An. 52.

Wage zur AugckM Weitung.

27. DeM. 1894.

Vn. L. Pastor, Geschichte der Päpste

feit dem Ausgang des Mittelalters.

II. Band.*)

T Noch ist der dritte Band von Pastors Ge-schichte der Päpste nicht erschienen, da ist schon eine neueAuflage des zweiten nöthig geworden. Das ist derbeste Beweis für die Vortrcfflichkeit des vorliegendenWerkes, auf das die Freunde stolz sein können und dasauch die Gegner anzuerkennen sich genöthigt sehen. Ob-schon ja die Papstgeschichte schon mehrfach behandeltworden ist, besaßen wir dennoch bislang keine im christ-lichen Geiste geschriebene Geschichte der oatllaclrn katri,keine, die mit solch eminentem Fleiße der Nachweisder benutzten Literatur füllt bereits 31 Seiten ge-arbeitet ist. Dazu kommt noch als unschätzbares Momentdie intensive Benützung des päpstlichen Geheimarchives,wie sie vorher keinem Forscher möglich war. Und da-neben die Ausbeute von über 90 anderen Archiven undHandschriftensammlungen!

Der vorliegende Band umfaßt die Geschichte derPäpste Pius II. (1458-64), Paul II. (1464-71)und Sixtus IV. (147184). Er zeigt uns das Ringender Päpste am Vorabend jenes unheilvollen 16. Jahr-hunderts einerseits gegen die sich mehrende Mißachtungihrer Würde, andererseits gegen die unaufhaltsam gegendas Abendland anstürmende Türkcnwuth, sowie ihr Be-streben, durch eine Reform des Clcrus die Kirche voninnen heraus zu läutern und zu kräftigen.

Wir sehen die Nachfolger Pctri als die einzigenVertreter des christlichen Gedankens und der christlichenEinheit gegen den Islam, während die Fürsten undStaaten in gegenseitiger Eifersucht und Mißgunst sich zukeiner wirksamen Bekämpfung des Erbfeindes aufzuraffenvermögen. Der greise Pins stirbt darüber in Ancona ;sein Nachfolger will selbst den vierten Theil seiner Ein-künfte zu einem Krenzzug bestimmen; er unterhandeltmit den Feinden der Türken im Orient, um diese vonzwei Seiten zu fassen, obschon der trübselige Verlauf desTages zu Wien von Seite Deutschlands wenig oder garnichts erwarten ließ. Der Papst starb über den Ver-handlungen. In Deutschland blieb alles liegen, dieTürken mußten erst im Herzen des Landes: vor Wien ,stehen, ehe sich der schwerfällige Reichskörper zu einerReaktion aufraffte. Die erste RegierungshandlungSixtuS' IV. war wieder die Berufung eines Türken-congresses zur Berathung eines Kreuzzuges vergebensalles scheiterte an der Gleichgültigkeit und den Sonder-intercssen der Fürsten ". Der Papst läßt sich nicht ent-muthigen, knüpft Verhandlungen mit dem Turkmanen-fürsteu Usunhassan an, sendet in die christlichen StaatenLegaten, erläßt eine feierliche Bulle und fordert die ganzeChristenheit zur Gegenwehr auf.

Von 1471 72 hatte der Papst 144,000 Gold-dukaten für die Ausrüstung einer Türkcnflotte aufge-wendet. Im Verein mit den Schiffen Venedigs undNeapels waren es 87 Galeeren. Aber Eifersucht zwischendiesen Staaten zerriß den Bund. 1475, als die Türkenneue große Erfolge errungen hatten, erhob der Papstwieder seine Stimme, und nochmals 1481. Wie einst

*) Zweite vielfach umgearbeitete und verbesserte Auflage.Freibmg: Herder 1894. Ungebd. 10 M., gcbd. 12 M.

Eugen IV. wollte er seine Mitra verpfänden, sein nochübriges Silbergeschirr verkaufen. Alles war vergebens.

Der beschränkte Raum verbietet uns, auch auf dieDarlegung der anderen großen Ziele des Papstthumsjener Zeit des näheren einzugehen. Wir verweisen aufdas Buch Pastors selbst, dessen Gründlichkeit und Klar-heit auf jeder Seite sich offenbart. Erwähnen wollenwir noch, daß der Verfasser seinem Werke eine Reihevon bislang unbekannten Urkunden (141) angefügt hat,die dem Text zur Ergänzung und Erläuterung dienen. In einem 38 Seiten umfassenden Nachwort beschäftigtsich Pastor mit einigen seiner Kritiker. Daß ein solchesWerk gar vielen unbequem ist, kann nicht Wunder nehmen,und darum wird eben versucht, es kritisch todt zu machen.Pastor wendet sich vor allem gegen Druffel, dessen ein-seitiger Standpunkt ja auch in der Vorrede zu denBriefenund Akten zur Geschichte des 16. Jahrhunderts" genug-sam hervortritt. Er erfährt eine ebenso ausgiebige, wieverdiente Zurückweisung. Freilich wird das besondersbei verschiedenen Münchener Gelehrten, die mit bayrischemGeld Werke herausgeben, durch welche direkt und indirektan der Herabsetzung bayrischer Fürsten gearbeitet wird,nicht allzuviel nützen; aber die Art und Weise ihrerKritik wird wenigstens bekannt.

?. Denza f.

* k. Denza, der Direktor des vatikanischen Ob-servatoriums, dessen Tod wir kurz gemeldet, war einMitglied des Barnabitenordens. Wie der OsservatoreNomano in einem ausführlichen Lebensbild des Verstor-benen mittheilt, wurde derselbe zu Neapel am 7. Juni1834 geboren. Im Jahre 1850 trat er zu S. Agostinodi Resino als Novize in den Baruabitenorden. Seinewissenschaftliche Ausbildung erhielt er in dem Kollegiumvon S. Ftlippo in Macevata und in dem Kollegium S.Carlo in Rom , wo er am 15. August 1855 feierlichstdie Ordensgclübde ablegte. Am 18. September 1858wurde er zum Priester geweiht. Als Professor der Ma-thematik und Physik wirkte er eine Reihe von Jahren zuMoncalieri , wo er sich durch gediegene wissenschaftlicheArbeiten auf dem Gebiete der Mathematik und Meteoro-logie und als Direktor des dortselbst von ihm be-gründeten Observatoriums, welches er bis zum Jahre1890 leitete, einen bedeutenden Namen machte. Im Jahre1886 erlitt er einen Schlaganfall, welcher seinen rechtenArm lähmte. Das hinderte ihn aber nicht, seine Studienund wissenschaftlichen Arbeiten fortzusetzen. Im Jahre1859 begründete er das Bolletino Meteorologico , welcheser bis zu seinem Tode leitete; er begründete ferner dieCorrispondenza Alpino-Apennine, welche in ganz Italien Verbreitung fand. Im Jahre 1860 versuchten ihn derSenator Matieucci und der Unterrichtsminister Berti zurUebernahme der Leitung der Meteorologie Jtaliana inFlorenz zu bestimmen; er schlug aber diese Srellung stetsaus. Im Jahre 1876 wurde er zum Mitglied desDirektionsraths der Meteorologie Jtaliana ernannt. ImJahre 1878 nahm er als Delegirter der Regierung andem internationalen meteorologischen Kongreß in Paris theil, zu dessen Ehrenvorsitzendem er gewählt wurde. ImJahre 1881 gründete er die LoeietL vastsorologionituliaua, welche ihn zu ihrem Präsidenten wählte. ImJahre 1888 trug er dem Papste den Plan der Wieder-