Druckschrift 
10 (1839)
Entstehung
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2 Z» Jerusalems philosophischen Aufslitzen.

an ihrer Mitthcilbarkcit verzweifelte, weil sie sich in Abwegevor ihm verlor, wohin er schlechterdings ihr nicht folgen konnte.

Da wir einander selten, oder nie, als nntcr vier Auge»,sprachen: so war niiscr Gespräch immer sogleich gefunden. DasNäheste brachte uns immer auf das Entfernteste. Die Grund-sätze einer gewissen ersten Philosophie, deren man sich lieberitzt schämte, waren ihm sehr geläufig, und er hatte einen son-derbaren Hang, sie bis auf die gemeinsten Dinge des Lebensanzuwenden. Am liebsten kam er auf sie zurück, wenn ihm indem Gebiete des Schönen, in dem Reiche der Empfindungen,irgend eine räthselhafte Erscheinung aufsticß.

Zu solchen Gesprächen giebt es Uneinigkeit, nnd nicht seltenwird wenig oder nichts damit ausgemacht. Aber was tbat dasuns? Das Vergnügen einer Zagd ist ja allezeit mehr wcrtb,als der Fang; und Uneinigkeit, die blos daher cntsicbcl, daßjeder der Wahrheit auf einer andern Stelle aufpaßt, ist Einig-keit in der Hauptsache, und die reichste LUicllc einer wccbsclsciti-gen Hochachtung, auf die allein Männer Freundschaft bauen.

Das Ermattende, Abzehrende, Entnervende, womit krän-kelnde oder um ihre Gesundheit allzubcsorgte Geister diese Artvon Untersuchung, diese Entwickelung unserer Gefühle, dieseZergliederung des Schönen, so gern verschrcyen, war ihm nichtim mindesten fürchterlich. Vollends die Entbehrlichkeit eines sol-chen Geschäffts dem jungen Genie predigen, ibm Verachtungdagegen einflößen, weil ein zuvorciligcr Kunstrichter dann undwann crudc Regeln daraus abstrahirct, schien ihm eine scbrmißliche Sache zu seyn. Und wie sollte es nicht? Man hin-tergeht, oder ward selbst bintcrgangcn, wenn man die Regelnsich als Gesetze denket, die uiiunigänglich befolgt sey» wollen;da sie weiter nichts als garer Rath sind, den man ja woblanhören kann. Wer leugnet, daß anch ohne sie das Geniegut arbeitet ? aber ob es mit ihnen nicht besser gearbeitet hatte?Es schöpfe immer nur aus sich selbst, aber es wisse doch wenig-stens, was es schöpft. Das Studium des menschliche» Gerippesmacht freylich nicht den Mahler: aber die Vcrsäumung desselbenwird sich an dem Eoloristcn schon rächen.

Wie empfindbar, wie warm, wie thätig, sich dieser junge