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Zur Geschichte und Litteratur. Vierter Beytrag.
Zeugen überliefert haben. Denn wenn schon in einem lind demandern beide Charaktere zusammen kommen, so ist doch nnwidcr-sprcchlich, daß kein einziger Evangelist bey allen und jeden Er-scheinungen Ehristi gegenwärtig gewesen.
H. Folglich sind zwcycrlcy Widersprüche hier möglich. Wider-sprüche unter den Zeugen, und Widersprüche unter den Ge-schichtschreibern der Aussage dieser Zeugen.
§. Sind Widersprüche unter den Zeugen vorhanden? —Dergleichen konnten nur seyn, wenn ein Evangelist über deneinzeln Fall, bey welchem er selbst Augenzeuge gewesen, sichselbst widerspräche: oder wenigstens, wenn mehrere Evangelistenüber den nehmlichen einzeln Fall, bey welchem jeder gegenwär-tig gewesen, sich unter einander widersprächen. DergleichenWidersprüche sind mir unbekannt.
§. Sind Widersprüche unter den Zeugen vorhanden gewe-sen? — Anscheinende: warum nicht? Denn die Ersabrung giebtes, und es kann schlechterdings nicht anders seyn, als daß vonmchrern Zeugen nicht jeder die ncbmlichc Sache, an dem nehm-lichen Orte, zu der nehmlichen Zeit, anders sehen, anders hö-ren, folglich anders erzählen sollte. Denn eines jeden A»s-mcrksamkcit ist anders gestimmt. Ich halte es sogar für un-möglich, daß der nehmliche Zcnge von dem nehmlichen Vorfalle,den er mit aller vorschlichen Aufmerksamkeit beobachtete, zu ver-schiedenen Zeiten die nehmliche Aussage machen könne. Denndie Erinnerung des Menschen von der nehmliche» Sache ist zuverschiedenen Zeiten verschieden. Er müßte denn seine Aussageauswendig gelernt haben: aber alsdann sagt er nicht, wie er sichder Sache itzt erinnerlich ist, sondern wie er sich derselben zuder Zeit, als er seine Aussage auswendig lernte, erinnerlich war.
H. Sind wahre Widersprüche unter den Zcngcn vorhandengewesen? solche, die bey keiner billigen Vcrglcichung, bey keinernähern Erklärung verschwinden? — Woher sollen wir das wis-sen? Wir wissen ja nicht einmal, ob jemals die Zeugen gehö-rig vernommen worden? Wenigstens ist das Protokoll überdieses Verhör nicht mehr vorhanden; und wer Za sagt, hat indiesem Betracht eben so viel Grund für sich, als wer Nein sagt.