779
Dieser dankte und berichtete strahlend:
„In Aachen belehnte Kaiser Heinrich mich mit derBullenburg und schenkte mir zehn Hufen Landes dazu."
Graf Tammo nickte befriedigt:
„Das heißt kaiserlich gedankt! Wollte, ich könnteEuch meinen Dank ebenso geziemend darthun, meinenDank dafür, daß Ihr freiwillig mit uns Hildesheimernin den Kampf zogt, und daß Ihr meinen theueren Bruder aufseiner gefahrvollen Wallfahrt begleitetet, liebster Heribert."
Da leuchtete hell des jungen Ritters Auge auf:
„Dank, Graf Tammo, habe ich keinen von Euch zubegehren. Doch, gnädiger Herr, — ich komme zu Euchals Bittsteller, Ja, ich flehe Euch an um das Besteund Theuerste, was Ihr habt: Gebt mir Euere Herz-liebe Hathumod zum Weibe. — Als einfacher Künstler .hätte ich diese Gunst nimmer von Euch zu heischen gewagt. !Um Hathumod zu erwerben, die ich liebe, seit ich sie als >holdes Kind zum ersten Male sah,zog ich in den Kampf, aus dem ichals Ritter zurückkehre."
Tammo sah bewegt auf den Bitt-steller.
„Heribert, ich hätte Euch meinKind gegeben, auch wenn Ihr nurein einfacher Künstler ohne Namenund ohne Rang geblieben, so Hathu-mod Euch zugethan wäre", entgeg-nete er und fügte hinzu:
„Es geht ein ernster Zug durchunsere Zeit. Die einzige Tochtermeines treuen Freundes und Schwa-gers, des Grafen Altmann vonOles-burg, die ehedem so lebenslustigeFrederunde, hat sich in Folge einesTraumgesichts entschlossen, der Weltzu entsagen und ein Kloster auf dermütterlichen Burg Steterburg zu be-gründen. Auch meine Hathnmodschaut keinen Ritter an und weistalle Bewerber zurück. Ich sorge,daß sie dem Beispiele ihrer jungenSchwester Rothgardis folgen will,so vor Kurzem den Schleier im Kon-vent zu Gandersheim genommen hat.
Doch mein Kind spricht sich nichtaus. Fragt Hathumod selber. Will sie Euch, so nehmtsie mit Gott . Sie weilt droben auf dem Thurmstüblein,dem Lwblings-Aufenhalt meiner seligen Mutter. Dort-selbst übt sie sich emsig in der Malerei, welche Kunst,seit Ihr sie darin unterrichtet habt, ihre Lieblings-Be-schäfligung geworden ist."
Heribert folgte der Weisung. Beklommen stieg erdie Wendeltreppe hinan. Bangen Herzens pochte er andie Pforte des Thurmstübleins. Als ihm keine Auf-forderung zum Eintreten ward, öffnete er leise die Thüre.
Da saß Hathumod auf erhöhtem Sitz am Fensterlein;ihr Goldhaar schimmerte in der Sonne. Wie andereEdelfräulein den Stickrahmen, so hatte sie die Staffeleivor sich. In diesem Augenblick aber ruhten Pinsel undPalette; ihre großen, blauen Augen, so blau wie derHimmel selber, schweiften sehnsüchtig hinaus in die Ferne.Heriberts Kommen hatte sie überhört.
Er schaute die Wonnesame eine Weile an. Dannsprach er mit bebender Stimme:
„Gott zum Gruß, Jungfrau Hathumod!"
Da sprang sie auf und that einen Freudenschrei:
„Heribert, liebster Heribert! Gott sei gelobt, daßIhr wieder da seid! Wie habe ich für Euch gebetet,"so rief die Holde in der Freude des Wiedersehens undeilte ihm entgegen.
Er legte den Arm um die Jungfrau und sah ihrtief in die blauen Augensterne:
„Ihr habt für mich gebetet?"
Sie nickte freudig:
„Immer, immer!"
Da zog er sie fest an sein Herz, was sie auchgeschehen ließ, und fragte kühn:
„Seid Ihr mir gut? Wollt Ihr meine liebe Haus-frau werden?"
Sie schlang die Arme um seinen Hals und flüsterte:
„Ach Liebster, wenn der Vater es nur erlaubt."
„Er hat schon Ja gesagt!" riefHeribert außer sich vor Glück unddrückte einen Kuß auf ihre rothenLippen.
Graf Tammo und Frau Hildes-witha waren freudig überrascht, alsdie Glückstrahlenden vor sie hintraten,um ihren elterlichen Segen batenund ihnen gestanden, wie lange sieeinander schon heimlich geliebt.
Der Segen ward den Kindernnicht vorenthalten.
VIII.
Bernwards Heimgang.
Ihn hat nun als den SeinenDer Herr dem L-io entrück:.
Und während wir hier weinen,Ist er so hoch beglückt.
Er trägt die LebenskroneUnd hebt die Palm' emporUnd singt vor Gottes ThroneEin Lied im höhern Chor.
Spitta.
Die schönste und bedeutendsteSchöpfung Bischof Bernwards, dieherrliche,SanctMichael geweihte drei-schiffige Basilika, stand vollendetda in eigenartiger Schönheit. —Auf einem Hügel erbaut, bob sie ihr sechsthürmigesHaupt majestätisch empor. Das Innere dieses Tempelsdrückte große und tiefsinnige Gedanken aus. Seine mitBildwerken geschmückte Decke, Wände und Getäfel, sowiedie prachtvoll errichteten Altäre, alles ordnete sich demgroßartigen Gedanken unter, der den Erbauer beseelthatte. Von dem Hochaltare herab strahlte das vonBernward eigenhändig geformte Kreuz mit der kostbarenReliquie.
Nachdem Maurer, Steinmetzen, Maler, Erzgießer,ja Kunstbefliffene jeglicher Art unter Bernwards Leitungwährend einundzwanzig Jahren an der Vollendung desherrlichen Baues ihre Kräfte geübt und bethätigt hatten,wurde die Kirche zur Ehre d^s Erlösers, seiner erhabenenMutter und des heilbringenden Kreuzes eingeweiht, siewurde unter den besonderen Schutz des heiligen ErzengelsMichael und aller himmlischen Heerschaaren gestellt. Dasgeschah am Feste des heiligen Michael im Eintausendund zwei und zwanzigsten Jahre nach der Menschwerdung
Uegirrungspriistdriit Dr. v. Aiegter.