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„Nugsburger Postzeitung".
Dinstag, den 11. Dezember
Für die Redaction verantwortlich: Philipp Frick in Augsburg .
Druck und Verlag des Literarilchen Instituts von Haas >L Grabherr in Augsburg (Vorbesttzer Dr. Mar Huttlcr).
Erzählung auS dem zehnten Jahrhundert von Antonie Haupt. l,Fortir»ung.)
VII.
Heriberts Werbung.
Herr, der Du alles wohlgemacht,
Ich will nichts, was nicht Du willst schenken,Du machst es nicht, w'e wir's gedacht;
Du wachst es besser, als wir de ken.
Fr. Nückert.
Es war im Spätherbst, wenige Tage vor dem Festedes heiligen Martinas. Man schrieb Eintausend undsieben nach der Geburt des Herrn.
Auf der Domfreiheit zu Hildesheim führte einKnappe einen schön gezäumten, mit bunt gewirkter Deckebehangenen Streithengst vor. Der Ritter, so selbigenzu besteigen sich anschickte, glitzerte im Waffenrock vonSilberstoff, er war gar stattlich anzuschauen. Unterseinem blinkenden Helm quollen blonde Locken hervor,sein edles Angesicht sprach von Muth und Geist.
„Grüß Gott, Herr Heribert!" so rief der BischofEkkehard von Schleswig dem Ritter zu und kam eilendsüber den Domhof herbei: „Euer Anblick belehrll michzu meiner Freude, daß auch unser gnädiger Landesherr,Bischof Bernward, wieder vom kaiserlichen Kriegszug ausFlandern heimgekehrt ist. Wann kamt Ihr?"
„Gestern Abend spät," sagte der Ritter.
„Und wollt schon wieder weg?" fragte Ekkehard.
„Nur bis zur Sommerschenburg, " gab Heribert zurAntwort, und sein jugendschönes Antlitz strahlte vor Freude.„Ich soll dem edlen Grafen Tammo vermelden, daß seinBruder, unser bischöflicher Herr, glücklich heimgekehrt sei."Er schwang sich in den Sattel.
Mit Wohlgefallen schaute Herr Ekkehard ihn an.
„Was, Ihr tragt die goldenen Sporen? Glück zu,Herr RitterI"
Und in aufrichtiger Freude reichte der Bischof demjungen Herrn die Rechte.
„Wo habt Ihr Euch die verdient?" fügte er dieFrage hinzu.
Heribert erröthete.
„Das war von Gent. 's ist nicht der Rede werth,was ich that; doch der Kaiser meinte, ich habe michtapfer benommen, er schlug mich zum Ritter."
Herr Ekkehard dagegen meinte:
„Wenn des Kaisers Schwert Eucre Schulter be-
rührte, so habt Jhr's verdient, denn Herr Heinrich thunichts ohne Ueberlegung. Doch sprecht, des KaisersFeldzug ist längst beendet, der Empörer Balduin vonFlandern wurde ja schon im Erntemonat unterworfen —warum kehrte Bischof Bernward nicht zugleich mit denVasallen und Kriegsmannen zurück, so er dem Kaiserzugeführt hatte? Wo blieb er so lange, und wo weil-tet Ihr mit ihm?"
Heribert zog die Schultern hoch und lachte.
„Dort kommt Herr Thangmar aus dem Dom; derwar dabei, er wird's Euch besser erklären, als ich daskönnte." Sprach's, grüßte mit gesenkter Lanze undsprengte von dannen.
Ekkehard schaute schier verblüfft dem schmuckenReiter nach.
„Uebermüthiger!" rief er halb lachend hinter ihmher. Mit freudigem Gruß: „Willkommen in der Hei-math!" wandte er alsdann sich Herrn Thangmar zu.
Das war ein frohes Umarmen nach langer Zeit.
„Hätte wahrlich nicht gedacht, daß ich Eucherst heute wiedersehen sollte, als wir gemeinsam amFeste der Erscheinung des Herrn in Gandersheim dieEinweihung der Kirche feierten!" rief Ekkehard, undseine Augen leuchteten beim Gedenken der Feier. „Einherrliches glanzvolles Fest, ein Siegesfest für unsernHerrn Bernward war's, da er endlich erreichte, was erso lange vergeblich erstrebt hatte!"
Auch der Domdecan versenkte sich gar gerne in dieihm besonders liebe Erinnerung, sein Antlitz strahlte.Er ergriff Ekkehards Arm.
„Kommt, Herr Bischof, wir wollen in dieser schönenMorgenfrühe ein wenig auf und nieder wandeln. DieSache, über die wir noch nicht mit einander redenkonnten, ist zu schön, als daß wir nicht in der Erinnerungdaran uns gemeinsam erfreuen sollten."
Herr Ekkehard willfahrte gerne.
„Ich war dazumal mit unserm Bischöflichen Herrnzugegen, als unser verehrungswürdiger Kaiser mit vielenFürsten und Bischöfen zu Pölde das Weihnachtsfestfeierte." Begeistert fuhr er f„rt:
„Wohin dieser von Gott begnadete Herrscher seinAngesicht wendet, da versöhnt er die Zwieträchtigen. HerrHeinrich hat eine ungewohnte Gabe der Rede, so diewiderstrebendsten Gemüther gewinnt. Auch Herr Willegisvermochte dem sanften und eindringlichen Zureden des