Recensionen und Notizen.

DaS Lied der drei Jünglinge (Dan. 3, 5688). Dar-gelegt nach seiner kanonischen Geltung, seinem Inhaltund seiner liturgischen Bedeutung v. Karl in Hier-in eher. kgl. Gymn.-Professor. Ncgensburg, NationaleVcrlagSanstalt (Mauz). Approb. 102 S. M. 1.00.

Das ist eine ganz solide und tüchtige Arbeit, welche wirmit hohem Gennße durchgeblättert haben. Weit entfernt, nurdaS Resultat religiösen Empfindens zu sein. beruht diese Er-klärung des -Lsneclioito- auf fester wissenschaftlicher Grund-lage, und verräth schon der erste Theil des WerkchenS dengründlichen Kenner des historisch-exegetischen Materials. Beider Erklärung der einzelnen Verse finden wir eine Summe vongroßen und tiefen Gedanken aufgespeichert, deren Bedeutungweit hinausgeht über den Werth einer augenblicklichen an-muthigen Gefühlserhebung. Die von gläubigem Geiste durch-leuchteten Resultate der Naiurwissenschaft, sowie die dogmatischund historisch begründeten Bestimmungen theologischer Aus-drücke geben der Erklärung der einzelnen Verse zugleich Kraftund Weihe. Was die liturgische Verwerthung betrifft, so istnur auf die Verwendung des Liedes bei den I-anäes der Sonn-uns Festtage Rücksicht genommen und vermißt man die Deutungded Lobgesanges zum Zweck des priesterlichen Dankgcbetcs nachder Celebration der HI. Messe. Das könnte als ein Mangel,als ein pinirr äesiäerinw für eine zweite Auflage angesehenwerden. Allein wir glauben, daß das bereits Gebotene, mitGeist und Herz erfaßt, an sich schon reichen und überreichenStoff für die Danksagung deS Opferpriestcrö bietet. Geradeder dritte Theil Verwendung des Loneäicito an Sonn- undFesttagen bringt so Schönes über die Wechselwirkungen vonNatur- und Gnadenlcben und über die Verklärung der Ge-schöpfe, daß ein frommes und denkendes Gemütb gar leicht dieBeziehungen finden wird, die zwischen dem hl. Opfer uuv demCanticum bestehen, um die Harfe deS Herzens zum vollenTönen zu bringen. Kein Priester wird es bereuen, sich diesesWerkchen angeschafft zu haben, denn keiner wird es ohne reicheund tiefe Anregung aus der Hand legen. Dem Verfasser abereinGlück auf!" sür weitere ähnliche Studien!

Augsburg . Max Steigenberger.

Das Leben Jesu nach den 4 Evangelien dargestellt vonDr. Joseph Grimm. II. Band: Geschichte der öffent-lichen Thätigkeit Jesu 1. Band, 2. Auflage, Regcnsburg,Pustet 1893, Seiten 747; III. Band des ganzen Werkes:Geschichte der öffentlichen Thätigkeit Jesu 2. Band,2. Auflage, Regensburg , Pustet 1895, Seiten 655.Geschichte des Leidens Jesu nach den 4 Evangelien1. Band, des ganzen Werkes 6. Band. Regensburg ,Puffet 1894, Seiten 671.

Es ist zwar anLeben Jesu" kein Mangel: Schcggund Sepp in Deutschland, Fornari in Italien , Le Camus inFrankreich, Coleridge in England haben die Geschichte Jesu zum Gegenstand ihrer Studien gemacht und uns mit mehroder weniger gehaltvollen Arbeiten hierüber beschenkt. DiePalme unter den Leben Jesu gebührt jedenfalls dem LebenJesu des leider zu früh Heimgegangenen Gelehrten JosephGrimm . Bis jetzt sind 6 Bände erschienen, bei der VcrurtheilungJesu zum Kreuzestod bricht das Werk ab. Wie man Hort, warjedoch der Schlußband beim Tode deS Verfassers soweit ge-diehen, daß das Werk nicht ein Torso bleiben muß. Der 1. und2. Band (2. und 3. Band deö ganzen Werkes) haben bereitseine 2. Auflage erlebt und sind vom Verfasser durchgesehen undverbessert worden. Keppler rühmt an Grimm: exegetische Ge-nauigkeit. gemüthstiefcs Eingehen in den Text der Schrist undcontemplative Versenkung in die hl. Geheimnisse. Lst gnoslaustes aststistisss aliguist, stseerpisse est. (Llaximus bom. 59.)Zum Schlüsse noch die Bemerkung, daß sämmtliche deutsche Leben Jesu", welche von katholischer Seite verfaßt wurden,auf bayrischem Boden entstanden.

Familie Lngmüller. Erzählung von Arth. Achleitrier.

Dessau , Dünnhaupt, 1896. 8°. 162 S. M. 2.

L/Z Eine tiesergrcifende Geschichte, wie sie im Leben nichtso ganz unmöglich ist. Allein der Dichter, der sie ersann, hates bei einer einfachen Erzählung nicht bewenden lassen. Erlegte es mit Anwendung gewaltsamer Scenen und effecthascher-ischer Motive darauf an, eine aufdringliche TendenzschriftgegenGcschäftSkatholiziSmus", Auswüchse des Wahlfahrten-

Wesens, Härten des HcimatbSrechtes und was er sonst noch aufdem Herzen hat, bis zur äußersten Spitze durchzuarbeiten. Dasist ihm allerdings gelungen, freilich mit schwerer Versündigungan der Wahrheit und an der Kunst. Die Erzählung könnteganz passend in derGartenlaube" der Sicbzigerjahre gestandenhaben. In den guten Klang, den im allgemeinen sonst derName deS Autors durch seineG'schichtcln" auch in katholischenKreisen besitzt, bringt dieFamilie Lugmüller" einen bösenMißten.

Wiederum liegt mit dem soeben erschienenen 12. Hefte vonAlte und Neue Welt" ein Jahrgang (30.) abgeschlossenvor uns, und wir müssen gestehen, daß er vom ersten bis zumletzten Heft in Text und Bildcrschmuck geradezu musterhaft undunübertroffen dasteht. Das letzte Heft schließt den stattlichenBand von 768 Seiten mit 476 Kunstblättern und Illustra-tionen würdig ab. In diesem einen Jahre brachte die Zeit-schrift nicht weniger als 38 große Romane, Novellen, Dorf-geichfchtcn und Humoresken; 7 große, reich illustrirte Reise«bcschrcibungen und Schilderungen aus der Länder- und Völker-kunde. 55 populäre Aufsätze aus den verschiedensten Wissens-gebieten und viele kleinere und größere sonstige Artikel, Ge-dichte, Plaudereien u. s. w. Das 12. Heft zeichnet sich durchdrei besonders fesselnde erzählende Beiträge aus. Die meistenArtikel sind illustrirt. Der übrige Bildschmuck ist reich undmusterhaft. Möchte dieAlte unv Neue Welt" mit dem neuenJahrgang doch in recht vielen Familien Eingang finden. EinVersuch wird niemanden gereuen. Für 50 Pieunig mehr zubieten, ist unmöglich.

Die christliche Jungfrau in ihrem Tngcndschmucke.Von ?. Mathias von BremsÄcid, Priester ausdem Kapnzinerorden. Mit kirchlicher Approbation. DritteAuflage. Mainz . 1894. Fr. Kirchheim. 6. (103 S.)in Leinwand qcbd. 60 Pf.

Ein goldenes Büchlein, dessen Lehren and dem Leben ge-schöpft sind und von einem sür den Tugendschmnck der Jungfraubegeisterten Herzen kommen und deßhalb wieder den Weg zumHerzen finden.Nimm und licö!" möchte ich jeder christlichenJnügsrau zurufen,und du wirst es nicht ohne großenNutzen thun."

In dem Verlage von Franz Kirchheim in Mainzgelangen demnächst zwei bedeutende Werke zur Ausgabe. Beidem Interesse, das durch die bekannten Wirren in Klein-Asicnfür Armenien erweckt ist, wird das neue Werk:VomKaukasus zum Persischen Meerbusen durch Ar-menien, Kurdistan und Mesopotanicn" von Dr.PaulMüller-SimoniS, voraussichtlich mit großem Beifall be-grüßt werden, zumal bis jetzt über jene Gegenden in deutscherSprache ein ähnliches Werk nicht vorliegt. Der Bearbeiter hateine Uebersicht über die orientalischen Kirchen und die armenischenGräucl bis auf die neueste Zeit beigegcben. DaS Werk wirdmit gegen 100 Text-Illustrationen, einer Heliogravüre, sechsLichtdrnckvilocrn (durchweg Oriqinalaufnahmcn des- Verfassers)und einer Karte in elegantem Original-Einband gegen 10 Mk.kosten. Der hochinteressante Inhalt und die splendide typo-graphische Ausstattung werden das Werk namentlich auch zumGeschcnkwerk eignen. Ein anderes gleichfalls künstlerisch, über-haupt prächtig auSgestatlets, illustrirteS Werk desselben Verlags,das Mitte September zur Ausgabe gelangen soll. betitelt sich:Westlich! oder Reise nach dem fernen Westen Nord-amerikas ". (In reichem Original-Einband ca. 7 Mark.Der Verfasser Dr. Otto Zardctti, Titnlar-Erzbischof vonMozissus, zuletzt Erzbischof in Bukarest (ein Deutsch-Schweizer ),war wie kaum ein Anderer zur Abfassung dieses Buckes be-rufen, da er jahrelang als Professor, dann als Bischof vonSt. Cloud in den Vereinigten Staaten von Nordamerika gewirkthat. Das Werk bringt ohne selbstverständlich seinem eigent-lichen Zwecke, der Schilderung von Land und Leute untreu zuwerden, interessante Streiflichter auf die kirchlichen und religi-ösen Verhältnisse Nordamerikas . Besonders wird auch denLeser der brillante Stil des Verfassers fesseln. Nach Vollendungder beiden Werke werden wir eingehend daraus zurückkommen.

Berichtigung.

In dem Artikel über Bischof Markwart (Nr. 34 S. 274Zeile 17 v. u.) muß es heißen:er hielt wohl auf geistlicheCorrcctheit, aber sein Maßstab war daS kanonische Recht."

Verqntw. Redacteur: Ad. Hggö in BuMnrg. Hruck ».Verlag des Lit. Instituts von Haas LGrabhcrr in Augsburg .