uns gewaltig entrüsten und in Harnisch bringen. Aberweit gefehlt! Auf der letztjährigen Generalversammlungder Katholiken Deutschlands zu München mußte bittereKlage erhoben werden wegen zu lässiger Unterstützungunserer katholischen Literatur. Mit warmer Begeisterunghat damals (2. geschlossene Generalversammlung. 27. Aug.)Nector vr. Huppert zum Kreuzzuge für die katholischeLiteratur gepredigt. Die trefflichen und praktischen Vor-schläge, die Dr. Huppert im Namen seiner Gesinnungs-genossen gegeben hat, verdienen wieder aufgefrischt zuwerden. Da hieß es:
Erstens: „Jeder katholische Mann und jede katho-lische Frau sollen . sämmtliche Unterhaltungslektüre in derFamilie gewissenhaft überwachen und in erster Linie nurkatholische Bücher und Zeitschriften anschaffen."
Zweitens: „Die Vorsteher der katholischen Knaben-und Mädchen-Institute sowie die Neligionslshrer anhöheren Lehranstalten sollen die ihnen anvertrautenSchüler und Schülerinnen über die katholische wie nicht-katholische Literatur eingehend belehren."
Drittens: „Jeder Katholik soll innerhalb seinesKreises für die Verbreitung katholischer Literatur ein-treten."
Wenn Mann und Jüngling, Frau und Jungfrau,Univerfitütsstudent und Gymnasiast mit echt katholischerHingebung und Treue an der Verbreitung der katho-lischen Literatur mitwirken, jedes in seiner Weise, dannist uns Hoffnung gelassen, die katholische Literatur werdeeinen erstaunlichen Aufschwung nehmen, und dann ist ihrdie Möglichkeit gegeben, einer wahren Blüthcperiode ent-gegenzugehen. Darum auf! „Alle Mann an Bord!"
Die mächtige Kerntruppe dieses literarischen Kreuz-zuges aber bilden die Geistlichen. Hören wir nur, wasdem schon genannten Dr. Huppert ein Freund, der Laieist, im Vertrauen sagte: „Wenn die Herren Geistlichenwüßten, wie dankbar in vielen Familien jeder Finger-zeig von ihnen nach eine« Buch oder einer Zeitschriftbefolgt wird, würden sie weit mehr in dieser Richtungwirken und dadurch sich und anderen viel unangenehmeErfahrungen ersparen."
Manch gefährliches Buch hält seinen Einzug selbstin ein gut katholisches Haus, „als ob wir gar nichtsGutes hätten". In häuslicher Musestunde vertändeltdie junge Mutter im nardenduftigen Gemache ihre Zeitmit der leidenschaftschmeichelnden, weltschmerzsüßlichen undzerfahrenen Liebespoeste Heine's und seiner Schule, undläßt bewußt oder unbewußt auch ihr liebes Töchterleinvom Gifte naschen. Ein Mutterherz vor Zersetzung undEntsittlichung zu bewahren, die Engelscelc in einem schönenKinde rein und ungetrübt dem Himmel zu erhalten —die leichtgeschürzte Valandinen-Mode aus dem christlichenHause zu verbannen, wahrlich, das wäre ein erhabenesApostolat für den Geistlichen, das er üben kann im Ver-kehre mit den Eltern und beim Unterrichte der Kinder,indem er angelegentlichst dafür Sorge trägt, daß ge-diegene Bücher und Zeitschriften auf den Familienlesetischzu liegen kommen.
„Man muß das Publikum mit der Nase auf dieBücher stoßen," pflegte der selige Janssen zu sagen. Diesgilt vornehmlich dem katholischen Publikum, was Unter-haltungslektüre anbelangt. „Alte und neue Welt" oder„Deutscher Hausschatz" sollte sich in jeder besseren kathol-ischen Familie vorfinden, und last not laust die „Dichter-stimmen der Gegenwart" sollten in jedem Falle nebenbei'noch aebalten werden, was der jährliche Abonnements-
PreiS von nur 4 M. 50 Pf. recht leicht ermöglicht. Die„Dichterstimmen" bilden das poetische Organ für daskatholische Deutschland in monatlichem Erscheinen; unterder fürtrefflichen und fachmännischen Leitung des berühmtgewordenen Dichters Leo Tepe van Heemstede haben siedie Kritik der Presse durchgehend sehr gut bestanden.Litcrarische Größen rühmen das anerkcnnenswerthe StrebendeS katholischen Musenalmanachs, der mir dem nunmehr-igen zehnten Jahrgange nun auch wohl die Feuertaufeerhalten haben wird.
Ohne gerade selbst schriftstellerisch thätig oder garDichter zu sein, findet in den „Dichterstimmen" ein Jedernach seinem Geschmack eine schöngeistige Auslese in ge-bundener und ungebundener Sprache. Durchaus nichtunscheinbar sind die einzelnen Hefte, zumal mit demneuesten Jahrgang ihr Umfang sich verdoppelt, Inhaltund Form sich vervollkommnet hat. Darin findet derLeser, was am Ende für viele die Hauptsache, für alleaber gewiß ein literarischer Handweiser ist, einen kleinenLiteraturkalender in jeder Nummer verzeichnet, der alleneuen dichterischen Werke, katholische wie nichtkatholifche,schöngeistiger Literatur genau angezeigt, dem einen dasWort redet, vor dem andern warnt. Die besten kathol-ischen Dichter der Jetztzeit bis herab zum jüngsten Lauten-Wäger geben sich hier ein Stelldichein, um mit rein ge-stimmter Harfe zu singen von Frauentugend, Männer-würde, von Liebe und Vaterland. Wie wohl und er-quickend ist es, diesen lieblichen Klängen im weltver-lorenen Dichterhaine sein Ohr zu leihen, wenn ringsumin der wirr bewegten Gcisterströmung der Welt das Ge-zänke der Parteien und der wilde Lärm der hastigenGlücksjagd tobt!
An der Hand der „Dichterstimmen" werden wir auchzur Ueberzeugung kommen, daß die katholische poetischeLiteratur keineswegs mehr das Aschenbrödel ist, das ander Pforte der großen Literatur vergeblich um Einlaßklopft. Lieder, Romanzen, Balladen und Kantaten,Hymnen und dramatische Bilder, fein erdachte Novellen,zauberumwobene Sagen heben uns aus dem Alltagslebenin freudige Sonntagsstimmung. Möge der frühlings-frische Morgen in der katholischen Poesie in unabsehbareZukunft hinein Sonntag feiern zur Veredelung, zur Be-geisterung deutscher Herzen! Möge er mit seinem lieb-lichen Festgeläute die Nacht trüben Weltschmerzes bannen,und viele, recht viele laden in den herrlichen Tempelfrischgläubiger, lenzesfroher Poesie, aus der wie linderFrühlingsodem jenes hehre Ideal uns entgegenweht, daSder Seele Flügel leiht!
Dieses Vertrauen beläßt uns die goldene Hoffnungauf Verwirklichung dessen, was der edle Geibel mitahnendem Geiste von „Gründeutschland" sang:
„Mag die Welt vom Einfach-SchönenSich für kurze Zeit entwöhnen.
Nicht gclingt'S ihr auf die DauerSchnöder Unnatur zu srvhnen."
„Ein Wort über die Schriften von HeinrichHttnsjakob."
8t. Wir stehen in der allgemeinen Ferienzeit. DieSchulen, die Universität, die Gerichtssäle, sie alle sind ge-schlossen. Jeder, der an diesen Stätten gewirkt, sehnt sichhinaus in die freie Gottesnatur, uni Mühe und Widerwärtig-keiten zu vergessen und den alten Menschen durch die ewigjunge Natur mit ihren irischen Wäldern und luftigen Höhenwiederum zu verjüngen und zu neuer Arbeit zu kräftigen. DochNicht an jedem Tage weist Gott dem Touristen, den er „in die.