taillirten Nachweis, daß die Orientreise von Nombis Cypern 1 Jahr, von da durch Syrien unter Ein-rechnung einer lange dauernden Gefangenschaft ein zweitesJahr, drei weitere Jahre ^) die Wanderungen in Pa-lästina in Anspruch nahmen und der Pilger sich zweiJahre in Constantiuopel aufgehalten hat;^) sodannim Allgemeinen dadurch, daß die Nonne, beimEintritt Willibalds in das Benediktinerkloster auf MonteCassino im Herbste 7 30 auf die Jahre der damalsvollendeten Wanderschaft zurückblickend, die Gesammt-dauer auf 10 volle Jahre 2* */g-H-7-K-*/z 10)angegeben hat.2°) Fällt nun, wie wir aus dem LebenWunibalds gesehen haben, der Abgang von England inden Anfang des Sommers 720, so muß die Zurück-kunst aus dem Oriente nach Italien im Frühlinge desJahres 730 stattgefunden haben, nicht schon 729, wieHolder-Egger und Hirschmann bezw. die Gewährsmännerderselben angenommen haben.

Hirschmann meint, da Willibald die Pilgerreise nachdem Oriente erst Ostern 723 angetreten hat, so scheintdie Nonne die Jahre der Abreise und der Ankunft alsvoll gezählt zu haben, ebenso scheint sie Verfahren zusein bei der Zühlung der Jahre der Abreise von England und der Ankunft in Nom?*) Daß diese Vermuth-ungen jedoch nur auf Schein beruhen, nicht auf dernackten Wahrheit und Wirklichkeit, geht schondaraus hervor, daß die Nonne ihre Jahreszeiten stetsnach Ostern, Weihnachten, Johannis, Martini und neben-bei auch nach dem Tage des Apostels Andreas (30. Nov.)zu berechnen pflegte.

Man nehme einmal mit Hirschmann, Holder-Egger und den Gewährsmännern derselben an, Willibald sei721 von England abgefahren, so wäre er nach der ge-nauen Berechnung der Nonne 731 vorn Orient zurück-gekehrt und am 30. Nov. 741 von Monte Cassino nachNom gekommen. Papst Gregor III. hätte ihn nach dem30. Nov. 7 41 zu sich beschicken, d. h. erst nachseinem Tode, da Gregor III. einen Tag vor derangeblichen Ankunft Willibalds am 29. Nov.741 bereits gestorben war. In solche arge Widersprücheverwickeln sich alle jene gerühmten Autoren, welche denhl. Willibald, diesen Chronologen I. Ranges aus dem8. Jahrhnndcrte, falsch interprctiren oder deßwegen nichtmehr verstehen, weil sie sich selbst öffentlich für die un-haltbare, spüttnittclaltcrliche Eichstätter Chronologie aus-gesprochen haben und sich eines Irrthums nicht über-führen lassen wollen.

Die Chronologie Popps, Brückls und Hirschmannsund die Nandchronologie Holdcr-Eggers siu Leben deshl. Willibald müssen aufgegeben und durch die sicherenchronologischen Angaben der Nonne von Hcideuheim er-setzt werden, weil Willibald schon mit Beginn des Som-

Abfahrt ven TyrnS 30. Nov. 727, wie Hirschmann u.Holder Egger ebenfalls angeben.

2") Ende März 728 780; nicht 729, wie Hirschmannund .Holder-Egger I. s. haben.

°°) Brückt cax. XXXI u, XXXII; Holder-Egger I. s. p. 102.Illnil (taue) erst anrmnnns, guamlo veiiik Landarm Lsns-äieiarm ev tnno kusra.nt7ri.uno8, gnoä äs D-owatransirs oospit, st omnium srrrut 10 rrnnos, gnoääs xatria sua rrauoibat .. . . 1? ran 8 asIo (a) itagus dune10 anuorum inreroaxeäins ..

Beilage z. Angsb, Postz. 1894 Nr. 17 S. 131. Den-selben Gedanken hat Holder-Egger lateinisch in die Auincrk-ungen 9 n. 10 x. 102 seiner Ausgabe niedergelegt.

°2) Nur ein paar Angaben Holder-Eggers , nämlich 723,727, sind richtig.

mers 7 20 (nicht 721) England verlassen hat, aus demOrient nach Italien nicht schon 729, sondern erst 730zurückgekehrt ist und sich auf Monte Cassino vom Herbste730 bis 30. Nov. 740 (nicht 739) aufgehalten hat.Willibalds Berufung nach Bayern 740/1, seine Reisedorthin 741, seine Priesterweihe am 22. Juli 742 zuEichstätt und die Weihe zum Bischof von Eichstätt am20. Oktober 743 habe ich in meinen Bruchstücken aus-führlich behandelt; indem ich auf dieselbe verweise,^)will ich nur noch ein paar Bemängelungen und irrigeAuffassungen Hirschmanns zurückweisen bezw. richtigstellen.

(Fortsetzung folgt.)

Geschichte des Volksschulwesens in Württemberg.

Bearbeitet und herausgegeben von Beruh. Kaitzer, Ober-lehrer am kgl. katholischen Schullehrerieminar Einund,*)

Die Schulfrage steht überall im Vorder-gründe, und jede Erörterung derselben inkirchlichem Sinn ist erwünscht. Bis jetzt istdieselbe viel zu wenig beachtet."

vr. Windthorst.

Aus Anlaß des 25 jährigen Ncgierungsjnbiläumsweiland König Karls von Württemberg (1889) hatteOberlehrer Kaißer in Gmünd eine kürzereGeschichtedes Volksschulwesens in Württemberg" herausgegeben,welche allerorts eine überaus günstige Aufnahme fand(clr. Augsb. Postztg. Beil. Nr. 57 v. I. 1689). Seitjener Zeit setzte er mit bewundernswerthem Eifer seinevolksschulgeschichtlichen Studien fort, erweiterte und ver-tiefte sie auf Grund schulgeschichtlicher Schriften undarchivalischer Urkunden. Vorstehendes Werk ist eineFrucht seines Sammelns und Forschens. (Einige Partiensind zum Theile früher auch schon in dieser Zeitung zumAbdruck gekommen.) Die Schrift stellt mit großerGründlichkeit und Sachlichkeit, in klarer, anziehenderSprache die Entwicklung des Volksschulweseus in Würt-temberg von den frühesten Zeiten bis zur Gegenwart dar.Sie steht auf entschieden christlichem Standpunkte undathmet Liebe zur Kirche und zum Vaterlande. Es istein wirklicher Genuß, sie zu lesen.

Der Verfasser weist in der Einleitung und imI. Abschnitte bis zur Evidenz nach, daß die Kirche dieMutter der Volksschule ist und daß es Volksschulen inDeutschland überhaupt und ganz besonders auch im heutigenWürttemberg in Städten und auf Dörfern schonvor der Glaubensspaltung des 16. Jahrhunderts ge-geben hat.

Im II. Abschnitt wird die Entwicklung des kathol.und evangelischen Schulwesens im 16., 17. und 18. Jahr-hundert im Allgemeinen und mit besonderer Berücksichti-gung Württembergs geschildert. Der schlimme Einflußder sog. Reformation wird gebührend hervorgehoben; eswird aber auch im Verlaufe der weitern Entwicklungnachgewiesen, daß und wie man katholischerseits so gutwie protestantischerseits das Volksschulwesen zu hebenbestrebt war.

Am eingehendsten und ausführlichsten wird im III.Abschnitt das Volksschulwesen im Königreich Württem-berg behandelt. Sehr interessant nnd instruktiv ist indiesem Theile (von S. 118 bis S. 153) die Geschichteder Volksschulaufsicht von den ersten Anfängen bis heute.

°°) Im Separatabdruck sind die vier ersten Zeilen aufSeite 10 hinter die drittletzte Zeile nach in Syrien herab-zusetzen.

*) Stuttgart , Jos. Notb'sche VerlagShaudlung. X. 336 S.in gr. 8°, brosch. 5 M. 50 Pj.