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28 Zur Geschichte und Litteratur. Licrlcr Beytrag.
so hat es doch zu allen Zeiten und in allen Ländern privilcgirtcSeelen gegeben, die aus eignen Kräften über die Sphäre ihrerZcitvcrwandtcn hinausdachten, dem größer» Lichte entgegen eil-ten, und andern ihre Empfindungen davon, zwar nicht mittheilen,aber doch erzählen konnten.
Was sich also von dergleichen Männern hcrschrcibcn kann,deren noch itzt von Zeit zu Zeit einige aufstehen, obnc daßman ihnen immer Gerechtigkeit widerfahren läßt, das kann zukeinem Beweise eines unmittelbar göttlichen Ursprungs gebrauchtwerden. Kann es diesen Ursprung aber nicht erweisen, da woes vorhanden ist: so kann es diesen Ursprung auch nicht wider-legen, da wo es mangelt; und Bücher können gar wol vonGott seyn, durch eine höhere Eingebung Gottes verfaßt seyn,ob sich schon nur wenige, oder gar keine, Spuren von derUnsterblichkeit der Seelen und der Vergeltung nach diesemLeben, darinn finden. Diese Bücher können sogar eine sclig-machcndc Religion enthalten; das ist, eine Religion, bey de-ren Befolgung sich der Mensch seiner Glückseligkeit so weitversichert halten kann, als er hinausdenkt. Denn warum dürsteeine solche Religion sich nicht nach den Grenzen seiner Sehn-sucht und Wünsche fügen? Warum müßte sie nothwendig erstdie Sphäre dieser Sehnsucht und Wünsche erweitern? Freylichwäre eine solche scligmachcndc Religion nicht die scligmachcndcEhristiichc Religion. Aber wen» denn die Christliche Religionnur erst zu einer gewissen Zeit, in einem gewissen Bezirke erschei-nen konnte, mußten deswegen alle vorhergehende Zeiten, alle an-dere Bezirke keine scligmachcndc Religion haben? Zch will esden Gottcsgclchrten gern zugeben, daß aber doch das Scligma-chenve in dcn vcrschiedncn Religionen immcr das Nehmlichemüsse gewesen seyn: wenn sie mir nur hinwicdcrum zugeben, daßdarum nicht immer die Mcnschcn dcn nehmlichen begriff'damit müsscn verbunden haben. Gott könnte ja wol in allenReligionen die guten Mcnschcn in der nehmlichen Dctrach»tnng, aus dcn nehmlichen Gründen sclig machcn wollen:ohne darum allen Mcnschcn von dicscr Betrachtung, von dic-scn Gründen dic nehmliche Offenbarung ertheilt zu haben. —
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