alle Volksreligionen hervorgegangen sein sollen und dieden großen Religionsstiftern, wie Buddha und Christus,bekannt war, eingeweiht worden zu sein. Es ist sehrschwer glaublich, daß diese Aussagen auf Wahrheit be-ruhen; denn die indischen weltflüchtigen Mystiker sollenkeineswegs zu so vertrautem Verkehre mit Frauen ge-neigt sein. Bemerkenswerth ist es in dieser Hinsicht, daßin dem Berichte, den der Londoner Psychologe Dr.Hodgson im Auftrage derLooiotzc kor xs^okioLlresoarolr" in Indien nach den Aussagen der Umgebungder Mme. Blavatsky zusammenstellte, dieselbe nur mitChelas, d. h. Schülern indischer Mystiker, aber nicht mitdiesen selbst, in Beziehung war. Selbstverständlich stelltedie Theosophin dies in Abrede, wie sie überhaupt stetsallen Einwänden ihrer Gegner energisch widersprach.

Sie will nach ihrer Rückkehr aus Indien nochimmer mit denMahatmas" in geistigem Rapport ge-blieben sein, sogar, während sie 3 Jahre lang in TifliS in hysterisch-kataleptischem Zustande sich befand, geistigbet denselben ein zweites selbstbewußtes Dasein geführthaben. Ueberdies sollen diese ihr das Material zu ihrenbeiden WerkenPsts Laoret Dootrius" (Die Geheim-lehre) undIsw unveileä" (Die entschleierte Isis) ingeheimnißvoller Weise gesandt und sie mit der GründungderTheosophischen Gesellschaft" zur Verbreitung indischerWeisheit betraut haben.

Letztere vollzog sie, nachdem sie in Amerika an-fänglich sich an der mediumistischen Bewegung betheiligt,am 17. November 1875, in Verbindung mit OberstOlcott , den sie in New-Aork kennen gelernt hatte. Siewollte keine neue Neligionsgesellschaft ins Leben rufen,sondern nur die Doktrinen verbreiten, welche nach ihrerAussage Wissenschaft und Religion vereinen.

Allmählig gewann sie in den Ländern englischerZunge, wo ja jede neue Bewegung, sogar eine Heils-armee Verbreitung finden kann, immer mehr Anhänger.DasHauptquartier" der Gesellschaft wurde im Jahre1878 nach Adyar bei Madras in Indien verlegt.Gegenwärtig zählt sie etwa 300 Zweigvereine, und imletzten Jahre hielt sie unter dem Vorsitze der Mrs. AnnieBesant , welche nach dem am 8. Mai 1891 erfolgtenTode der Mme. Blavatsky deren Nachfolgerin wurde,einen Congreß gelegentlich der Weltausstellung in Chi-cago ab, der sehr zahlreich besucht war.

Die angeblich völlig undogmatische theosophische Ge-sellschaft hält doch im allgemeinen an denesoterisch-buddhistischen" Lehren fest, deren Hauptpunkte in denbeiden genannten Hauptwerken der Blavatsky , in demWerkeSchlüssel zur Theosophie", einer Summe vonWidersprüchen, lächerlichen und gewagten Behauptungen,sowie in Sinnett 'L Buch v^soteriv Luäclsiisiu" klar-gelegt sind.

Nach denselben vollziehen sich im Universum hin-sichtlich des Gottesbegriffes strotzen die theosophischen Werkevon Phrasen und Widersprüchen, nnd im allgemeinen trittder indische Pantheismns, nur vielfach verzerrt, entgegen ewig zwei Processe, die Evolution und die Invo-lution, das Aus- und Einathmen Brahmas, dieVerstofflichung und Vergeistigung.

Das Menschenwesen, welches in 6 oder 7 Theile,3 obere uno 4 unterePrincipien", Atma, Buddhi,Manas, ManaS, Linga Sharira, Kama Nupa,Nnpa/) zerfällt, wird durch viele Neinkarnationen ge-

') Gottgeist, erleuchtete oder göttliche Seele, Mcnschengcist,(ManaS) Astral - oder Actherleib, Lebensprincip, materieller Leib.

läutert und allmählig vom Stofflichen zum Geistigenzurückgeführt.

Dieselben erfolgen meist ungefähr alle 3000 Jahre,während welcher Zeit das Menschenwesen in einer ArtNirwana", nach Art der spiritistischenvierten Di-mension", herumbummelt. Im Indischen wird dieserZwischenzustand alsDevachan" bezeichnet. Erst nach-dem der Mensch sich von aller Anhänglichkeit an dasIrdische und an das Sonderdasein gereinigt hat, erfolgtdie Rückkehr in das eigentlicheNirwana", welches Er-löschen eben nur mit Bezug auf das Stoffliche bedeutet.Von der langwierigen Inkarnation kann sich nun einMensch schon hier auf Erden befreien, wenn er durchAskese die Höhe einesJogi", d. t. Gottmenschen, zuerreichen sucht, der dann schon hier auf Erden in derEkstase sich ganz mit dem Gottgeiste einen und auf dieseWeise das höchste Wissen und die höchste Vollendungerreichen kann. Ein solcher ist ein Gottwciser, Theosoph,im vollen Sinne des Wortes. Die Mahatmas sind aufdieser Entwicklungshöhe in der Gegenwart.

Ganz besonders wird von den Theosophen das GesetzderKarma " betont, welches alle scheinbare Ungerechtig-keit in der Welt erklären und in allen VerhältnissenTrost und rechte Lebensführung gewähren soll.

Nach demselben bestimmt die Gesammtsumme derguten und bösen Thaten eines Individuums in früherenExistenzen kausal die Verhältnisse desselben in den späterenbis zur Rückkehr inS Nirwana. Wenn wir uns mitunserem irdischen Bewußtsein unserer Handlungen imfrüheren Dasein, von denen nur das höhere geistige IchKenntniß hat, nicht erinnern können, so ist dies für unsin der Weise von Vortheil, weil wir noch mehr geprüft nndznm Selbstdenken über unser und der Welt Wesen an-geregt werden. Diese Lehren muß man sich mühsam ausden verschiedenen Werken, in welchen sie keineswegs soklar und verständlich dargestellt werden, zurechtlegen.

Wer nun dieselben mit der Aufzählung der Zweckevergleicht, welche die englische theosophische Gesellschafthaben soll, der muß bekennen, daß letztere wohl keines-wegs dem Neuling einen Begriff von dem Glaubengeben, dem er entgegenzustrcben hat. Die TheosophischeGesellschaft, so heißt es, hat folgende Zwecke: 1) EinenKern zu bilden, um welchen die Ideen einer allgemeinenMenschenverbrüderung ohne Unterschied der Nationalität,des Glaubens, Geschlechts, der gesellschaftlichen Stellungoder Hautfarbe krystallisiren und die Ideale der Mensch-heit sich verwirklichen können. 2) Das Studium derLiteratur der Arier und der Religionen, Philosophienund Wissenschaften des Orients und des Alterthums zubefördern und auf dessen Wichtigkeit aufmerksam zumachen. 3) Die noch unbekannten Gesetze der in derNatur und im Menschen schlummernden Kräfte (Wille,Bewußtsein, Vorstellung rc.) zn erforschen. LetztererZweck wird jedoch hauptsächlich nur von derEsoterischenSection" der Theosophischen Gesellschaft, die noch immerin direkter Verbindung mit den Mahatmas stehen undvon ihnen mysteriöse Briefe aus Tibet mit Blitzesschnelledurch magische Fernwirkung empfangen soll, verfolgt.

Dieses allgemein gehaltene Programm kann wohlManchen verlocken, sich den Theosophen anzuschließen, derauf ihre sonstigen Lehren und Bestrebungen, wenn ersofort in sie eingeweiht würde, nicht näher eingehenwürde.

Man wird nach dem Gesagten zu der Anschauunggelangen müssen, daß in Deutschland die Verbreitung