800
Stifte blieben, Gehorsam zu leisten. Sie konnten zu jederZeit austreten und heirathen. Das freiweltliche Damen-stift Edelstetten hatte htenach den Charakter einer Ver-sorgnngsanstalt für Töchter adeliger Familien. Auch dasDamenstift stand unter der Regierung einer Aebstssin,welche von den Kapitularfräulein gewählt, vom Bischöfeconfirmirt und vom Weihbischof oder vom Abte von Urs-berg eingesegnet wurde.
Im Schwedenkriege wurde das Stift von den Schweden derart verheert und verwüstet, daß die Aebtissin Annavon Werdenstein, welche sich in die Schweiz geflüchtet,nach ihrer Rückkehr weder Nahrung noch Wohnung fürsich und die Ihrigen mehr vorfand. Sie mußten zehnJahre lang theils in einem Häuslein neben dem Stifte,theils im Pfarrhause wohnen. Da ein Pfarrer nicht mehranwesend war, kam ein Prämonstratenser von Ursberg ,welcher in der St. Michaelskapelle auf dem Berge denGottesdienst hielt, denn die Pfarrkirche war verwüstet.Allmälig gelang ihr aber der Aufbau der zerstörten undzerfallenen Gebäude, wie die Wiederherstellung geordneterZustände im Innern. Katharina Franziska von Wester-nach, Seniorin des Stiftes, ließ das baufällige Stifts -Gebäude abbrechen und arbeitete an der Neuherstellungdesselben, welche sie indeß nicht mehr erlebte. Karolinavon Westernach vollendete den Bau, wie er heute nochvor Augen steht; sie ist auch die Erbauerin der Stifts-und Pfarrkirche sammt Thurm zu Edelstetten, welche 1709vollendet dastand. 1802 folgte die Aufhebung des Stiftes,welches an den Fürsten von Ligne als ReichsgrafschaftEdelstetten kam.
Die Aebtissin erhielt eine jährliche Pension von 2000Gulden, jede Dame 800 Gulden. Als Zeitpunkt, bis zuwelchem die Fräulein das Stift zu verlassen hätten, wurdeder 8. September 1803 bestimmt. In den MonatenAugust und September verließen die Damen das Stiftund wählten beliebig ihren Aufenthaltsort. 1804 kamdie Reichsgrafschaft Edelstetten durch Kauf an den Fürsten Nikolaus von Esterhazy. Das fürstliche Haus Esterhazy von Galantha ist noch heute im Besitze der Damenstifts-güter von Edelstetten.
---
u u unseren Bildern.
Giovanni Katlista dc Uolsi.
der hervorragendste christliche Archäolog?, ist vor einigen Wachengestorben. Der Gelehrte stand in allen wiffenscbafilichen Kreisenim denkbar höchsten Ansehen. V^r 2 ffz Jahren feierte der be-scheidene Mann sein 70. Wiegenfest, und d e hervorragendstenKreise bekundeten ihre Hochachtung vor dem Forscher de Rossi da-durch, daß ihm eine große goldene Denkmünze überreicht wurde,de Rossi hat die Erschließung der Katakomben, insbesonderejene des hl. Calixtus, in die Wege geleitet und bethätigt undmit dieser Arbeit die wesentlichsten Merkmale für die christlicheLehre und das hl. Meßopfer in den ersten Jahrhunderten desChristenthums gefunden. Die Funde in den Katakomben bildeneine unwiderlegliche Bestätigung dafür, daß die kaiholische Kirchedie Lehre Christi und die Tradition unverfälscht bewahrt hat, >daß die Lehre der katholischen Kirche im 19. Jahrhundert die !gleiche ist, wie in den ersten Jahrhunderten. Papst Pius IX. ^hat denn auch den Forschungen de Rossis das größte Interesse !entgegengebracht und sie auf jede Weise zu fördern gesucht. Die ^Hauptwerke des nunmehr Verlebten sind: „Das unterirdische,christliche Rom / von welchem bisher 3 Bände erschienen sind,und „Christliche Inschriften", gleichfalls in 3 Bänden erschienen.Die Gelehrtenwelt hat von dem Ableben ins Forschers mitgroßem Bedauern Kenntniß genommen.
Ein unschuldiges Opfer.
Eine ergreifende Szene aus dem deutsch -französischen Krieg !ist es, die der Künstler auf unserm Bilde darstellt. Was hat
das junge Menschenleben in die Schaar der mildthätigen Schwe-stern geführt, hinaus in die Gräuel der Schlachten? Gewißnur aufrichtige, wahre Nächstenliebe, befolgend das Wort desHerrn: „Liebe Deinen Nächsten wie Dich selbstl" In Aus-übung des Samariterdienstes hat die Schwester die tödtlicheKugel erhalten, die freilich nicht ihr gegolten! Nicht schlägtdas Herz mehr, und zwischen den Schauern des Krieges senktsich das milde Licht des Friedens auf das Antlitz eines Ge-schöpfes, in dessen Seele nur die Liebe zu Gott und den Mit-menschen war.
-«i8»cs-
Allerlei.
Goldminen in Europa . Die Entdeckung derreichen Goldfelder in Amerika, in Australien und inSüdafrika haben es fast vergessen lassen, daß es auchdem europäischen Continent nicht an dem gelben Metallfehlt. An den verschiedensten Stellen in Europa werdenGolderze gefunden, aber da sich das Interesse in denletzten Decentsten hauptsächlich den außereuropäischen Gold-feldern zuwandte, so hat man die Exploitation der euro-päischen Goldminen vernachlässigt. Erst in den jüngstenJahren hat sich die Aufmerksamkeit der kapitalistischen Kreise wieder mehr den letzteren zugewandt, und nament-lich sind es englische Kapitalisten gewesen, welche dieAusschließung von Goldbergwerken in Europa förderten.So existiren in Siebenbürgen mehrere englische unddeutsche Goldminen-Gesellschaften, die bisher ziemlichgünstige Resultate erzielt haben. Außer in Oesterreich-Ungarn gibt es aber auch in der Schweiz und in Italien weite Strecken, in denen Golderze gefunden werden. Eineenglische Gesellschaft exploitirt in Italien unter Anderemdas Goldbergwerk in Pestarena, das noch reiche Schätzebirgt. Eine schweizerische Gesellschaft, die „Looiölssuisss äe8 Nin68 ä'or äs l'lisivstis" hatte sich zumZwecke der Ausbeutung der Minen von Gondo (Valais) gebildet, erzielte aber keinen Erfolg, was indeß nicht aufdie Unergiebigkeit dieser Mine, sondern auf die schlechteVerwaltung, sowie auf die ungenügenden technischen Ein-richtungen zurückzuführen ist. Die schweizerische Gesell-schaft, die im Begriff war ihre Arbeiten einzustellen, hatnunmehr ihr Bcsitzthum auf eine französische Gesellschaftübertragen, die sich unter dem Namen „Looistsanon^ins 8ui88s äs8 Ninss ä'or äs donäo" gebildethat und die die für einen rationellen Betrieb des Berg-werks erforderlichen Mittel besitzt. An der Spitze dieserGesellschaft steht Herr Sally-Silz in Paris.
4K28SLS-.-
Arilder-Wätysel.
Auflösung der Schachaufgabe in Nr. 10t:
Weiß. Schwärn
1. 64 65 -s- K. 36-65 :
2 D. 37-36 st- K. 65—35 :
3 T. 41-45 st- K. 35-4.5 :
4. D. 36-05 Mast.
-EZS--