780

Christi, im dreißigsten der bischöflichen AmtsführungBernwardS.

Herr Bernward selber weihte die Kirche in Gegen-wart des Cardinals Friedrich, als apostolischen Gesandten,sowie der Erzbischöfe von Mainz, Magdeburg und Bremen ,der Bischöfe von Meißen, Schleswig, Oldenburg , Padcr-born, Halberstadt , Naumburg Merseburg und Werden,desgleichen von siebenundsechzig Prälaten und Aebten,sowie einer großen Volksmenge aus verschiedenen Gegenden.

Neben diesem schönsten Bau des großen Bernwarderhob sich das neuerrichtete Kloster, den Söhnen desheiligen Bencdictus aufgebaut. Nach vollbrachier Kirch-weihe setzte der Bischof den Abt Goderam und dessengeistliche Brüder in den Besitz des neuen Klosters einund begab sich sodann all seiner Habe zu Gunsten dieserStiftung.

Nach erlangter Zustimmung seines geliebten Bruders,des Grafen Tammo, bestätigte er feierlich sein Vermächt-niß durch eine Stiflungsurkunde, wonach die dem KlosterSt. Michael geschenkten Güter in nicht weniger bestanden,als inVierhundertsechsundsechzig Hufen Landes, zehnZehnten und zehn Mühlen, neunzehn Landgütern, drei-zehn Kirchen und einigen Gütern in und um Hildesheim belegen," überhaupt in allem, was er nach Erbrecht be-saß oder durch Kauf erworben hatte, mit Ausnahmedessen, was er dem Altare der heiligen Maria im Domean goldenen Kronen, Kelchen, Leuchtern, Gewändern undanderen kirchlichen Zierathen übertragen hatte. GegenSchluß der Urkunde hieß es:

Da aber die Grundlage des neuen Werkes gelegtwar und schon die einzelnen Räumlichkeiten hervortraten,da wurde ich, damit nicht etwa durch mein Umherschweifenin der Fremde das angefangene Werk verschoben würdeRuhm sei Dir, Christus I vom Fieber ergriffen undwar siech fünf Jahre lang. Weil aber nichts auf Erdenohne Ursache geschieht, glaube und vertraue ich zumHerrn, daß er mich züchtigte, aber dem Tode mich nichtübergab, auf daß nicht durch meine Abwesenheit die Er-füllung meiner Hoffnung verzögert werde."

Die schweren Körperleiden nahm der fromme Bischofvoll Dank als ein Zeichen der göttlichen Güte, als einwillkommenes Läuterungsmittel an. Er wußte ja, daßGott denjenigen züchtiget, welchen er liebet.

So waren unter Leiden und Mühen die letztenJahre Bernwards dahingeflossen. Als er erkannte, daßsein Lebensende nahe, so verlangte er, der all seineHabe hingegeben hatte, dem Heilande noch mehr zugleichen in Armuth und Entsagung. Darum wollte ersein bischöfliches Gewand mit dem demüthigen Ordens-kleide des heiligen Bcnedictus vertauschen.

Zwischen der Kapelle des heiligen Kr.uzes und dergroßen Klosterkirche St. Michael hatte Bernward zuEhren des heiligen Martinus, dessen Grab er ja zuTours besucht und von dessen Reliquien er einen Armerhalten hatte, eine Kapelle errichtet. Am Feste desheiligen Martinus ließ er selbige durch Herrn BischofEkkehard von Schleswig einweihen, da er selber sich zuschwach fühlte. Nach geschehener Weihe ließ er sich indie seinem erwählten Schutzpatron zu Ehren errichteteKapelle geleiten. Allhier nahm er im Beisein aller Möncheund in Gegenwart seines Bruders Tammo und desBischofs Ekkehard aus den Händen des Abtes Goderamdas Ordenskleid des heiligen Bcnedictus.

Nicht lange trug er das Kleid der Weltentsagung.

Er wurde von Gott berufen, den Lohn seiner Werke zuempfangen.

ES war an einem trüben Morgen des Windmonatsam neunten Tage nach Herrn Bernwards Aufnahme indas Kloster St. Michael, da trat der junge DomschülerBenno in die weltferne Zelle seines verehrten Großoheimsein. Er that das allmorgendlich vor dem Besuch derSchule. Benno war der älteste Sproß Heriberts undHathumods von der Bullenburg. Wie ehedem Heribertder Lieblingsschüler des Bischofs gewesen war. so hegteBernward nun für dessen Sohn die innigste Neigung. Seitfünf Jahren war Benno der Trost und die Freude desGreises, dem er alle Wünsche an den Augen ablas, javon dem er schier unzertrennlich war.

Als heute der Knabe dem Bischof seinen Morgen-gruß bot, da erschrak er. Eine große Veränderung warmit dem geliebten Oheim vorgegangen: wie durchsichtigesWachs erschienen dessen durchgeistigte Züge, ein stillerverklärender Friede lag darüber ausgegossen.

Mein Benno, wenn Du mir den letzten Diensterweisen willst," also hub der Bischof nach dem Gegen-gruß an,so eile und entbiete Deinen Großvater, meinengeliebten Tammo, hierher; ich weiß, er weilt in Hildes-heim . Rufe auch meine geistigen Brüder, die Söhnedes heiligen Benedictus, auf meine Zelle und bringeDeine eigenen liebsten Freunde, die Edelknaben Udo vonHammerstein, Bruno von Jsenburg und Hermann vonder Mundburg, zu mir. Ich fühle den nahen Tod undwill vor meinem Ende noch zu Allen reden."

Von tiefem Schmerz erschüttert, willfahrte Bennoallsogleich, und gar bald umstanden die Gerufenen denLehnstuhl des Scheidenden.

Mit schwacher Stimme redete Bernward sie also an:

Meine liebsten Brüder! Die Zeit ist gekommen,da meine Glieder der Erde sollen befohlen werden. Ichfühle es. Mein Leichnam beginnt schon zu erkalten.Gib Rechnung von Deinem Haushalt; denn Duwirst hinfüro nicht mehr haushalten können!"" sprichtder Herr zu mir. So befehle ich Euch dem KaiserHeinrich an, meinem gnädigsten Herrn. Diesen gebe ichEuch zum Obersten. Er wird für Euch sorgen nichtminder, als ob ich persönlich zugegen wäre.

Meine Brüder! Liebet Gott den Herrn! Seiddemjenigen dankbar, der Euch von den Eitelkeiten derWelt gezogen hat. Ihr wisset nicht, wie lange EuerLeben dauert. Selbst das Lieblichste unter der Sonnemuß der Vergänglichkeit unterliegen. Ich habe reicheTage besessen, aber wozu sind sie mir nützlich gewesen?Jetzt muß ich alles verlassen. Ich war Staub, undStaub muß ich wieder werden. Da freue ich mich, daßich meine Güter nicht unnützlich verschwendet habe, sondernsie durch die Hände der Armen zu den ewigen Schätzenüberbringen ließ. Auch ich habe große Gebäude undSteinwerke aufgerichtet, um die guten und gläubigenChristen im göttlichen Dienste zu bestärken, nicht aber,um eitele Ehre zu erwerben. Gott , der das Inneremeines Herzens einsieht, ist mein Zeuge. Die heiligeSchrift erklärt:Wann ihr alles gethan habet, wasEuch befohlen ist, alsdann rufet, wir sind unnütze Knechte!" "Und dies wird zu den Auserwählten gesagt. Wo sollendenn die Trägen, die Unnützen bleiben? Darum,liebe Brüder, dienet Gott dem Herrn in Furcht; denndie Gottesfurcht giebt viel Stärke. Wahrlich, Brüder,kein Mensch weiß, ob er der Liebe oder des Hasses-"