^er Theosophie kaum so rasch erfolgen dürfte, wie inEngland . Abgesehen davon, daß wir nicht das Interessean indischen Ideen haben, wie die Engländer, dürftewohl auch in Betracht zu ziehen sein, daß der deutscheMichel doch Verstandeskraft und Willen genug hat, umsich nicht buddhistisch einschläfern zu lassen. Die ge-bildeten und tiefer religiösen Kreise werden aber wohlimmer mit Befremden und Mißtrauen eine Gottwcisheitbetrachten, die auf derartigen Umwegen bei uns einge-führt werden soll und die christliche Mystik noch immerder indischen vorziehen.

Dies ahnte wohl auch Graf Lciningen, der kürzlich(am 8. Novbr.) in München einen Vortrag über Theo-sophie und Mystik hielt, und suchte deßhalb auch dasWesen derselben möglichst von der Theosophischen Gesell-schaft, ihrer Stifterin, ihren Mahatmas u. s. w. zutrennen und überhaupt zu betonen, daß er keineswegsausschließlich indische Mystik vertreten wolle, daß, waser lehre, auch der Kern der christlichen sei. Jedoch warenim allgemeinen die Grundzüge seines Vertrages nur diedargestellten indisch-theosophischen Lehren, und am Schlüsseentwickelte er sogar ein System der praktischen Mystikund Askese aus der Vedanta.

Demzufolge wird wohl auch in der süddeutschenHauptstadt seine Bemühung wohl kaum die angestrebteFörderung realisiren können, und auch die Münchener,von denen doch ein Theil weniger Verständniß fürMystik, zumal für so entlegene, zeigt und gewissengrob-stofflichen" Gewohnheiten nicht allzuschncll entsagen dürfte,werden wohl nicht so bald in die Gemeinschaft derMa-hatmas'' kommen können.

Auch ein Beitrag zur Astronomie.

Von Georg Sailer (Anistors).

Herr Maier (Schausling) hat in einigen Beilagender Postzcitung deren Lesern mit seinem reichen Wissenaus der Astronomie interessante Aufschlüsse gegeben. Inder Beilage Nr. 47 jedoch findet sich ein Satz, dessenInhalt sich aus dem sonst Gesagten nicht beweisen läßt.Er lautet:Wenn wir erwägen die Unendlichkeit desWeltalls in Raum und Zeit, wenn wir bedenken, daßunser Erdball nicht einmal einem Sandkorne gleichkommtin Hinsicht auf die zahllosen Körper des Weltalls, somüssen wir von dem Wahne geheilt werden, als wärenwir die alleinigen vernünftigen und bedeutendsten Ge-schöpfe des sichtbaren Universums."

Hier ist also, wie es scheint, von einer absolutenUnendlichkeit des Universums in Raum und Zeit dieRede. Mit einer solchen Annahme aber ist vor allemder Erfahrungswissenschaft selbst widersprochen, denn diesehat die allmählige Entwickelung des ganzen Kosmos er-mittelt. Alles weist hin auf einen Anfang, den die ein-zelnen Theile genommen haben, und den man deßhalbfolgerichtig auch dem Ganzen nicht absprechen kann.Wenn auch die Erfahrung bis zu diesem Anfang nochnicht gelangt ist, so muß sie ihn doch annehmen, gleich-wie sie auch den mathematischen Punkt im Centrumeines Kreises annimmt, obwohl sie ihn mit der feinstenMessung nicht erreichen kann. Die Annahme der Un-endlichkeit des Universums der Zeit nach ist auch einWiderspruch gegen das geoffenbarte Wort Gottes, dasuns belehrt, daß Gott im Anfange Himmel und Erdeerschaffen hat. Eine Unendlichkeit des Universums derAusdehnung nach ist ein philosophisches Absurdum. DieAdee der Materie ist nicht denkbar ohne Begrenzung.

Mit der Annahme der Unendlichkeit des Universums nachZeit oder Raum kommt man nothwendiger Weise zurNaturvcrgöttening.

Niemand aber wird Widerspruch erheben, wenn manvon einer relativen Unendlichkeit des Universums spricht.Für die Erfahrungswissenschaft und menschliche Berech-nung mag Anfang und Grenze des Universums uner-reichbar sein. Wenn das wirklich ist und so bleibensollte, so hätte es auch seinen guten Grund. Der heil.Apostel Paulus schreibt:Was von Gott erkennbar ist,das ist unter den Menschen offenbar. Denn das Un-sichtbare von ihm ist aus der Schöpfung der Welt inden geschaffenen Dingen erkennbar und sichtbar, seineunsichtbare Kraft und Gottheit." Also nicht blos dieExistenz Gottes, sondern auch seine Kraft und Gottheit,seine Eigenschaften sind in den erschaffenen Dingen er-kennbar. Wie aber sollte aus dem Kosmos Gottes Ewig-keit und Unendlichkeit erkennbar sein, wenn nicht derKosmos dem Menschen unermeßlich scheint nach Zeit undRaum? Wie sollte Gottes unendliche Schönheit,Weisheit und Intelligenz aus den erschaffenen Dingenerkennbar sein, wenn nicht der Kosmos die Spuren dieserEigenschaften in seinen unerschöpflich neu sich erschließen-den Wundern zeigt?

Der Eingangs erwähnte Sah stellt es ferner alseinen Wahn hin, wenn sich der Mensch als die Kroneder Schöpfung, als das vornehmste Geschöpf Gottes inder sichtbaren Welt betrachtet. Bisher haben die Wortedes Schöpfers, mit denen er die Erschaffung des Menscheneinleitet, die wunderbare Einrichtung des menschlichen Or-ganismus, endlich seine geistige Macht und Ebenbildlich-keit Gottes als Beweis dafür gegolten, daß es kein Wahnist, wenn man den Menschen als bedeutendstes GeschöpfGottes in der sichtbaren Welt betrachtet. Was auch sollbedeutender sein als er? Will man ohne jeglichen An-haltspunkt andere der sichtbaren Welt noch angehörendeGeschöpfe aus irgend einem unbekannten Planeten voraus-setzen, die bedeutender sein sollen, als der Mensch? DieErfahrung liefert dafür nicht die Spur eines Beweises.Oder soll die Bedeutung des Menschen etwa verschwindenvor den zahllosen Himmelskörpern? So lange man denWerth der Menschenscele kennt, kann man das nie zu-geben. Ausdehnung ist die Haupteigenschaft der Materie.Und wenn der liebe Gott der Materie überhaupt Be-deutung geben wollte, so konnte es nur dadurch geschehen,daß er ihr diese Eigenschaft im reichlichsten Maße verlieh.Aber wirklich geehrt und geadelt, in ein höheres Reichversetzt wurde die Materie erst durch die Verbindung mitdem unsterblichen Menschengeist. Ungezählte Millionenvon nur materiellen Welten mit all ihrer Pracht könnendie Bedeutung eines einzigen Menschengeistes nichtaufwägen.

^ Endlich wird behauptet, daß wir Menschen aufdieser Erde nicht die alleinigen vernünftigen Geschöpfeder sichtbaren Welt seien. Damit entscheidet sich derHerr Verfasser für die mehrfach ventilirte Hypothese vonder Bewohnbarkeit anderer Himmelskörper. Der Beweisfür diese Hypothese gründet sich hauptsächlich auf Analogie.Es wird angenommen- daß es Himmelskörper gibt mitgleichem Entwicklungsstadium wie unsere Erde, also müssees auch Leben auf denselben geben. Wenn dieser winzigeErdball bewohnt ist, warum sollen nicht noch viele, vieleandere unter den zahllosen Himmelskörpern bewohnt sein?So argumentirt man, um diese Hypothese wahrscheinlichzu machen.