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(„Streiche! Ihr Mann würde wüthen," murmelteder unglückliche Horcher erglühend.)
„Ja, wenn er es entdeckte," sagte Frau Hay be-deutsam, „aber bei meinen Veranstaltungen wird dergute Mann nichts entdecken. Schließlich will ich ihmAlles eingestehen, und ich weiß, ich kann meinen armenalten Cyprian um den kleinen Finger wickeln. Dukennst ihn nicht so genau, wie ich."
(„Vielleicht kennst Du ihn doch nicht genau," dachteder so sorglos Erwähnte zähneknirschend.)
„Nun, das überlasse ich Dir," antwortete FrauHolland . „Ich kann nur sagen, daß Du eine klugeFrau bist, Gleichen, weil Du ihn so lange in Unwissen-heit hieltest. Offen gestanden, ich möchte gern allesüber diese Liebesangelegenheit hören. Wie lange hastDu darüber gebrütet?"
„Seit vielen Jahren. Immer seit Vetter Dago sounerwartet auf sein Schiff berufen wurde, gerade alser schon damals heirathen wollte. —"
Cyprian mich in dieser Woche dorthin nehmen wollte!Bei diesem zufälligen Zusammentreffen sprang ich auf."(Jemand anders sprang ebenfalls auf.)
„Es schien der beste Ort zu diesem Zweck. Duweißt, der liebe Dago entwirft jeden Plan mit der voll-kommensten Rücksicht. Endlich erklärt sich ja das guteRecht. Niemand wird zuletzt entsetzt sein. Habe ichDir seinen letzten Brief schon gezeigt?"
„Nein, meine Liebe. Wir wurden neulich unter-brochen, als Du anfingst. Lies ihn mir jetzt vor."
„Ich kann ihn auswendig, obgleich Dir das lächer-lich klingen wird. Er lautet: „Geliebte!" —"(Cyprian Hay ballte die Fäustel)
„Das Herannahen unserer Freude wirkt blendend.Möge das Gelübde, welches ich jetzt niederschreibe, Deinzagendes Herz beruhigen. Niemals bei allem, was heiligist, sollst Du bereuen, daß Du das fürchterliche Hinder-niß, welches uns trennt, überspringst."
(„Mich!" stöhnte Cyprian.)
Tdetstellen.
Originlll.Aufnahine von Gusto» Baober, Photograph in Krumbach. sV-rvietfältigungSrecht vorbehalten s
(„Vetter Dago!" Der Mann, welcher Margaretheden Hos gemacht und den Streit des jungen Braut-paares verursacht hatte! Herrn Hay wurde eiskalt.)
„Ich hielt es immer für ein hartes Geschick. Ichhabe Dir erzählt, wie schwer mir damals um das Herzwar. Damals konnte ich das Ende seiner und meinerLeiden nicht voraussehen. Ich habe die trüben Erfahr-ungen des armen Dagobert niemals vergessen."
„So scheint es," antwortete die Freundin bedeut-sam. „Aber weißt Du, ich wünsche, Du hättest ihndafür besser belohnen können, als durch seine Entführ-ung der Geliebten."
(„Lieber Gott!" Der arme Ehemann fuhr mit derHand in einen Blumentopf und riß das Farnkraut mitden Wurzeln aus der Erde.")
„Ach, ich wünsche, ich hätte es thun können. Ichüberlegte hin und her, bis mein Kopf ganz verwirrtwar. Wegen der verwickelten Verhältnisse mußte ichmich fügen. Paris ist nicht weit — wie sonderbar, daß
„Am Donnerstag erwartet Dich Abends auf demDampfboot
Dein ewig treuerDago."
(„Ihr ewig treuer Dago! Gerechter Himmel!")
„Das klingt ernst, nicht wahr? fragte Margarethe.
„Gewiß. Bei solch' einem leidenschaftlichen Lieb-haber war die Entführung wohl die einzige Möglichkeit.Das Ende krönt alles; und obgleich ich den Herrn nochnicht getroffen habe, — seine Uniform ist blau und gold,nicht wahr? — hege ich die innigsten Wünsche für VetterDagos Glück."
(„Verworfenes Weib! Schlange! Falsche Seele!Dein Mann soll Deine Handlungen erfahren!" dachteHay, indem er wüthend durch die geraniumbedeckte Scheibestarrte.)
„Ich danke Dir tausendmal, Fanny, für Deinetreue Hilfe. Ohne Deine freundliche Vermittelung härteich die Briefe nicht unbemerkt erhalten können. Die