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Kaisers endlich nicht mehr zu widerstehen und unterwarfdie Sache Gandersheims dessen Urtheil. Herr Heinrichaber verlegte die so oft vereitelte Weihe der Ganders-heimischen Kirche auf die Vigilie vor der Erscheinung

Tiefathmend sprach Bischof Ekkehard:

Das war ein großer Augenblick, als nach ge-schehener Einweihung durch Herrn Bernward der Kaiser mitdem Erzbischof Willegis und den zwölf Bischöfen, wozuich selber gehörte, zum Volke Hinausschritt und feierlichdie Worte sprach:

Meine Geliebten, den langen Streit heute beizu-legen haben wir für angemessen gehalten. Ich erkennean und weiß, daß die Kirche und die umliegendenOrtschaften immer den Hildesheimischen Bischöfen zu-gehört und von ihnen sonder Widerspruch besessen wurden."

Thangmar neigte zustimmend das Haupt underklärte:

Ich gestehe, es gehört mehr Selbstverleugnung dazu,als ich mir zutraue, und ich bewundere Herrn Willegis,daß er alsdann in Gegenwart aller Bischöfe und Fürsten vor dem Volke freimüthig bekannte, er habe geirrtund entsage feierlich allen Ansprüchen auf das StiftGandersheim. Es ist mir so frisch in der Erinnerung,als ob es gestern geschehen sei, als der Stattliche sprach:

Theuerster Bruder und Mitbischof, ich entsagedem Rechte auf diese Kirche und übergebe Dir diesenHirtenstab, den ich in der Hand habe, vor Christus,unserm königlichen Herrn, zur Bewahrheitung, daß wederich, noch einer meiner Nachfolger irgend Anspruch oderRückforderungsrecht in dieser Sache haben könne."

Herr Ekkehard bestätigte:

Der Streit ist schöner und friedlicher geschlichtet wordenaks irgend einer es ahnen konnte. Vor dem ErzbischofeWillegis, der sich unserm Herrn Bernward gegenüberehrenvoll und liebevoll benimmt, hege ich die größte Hoch-achtung. Gott segne ihnl"

Dazu sage ich Amen!" fügte Herr Thangmar hinzu. Seine Augen glänzten in freudiger Rührung:

Herr Ekkehard, als ich unsern erlauchten Kaiserin seiner Majestät inmitten der zwölf Bischöfe da stehensah, als ich mir sagte, dieser fromme und gerechte Herrscherdes Deutschen Reiches und vier dieser hohen kirchlichenWürdenträger: Herr Bernward von Hildesheim , HerrEkkehard von Schleswig, Herr Benno von Oldenburg,Herr Meinwerk von Paderborn , diese ausgezeichnetenMänner alle sind aus unserer Hildesheimer Domschulehervorgegangen, da schwoll mir das Herz in freudigemStolz, in innigem Dank gegen Gott ."

Bischof Ekkehard sprach warm:

Nächst Gott danken mir Euch, die wir als Schülerzu Eueren Füßen gesessen haben, daß wir zum Gutenerzogen und in den Wissenschaften gebildet wurden."

Die Frage aber, so ihm von Heribert nicht beant-wortet war, hatte er nicht vergessen:

Wo blieb unser Herr, wo bliebt Ihr solange nachdem glücklich beendeten Feldzuge?" forschte er nun.

Thangmar zögerte eine Weile mit der Antwort.Dann entgegnete er bedächtig:

"Ich darf Euch wohl sagen, da Herr Bernwardglücklich heimgekehrt ist, er verheimlichte den Seinigendas Vorhaben aus Furcht, er möge ihre Thränen nichtertragen können. Nach den Gebeinen des heiligenMartinus zu Tours unternahm Herr Bernward mit uns,

seinen Begleitern, eine Wallfahrt, so er lange schon gelobthatte. Zu Parts blieben wir einige Tage beim Grabe deshl. Dionysius. Wir besuchten die heiligen Orte, und meinBischof opferte sich mit großer Zerknirschung des Herzensganz dem Herrn. Von da ritten wir nach Tours.Wir hatten auf dem Wege uns von Seiten des Franken-königs Robert vielfacher Aufmerksamkeit zu erfreuen.In der Stadt Tours verblieben wir eine Woche. Eswar rührend zu sehen, wie unser Herr vor seinem treuenSchutzheiligen täglich viele Thränen für seine und derSeinen Sünden vergoß. König Robert und die Bischöfeehrten ihn durch die kostbaren Reliquien von des heiligenMartinus Körper, obgleich es sonst schon für etwas Großeserachtet wurde, das kleinste Stückchen von der Kleidungdes heiligen Bekenners zu erlangen.

Unter den Segnungen Aller traten wir die Rück-reise an. Wir verweilten wiederum einige Tage zu Paris ,allwo Herr Bernward streng den gewohnten Uebungendes Gebetes oblag. Hier empfing er abermals von dem KönigRobert und den Bischöfen heilige Pfänder von SanctDionys und seinen Genossen. Dann setzten wir, vonSegenswünschen begleitet, unsere Reise fort in die deutscheHeimath.

In Aachen endlich machten wir Rast. Dortselbsterwartete der Kaiser sehnlichst unsere Heere; er empfinguns auf das liebevollste.

Hier am Grabe seines so früh dahingeschiedenenOtto betete Bischof Bernward lange und inbrünstig fürdessen Seelenruhe.

Kaiser Heinrich wünschte, daß unser Herr ihn nachFrankfurt begleite, wohin er eine Synode beschieden hatte,weil er nämlich mit dem Plane umging, in seiner StadtBamberg einen neuen Bischofssitz zu errichten.

Obgleich Herr Bernward selber, wie wir Alle, eineschnelle Heimkehr wünschte, so weigerte er sich nicht, durchunverzüglichen Gehorsam den Kaiser zu ehren. Wirfuhren nach Frankfurt, und Herr Bernward gab alldagleich den übrigen Bischöfen seine Zustimmung zur Er-richtung des neuen Bisthums.

Nun endlich heimgekehrt, liegt uns nichts weiteresob, als die mitgebrachten Reliquien an einem Orte bei-zusetzen, wo sie würdig verehrt werden können," alsoschloß Herr Thangmar seinen Bericht.

Inzwischen war Heribert freudigen Gemüthes nachder Sommerschenburg geritten und war dortselbst mitgroßer Herzlichkeit vom stattlichen Herrn Tammo undseiner immer noch unmuthigen Hausfrau Hildeswithaaufgenommen worden.

Graf Tammo hatte selber den kaiserlichen Feldzuggegen Balduin von Flandern mitgemacht, ja sich darinausgezeichnet. Er war der einzige der heimkehrendenHildesheimer , so von der frommen Wallfahrt des BischofesKenntniß hatte. Wie frohbewegt lauschte er anjetzo derReiseschilderung Hcriberts von den Abenteuern und denGefahren, sowie von den frommen Freuden und Tröstungen.

Sieh', Hildeswitha", sprach er wohlgelaunt, alsHeribert geendet,sieh', dieser junge Hildesheimer Künstler,der nach dem Vorbilde meines geistvollen Bruders alleKünste, sogar die Kriegskunst betreibt, rettete unsermKaiser, der sich bei Gent allzuweit vorgewagt hatte, durchUmsicht und Tapferkeit das Leben. Dafür aber schlugHerr Heinrich ihn, wie es sich geziemte, zum Ritter."

Frau Hildeswitha streckte Heribert die Hand entgegen:

Meinen Glückwunsch, Herr Ritter!"