen dem westlichen Zabund den nördlichen und mittleren Gegenden des OuedNhir ein System unterirdischer Wasserläufe bestehen müsse,welche von Nordnordwest nach Südsüdost verlaufen, undzwar als wirkliche Flüsse, die unter der Erde wie ineinem Hohlkanal dahinfließen, der vom westlichen Zab