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begründung des Vaticamschen Observatoriums vor, welcherbeim Papste eine günstige Aufnahme fand und alsbaldrealifirt wurde. Im September 1890 wurde er zumDirektor des neuen vaticamschen Observatoriums ernannt,welches unter seiner Leitung alsbald einen großen Auf-schwung nahm. k. Denza hat ein überaus reiches wissen-schaftliches Schaffen entfaltet. Sein eigenstes Gebiet wardie Astronomie, doch hat er sich durchaus nicht auf diesebeschränkt. Wesentliche Bereicherung verdankt ihm auchdie Wetterkunde und die mit dieser eng verknüpfte Klima-lehre. Besonders verdient gemacht hat sich Denza umdie Organisation der Wetterbeobachtung in Italien .Obenan unter feinen wissenschaftlichen Leistungen stehenseine Beiträge zur Kenntniß der Sternschnuppen. SeineArbeit hierin reiht sich an diejenigen Heis', Schmidt's,Weiß', Quetelet's , Al. Hirschel's würdig an. Im Ein-zelnen sind seine Beobachtungen über die Sternschnuppenin der Zeit vom November 1868 bis August 1869, überdie Sternschnuppen vom 14. November 1880, über dengroßen Sternschnuppenregen von 1872 zu erwähnen.Anzureihen sind seine Forschungen über die Protuberanzen,in denen er mit Jansen, Secchi, Zöllner, Tacchini zu-sammentraf. Ausgedehnte Beobachtungen hat Denzaweiterhin über den Erdmagnetismus angestellt. Er ver-öffentlichte Mittheilungen über magnetische Messungen inItalien , Beobachtungen über tägliche Schwankung dermagnetischen Declination u. a. m. Hervorzuheben sindhier Denza's Hypothese über die Beziehung zwischen Erd-magnetismus und Sonnenfinsterniß und seine Nordlicht-studien. Sehr umfangreich ist die Zahl der meteorolog-ischen Veröffentlichungen Denza's. Sie betreffen dieNcgenvertheilung in Italien , die Wetterverhältnisse inden italienischen Gebirgen, die Bestrebungen zur För-derung der Wetterkunde und die Organisation des meteoro-logischen Dienstes in Italien , vergleichende Luftdruck-messungen in den verschiedenen meteorologischen StationenItaliens , die Schwankungen der atmosphärischen Elektri-cität, die Wettervoraussage in ihrer Bedeutung für dieLandwirthschaft. Der Medicin zu gute kam eine Unter-suchung Denza's über das Klima des Thales Aosta .1878 erschien von Denza ein Lebensbild Angela Secchi's.

Der Verstorbene war im Besitze einer Reihe vonOrdensauszeichnnngen. Er war Ritter, Officier undCommendatore des St. Manritiusordens, Ritter undOfficier der Krone von Italien , Osficicr der Ehrenlegion,Ritter des Ordens Leopolds II. in Belgien u. s. w.R. I. k.

Wie man derPol. Corr." aus Rom meldet, istzum Nachfolger des kürzlich verstorbenen U. Denza inder Direktion des vaticamschen Observatoriums k. Lais,ein Schüler des berühmten Astronomen ?. Secchi, aus-ersehen.

Spiritismus und Theosophie.

Bon

Charles Saiut-Panl.

(Schluß.)

Hübbe-Schleiden gewann auch, wie er erwartete,mit diesem allgemein gehaltenen Programm zahlreicheMitglieder sür die neue Gesellschaft in allen Kreisen.Die Zahl derselben soll sogar bereits auf 700 ge-stiegen sein.

Er verlegte zum Zwecke umfassenderer Agitationfeinen Wohnsitz nach Berlin oder vielmehr in dessenBorort Steglitz , wo er sich zum Erstaunen aller seiner

Bekannten mit dem antisemitischen Agitator Hans vonMosch und dem jungen Dichter Franz EVers verband,die beide allmählig zu Theosophen umgewandelt werdensollten.

In kurzer Zeit jedoch, nachdem dieTheosophischeVereinigung" noch kaum ein Jahr bestanden hatte,machte er sich daran, seine Lieblingsidee der Verbreitungblavatskosophischer Ideen in Deutschland durch Gründungeines Zweigvereius der indisch-englischen theosophische»Gesellschaft zu verwirklichen. Inzwischen hatte er zuseinem Vertreter den bekannten Münchener SchriftstellerThomassin, einen der Leiter der Münchener Gesell-schaft für wissenschaftliche Psychologie" und Generaldele-girten der französischen 6roux>s Lsotärigus für Deutsch-land , berufen, der den wissenschaftlichen Theil derSphinx"leitete, aber nach einiger Zeit, wie wir hören, da er dieneue Gottweisheit mit seinen religionsphilosophischen Be-strebungen auf die Dauer nicht in Einklang bringenkonnte und die christliche Mystik der indischen vorzog,sich wieder verabschiedete.

Es wurde nun vorerst im November des Jahres1893 zu Berlin einEsoterischer Kreis" gegründet, demdas Studium der Werke der Mme. Blavatsky empfohlenwurde. Nachdem sodann der deutsche Theosoph allesNothwendige mit denindischen und englischen" Haupt-quartieren geregelt hatte, entstand im August diesesJahres eine deutsche Zweiggesellschaft der indischen Ma-hatma-Berbindung.

Oberst Olcott , der Leiter derselben, war eigens, umden Triumph der Blavatskosophie in Deutschland mitzu-feiern, nach Berlin gekommen und wohnte der Gründungs-versammlung bei, die allerdings nicht so zahlreich besuchtwar, als man erwartet hatte. Hübbe-Schleiden ging,nachdem sein Wunsch erfüllt war, nach Indien, und fürihn übernahm nun ein Or. Goering die Leitung desindischen Zweigvereins und der zuerst gegründetenTheo-sophischen Vereinigung", die merkwürdigerweise noch immerfortbesteht, aber, wie Hübbe-Schleiden in derSphinx"bemerkte,nur für solche geistig niedrig stehende, die nochnicht tiefer in das Wesen der Theosophte eingedrungensind und deßhalb sich noch an nationale Schranken ge-bunden fühlen", d. h. mit andern Worten, die theosoph-ischen Werke der englischen Gesellschaft nicht lesen undverdauen können.

Nach dieser Aenderung der Verhältnisse wird alsogegenwärtig der Lehre der Blavatsky und ihrer Mahat-mas das Hauptaugenmerk in Deutschland geschenkt, undes ist deßhalb nothwendig, daß wir uns schließlich nochmit dieser eingehender beschäftigen; es werden hiedurcheinzelne Andeutungen, welche im Laufe dieser Erörter-ungen bereits gegeben sind, erklärt und vervollständigtwerden.

Mme. Blavatsky ist identisch mit der bekanntenReisenden, die, nachdem sie den 60jährigcn russischenGeneral gleichen Namens im Alter von 17 Jahren ausEigensinn und Muthwillen geheirathet hatte, ihn einesTages, als er ihr unsympathisch wurde, mit einem sil-bernen Leuchter zu Boden schlug, dann in Angst um dieFolgen entfloh und in der weiten Welt umherzog. Aufeiner ihrer Reisen, und zwar erst im Jahre 1856, be-hauptet sie in Tibet eingedrungen zu sein und dort dreiJahre lang unter der Brüderschaft derMahatmas",d. i. der großen indischen Mystiker, geweilt zu habenund von ihnen in die geheimen Wissenschaften und indie uralte Weisheitsreligion oder Theosophie, aus der