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sondern auch aus anderen gleichzeitigen Quellen erweisenläßt, sohin auch dann bestehen bliebe, wenn sich dieBruder 735 nicht gesprochen hätten. In meinem Manu-scripte aus dem Jahre 1859 ist des dritten Bruders(Stiefbruders?) Willibalds und Wunibalds ebenfalls ge-dacht. Dieser ungenannte dritte Bruder ging mit Wuni-bald, welcher 728 nach England zurückgekehrt war,729/30 (nicht schon 728, wie Holder-Egger meint)nach Nom, ist aber verschollen oder von einemUeberarbeiter der vitu IVuuibaläi erst später in denText aufgenommen worden. ") Deßungeachtet meintHirschmann, Wunibald habe den Antrag des Bonifazins,sich der thüringischen Mission anzuschließen, seinem un-genannten Stiefbruder, nicht dem damals auf MonteCassino weilenden Willibald , mitgetheilt; allein dagegenspricht die bestimmte Nachricht der Nonne, daß Willi-bald und Wunibald sich 8ffz Jahre vor des ErsterenBischofsweihe zum letztenmal gesehen haben.")
Wunibald und Willibald waren zweibändigeBrüder, der erstere war 701, der letztere am 20. Ok-tober 702 geboren. Der angebliche dritte Bruder warwahrscheinlich ihr Stiefbruder und hat es jedenfalls zukeiner größeren Bedeutung gebracht, wenn er überhauptbis zum Jahre 735 in Nom geblieben ist. Mir ist esdeßhalb nicht bloß sehr wahrscheinlich, sondern fast gewiß,daß Wunibald mit dem sehr nahe verwandtenBonifazius 735 nach Monte Cassino ging,um den Willibald ebenfalls für die thüringische Missiongewinnen zu helfen. Es gelang damals nicht, ihn von8. Benedikt abzuziehen, es mußte dazu von Bonifaziusdie Autorität Papst Gregors III. in Anspruchgenommen werden, erst der päpstlichen Auf-forderung und Mahnung hat Willibald fünf Jahrespäter (740/41) Folge geleistet.")
IV.
Einige Richtigstellungen.
Hirschmann hat aus meinen Worten: „Willibald (der Priester und Biograph des hl. Bonifazius) setzt dieReise des Apostels der Deutschen nach Nom unmittel-bar nach der Visitation der kirchlichen VerhältnisseBaherns unter dem damals noch lebenden Herzog Hug-bert an", einen Sinn herausgelesen,") den ich nichtdamit verbunden habe. Es wird genügen, darauf auf-merksam zu machen, daß ich keineswegs den hl. Bonifaziusdirekt von Bayern hinweg (734) nach Italien und Rvmabgehen lasse, sondern recht gut weiß und gewußt habe,daß derselbe damals von Bayern zunächst nach Thüringen zurückging. Mit dem Worte unmittelbar wollte ichnur den Zusammenhang der Reisen nach Bayern (734)und Nom (735) hervorheben und die Behauptung zurück-weisen, daß der Apostel Deutschlands seine dritte undletzte Nomreise erst 739 unternommen habe. Das Ver-dienst, das Jahr dieser Reise erschlossen zu haben, lasseich der angelsächsischen Jungfrau bezw. dem hl. Willibald von Niemand entreißen oder mit Erfolg bestreiten.
") ll. 6. 88. XV, 108 oax. 3 in üne. Lt iterum,kratrs suo somits, saora s. ketri xerguirsre proxerabatxresiäia. Willibald wird sonst von der Nonne Unter Aermauusund xroprins genannt, nicht krater schlechthin.
") So hat den Thatbestand auch der dritte Biograph deShl. Willibald im XI. Jabrhundcrt aufgefaßt, wenn er schreibt:»kratrsm Wnuebaläum ootavosewis anno, xost-nam apnä Romain äisoossero, von visnw. v.alkcnstein 6oä. äixl. x. 468.
") Brück! cap. XXXIV xa§. 58 Ll. 6. 88. XV p. 104.
*°) ». o. (A. 38).
Ich theile die Ansicht Rtezlers (Gesch. Bayerns I,103) nicht ganz, wenn er sagt: „noch unter HerzogHugbert, etwa 735 (nicht gegen das Jahr 735, wieHirschmann ihn sagen läßt), nahm Bonifazius einenlängeren Aufenthalt in Bayern ", weil nach meinervollsten Ueberzeugung der Legat des apostolischen Stuhlesum Ostern 735 schon in Italien eingetroffen war. Nichtbloß die LnuLtimoElw von Heidenheim und die Bio-graphen des hl. Bonifazius (Priester Willibald zu Mainz und der Mönch Othlon bei 8. Emmeran in Negcnsburg)sprechen für die Anwesenheit desselben in Italien imJahre 735, sondern noch viele andere gewichtige Gründe,und ich muß deßhalb wiederholt entschieden in Abredestellen, daß Hergenröther, Hcfcle und Dümmler die letzteNomfahrt Winfrids 737—738 richtig angesetzt und an-gegeben haben.
Ich bin nicht der Ansicht, daß sich Bonifazius inBayern mit der Circumscription der vier bischöflichenSitze zwei volle Jahre in coutinuo beschäftigthat, wohl aber hat die Zergliederung (clivisio) undNeueintheilung der älteren bayerischen Kirchen, derketsuL-^uvuvansis (Chieming-Salzburg), VrisinZensiZund der ^.UAUZtu-IlsAiuöusiZ und katavienZiZ (Strau-bing-Negensburg-Passau) denselben in den Jahren 736und 737 vielfach (raultis äiedus) beschäftigt,") und wirdürfen ihn in diesen Jahren in Bayern vermuthen, wennsein Aufenthalt anderwärts nicht beglaubigt nachgewiesenist. Im Jahre 740 hat er in Bayern nichts mehr zuorganisiren gehabt, — in diesem Jahre hat er daselbst(wahrscheinlich in Negcnsburg oder Straubing a./D.)das erste Concilium abgehalten, auch soll er 740 mitBischof Wiggo von Augsburg Kloster Benediktbeuern ein-geweiht haben.")
Mit Hirschmann und Holder-Egger die Nonne vonHeidenheim dafür einstehen zu lassen, daß Willibald schon
740 nach Bayern gekommen und am 22. Juli diesesoder des nächsten Jahres 7 41 das Presbyterat in Eich-stätt erlangt hat, das kann und darf nicht zugegebenwerden. Ebenso wenig wird, wie wir gesehen haben,von den Akten des „ersten deutschen Nationalconcils" (?)die Bischofsweihe Willibalds im Jahre 7 41 gefordert.Willibald wurde auch nicht zugleich mit Burkhard
741 Bischof, wie der Anonymus von Herrieden")behauptet hat. Papst Zacharias bestätigte allerdings dieBisthümer Würzburg, Beraburg und Erfurt , und unserUngenannter von Herrieden substituirte der letzteren Stadt,Hui olim luit url)8 xugLnorura d. h. der Heiden-stadt, sein liebes Eistet bezw. das damals neu aufge-kommene famose ^ursaturn, das nur in der Ein-bildung der Gelehrten, sonst aber niemals und nirgends,auch in Jngoldstatt nicht, existirte und von unsermsarkastischen Niederer längst scharf zurückgewiesen wurde.")
") Bruckstücke, SeparatauSgabe, S. 10 A. 17 mansitgnss-xnä Lajnvarios äiebus multis. Hätte der Biograph mitHirsckmann die Worte multis aunis gebraucht, so hätteman darunter mindestens 3—4 Jahre verstehen müssen.
") Vergl. Dr. Friedrich Kunstmann im oberbayer. ArchivI. Band.
") Lli^ns tom. 146 paA. 1007 und lll. d. 88. VII, 255eax. 3. Luno ab i. v. 741, ut iu Aestis xontiüeum Ro-inanorum repsrimus...vonstitutae sunt una saäem-gns äis äno exisoopales ssäss IVirrburlr etListet. Zur richtigen Jahreszahl V60XUII (nicht 741) istanstatt Erfurt unser Listet bezw. ^.ureatum substituirt worden.Falsch ist die Angabe Bcthmanus, daß Willibald wirklich imOktober 741 zum Bischof geweiht worden ist.
") Vergl. dessen Lrolusio aeaäemiea äs veteri ^.urs o