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nach Damaskus angetreten haben. Es führten abernach der Puliulg, keutingsriunu zwei Nömerstraßen vonEmessa (^6M68a) nach Damaskus , die eine über Helio-polis (Lliopolia) zählte 140, die andere, kürzere 96 milsxa,88U8; die letztere haben unsere Pilger eingeschlagen,weil sie mit der von Willibald angegebenen Länge so ziem-lich harmonirt.^b)

Am 25. Januar 725 besuchten sie wahrscheinlichdie nur 2 Millien von der Hauptstadt der Omajadenentfernte christliche Kirche Pauli Bekehrung. An diesemTag wird nämlich das Fest des Völkerapostels begangen,zu welchem der Herr die Worte gesprochen: Saulus,Saulns, warum verfolgst Du mich? (J.Ltu axovtol.22, 7.)

Hatte Willibald die Entfernung der HauptstadtDamaskus von Emessa noch angegeben, so läßt er unsüber die nach achttägigem Aufenthalte daselbst unter-nommene Reise nach Nazareth ohne alle Nachricht überden eingeschlagenen Weg, die Entfernung und die ver-wendete Zeit. Nachdem die Pilger in der Paulskirche ihr Gebet verrichtet, gingen sie nach Galiläa, wo Gabrieldie seligste Jungfrau mit Huvo Naria. begrüßte (Luc.I, 28). Ich vermuthe, daß die Pilger Maria Ver-kündigung (25. März 722, Sonntag Judica) in Nazareth gefeiert haben, sodann wurde Kana und der Berg Taborbesucht. Von dort gingen sie in die Stadt Tiberias amSee Gcnesareth und hielten sich daselbst ziemlich vieleTage (a,lii)ua.uto8 äio8) anf?o) Die Osterwoche warnahe, Palmsonntag fiel auf den 1. April, Osternauf den 8. desselben Monats. Die hl. Charwocheverlangte die vorgeschriebene Ruhe und Sammlung, undwie die Pilger im vorigen Jahre 724 zu Ostern inPaphos auf Cypern 3 Wochen verweilten, so scheinen siesich im Jahre 725 gleich lange oder ein paar Tage wenigeroder mehr in Tiberias am See gleichen Namens in Galiläaaufgehalten zu haben. Sodann umgingen sie den See innördlicher Richtung über Migdol, Kapharnanm, Bethsaidaund Corazaim, suchten dann die Quellen des Jordans(Jor und Dau) auf, wo sie von den Hirten saure Milchzu trinken bekamen und Willibald folgende Bemerkungüber die dortige Nindviehzucht einstießen läßt.

Das Rind, sagt er?°) hat dort einen ungewöhnlichlangen Rucken, kmze Schenkel und große, aufrechtstehendeHörner. Alle haben eine röthliche Farbe. Die Sümpfedaselbst sind lief, und wenn zur Sommerszeit großeSonnenhitze über die Erde zu kommen pflegt, so stehtdas Vieh auf, läuft in den Sumpf und taucht mit demganzen Leibe unter, mit Ausnahme des Kopfes."

Wenn nun Willibald, was sehr wahrscheinlich ist,selbst gesehen hat, wie die Rinder zur Sommerszeitin die Sümpfe gingen, so erleidet es keinen Zweifel, daßer sich während des Maimondes des Jahres 725 nochan den Quellen des Jordans befand, was mit der Zeit-rechnung im Allgemeinen übereinstimmt.

Von den Quellen des Jordans weg begaben sich diePilger nach Cäsarea Philippi "') (Baneas, Paneas),

") Vgl. Weltkarte des Eastorius, genannt die Peutinger'scheTafel X, 3 u. 4. von Dr. Konrad Miller , Navcnsburg 1888.

") Brück! oax. XIV, 5. Ibi Inornnt »liguandos äiö 8 .Holder-Eggcr 1. o. x. 95 in Lne.

2 °) Brückt e»p XV; Holder-Egger I. o. x»K. 96. Omneosunt nuin 8 oolorio, ostreae,

2') Das jetzt wieder einen katholischen Buckos hat, der unsernlieben Freund, den Orientalisten I. Mich. Scbmid, Psarr-berrn in Frohnstettcn bei Deggendors, zum Canonicns seinerKathedrale (a. Peter) ernannt hat.

wo eine Kirche und eine Menge Christen sich befand, unddort ruhten sie ziemlich lange Zeit aus.^)Jedem Geographen und Chronologen muß es auf-fallend erscheinen, daß Willibald von Damaskus plötzlichbis Nazareth im Südenvon Galiläa herüberspringtund, anstatt über Cäsarea Philippi dorthin zu gelangen,den umgekehrten Weg von Nazareth nach Philippi geht.Lautete etwa der Paß der Pilger bloß auf die 103.Hedschra, welche am 15. Juli 725 endigte (FluchtMuhameds aus Mekka 15. Juli 622), und mußten siedenselben in Damaskus oder Emesa für die 104. Hedschra(726) verlängern lassen?^) Der dauernde AufenthaltWillibalds in Baneas (Cäsarea Philippi) steht fest;gleichwohl hat Generalvikar (später Dompropst) Snttnerin Eichstätt in seiner Ausgabe die sehr gewichtige Stelle:st idi (6g.68ur6g.s kstilixxi)^uisgosutss uli-HULlltuirr t6vapu8" gar nicht, undBrückl übersetzte:dort rasteten sie eine Weile", womit ich mich nicht ganzeinverstanden erklären knnn?0

Ebenso lückenhaft, wie die Reise von Damaskus nach Nazareth , ist nach einem längeren Aufenthalte zuCäsarea Philippi die Pilgerfahrt von dort zum Klosterdes hl. Johannes des Täufers gegeben. Wir erfahrennicht, wann die Pilger abreisten, ob sie ihren Wegrechts oder links des Jordanflusses nahmen und wannsie in dem gedachten Kloster ankamen. Im Johannis-kloster wurde übernachtet, und Willibald badete im Jordan,ein Umstand, der darauf schließen läßt, daß die Pilgernoch im Oktober 725 dorthin gekommen waren. Hieraufwallfahrteten sie weiter nach Ealgala, Jercho und demKloster der hl. Eustochium zwischen Jercho und Jeru-salem . Am Sonntag den 11. November 725 (kurz vorEintritt der Regenzeit) waren die Pilger von: Osten(Oelberg ) her in die hl. Stadt gelangt, und Willibalderkrankte sogleich und lag darnieder bis eine Woche vordes Herrn Geburt (d. h. bis 18. Dez. 725 ). 2 °)

Ich habe den Weg, welchen Willibald im Jahre725 durch Galiläa, Perea und Jndea machte, deßwegenetwas eingehender besprochen, um zu zeigen, daß dieAnnahme jener Autoren,"°) welche mit Hirschmann denPalästinapilger Willibald schon am 11. Nov. 724 nachJerusalem kommen lassen, ebenso unstichhaltig ist wiedie Behauptung, er sei noch im Jahre 7 29 von Constantinopel nach Italien zurückgekehrt und im Herbstedieses Jahres in das Bcnediktinerkoster Monte Cassino eingetreten??)

Die beiden Angaben sind entschieden unrichtigund von Willibald selbst und der Luiretiuroninlig wieder-holt zurückgewiesen worden, einmal durch den de-

??) Brückt Latz. XVI. üt ibi regnieoeeutss »ligngntuintemporig . . Holder-Egger alignantnin tempno . . I. 0 .

22 ) Ueber die damaligen Paßplackereicn in Syrien undPalästina gibt Willibald'S Nebe genügenden Aufschluß. (Brücktcax. 26, Holder-Egger I. 0 . x. 100.)

2 H Brückt ist überbanpt nickt sebr genau, so hat er z. B.die Srelle e»p. Xlll S. 32 seiner Ausgabe ob 8 »netn 8 ^nanicrs Zziriin weggelassen bezw. nicht ins Deutsche übertragen.

2 °) Brück! I. 0 . o»p. XVI, XVII u. XVIII; Holder-Egger LI. S. 88 . XV. 96 u. 97.

*°) Die vv. Joh. Nep. n. Bernhard Sepp sagen in ihrerFelscnkuppcl rc., Müncben 1882 S. 55,Willibald sei 728nicht in die 8 »not!» 8 opbi» zu Jerusalem gekommen." ImJahre 728 gewiß nickt, wobl aber zu Christi Geburt 725in die 8 a. not». 8 ic>n, welche wobl mit 8 g.net!» 80 p bi»,8 »not:» Llari» ökäroxoL, dem Tempel des Herrnund der jetzigen Omarmoscbee identisch sein dürste.

??) Beilage z. Augsb. Postz. 1894 Nr. 17 S. 131; Holder-Egger I. 0 . x. 101.