Druckschrift 
10 (1839)
Entstehung
Seite
89
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Eine Diiplik,

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nis XX, 14.) geschah, da sie den Herrn für den Gärtneransah. Wenn nun Marcus in seinem 9ten Ncrsikcl eben dieseErscheinung mcynct, so war sie ja nicht die erste, und er konntenur in so fern sagen, daß Maria Magdalcna die erste persön-liche Erscheinung Christi gehabt, als er zu verstehen gab, (aberselbst nicht glaubte) daß Maria Magdalcna immer bey dengcsammtcn Weibern geblieben, und mit diesen zugleich aufdem Rückwege nach der Stadt den auferstandenen Christuszuerst ganz allein gesehen hätte?"

Dieß ist doch nach des Nachbars Meynung? Nicht?Er schläft: aber antwortet ihr, die ihr seine Reden im Schlafefür Orakel gehalten! Nicht?

Und nun muß ich doch erst noch einen Augenblick auf seineSeite treten, und anmerken, daß dem ohngcachtct noch Rathfür seine liebe Harmonie gewesen wäre, ohne den Marcus sohäßlich zu zcrplackcn. Wcnn er es nicht weiß, wie es zu ma-chen, daß die Erscheinung Christi beym Johannes (XX, 14.)noch immer (nach Marcus XVI, !).) die erste bleibt, ohngcachtctChristus auch dcn sämmtlichcn Wcibcrn auf dcm Rückwege er-schienen : so lerne er es von dcm Dichter. (*) Aber freylich;was ist von einem Dichter zu lernen? Der Dichter will dasmit seiner profanen Einbildungskraft zwingen, was nur mitder heiligen Ercgctik gezwungen werden muß.

Doch dieser ungenutzte Vortheil ist es nicht, was ich hiermeinem Nachbar zur Last zu legen gedächte. Zch gedächte viel-mehr, ibm blos eine kleine Frage vorzulegen, wcnn er wachewieder ist, versteht sich die nicht blos den gegenwärtigen ein-zeln Fall, sondern das ganze Harmonicnwcscn bctrift.

Nehmlich Dcnn darin sind wir ohne Zweifel doch einig?daß wcnn ein einzelner weltlicher Geschichtschreiber vollkommenmit sich selbst übereinstimmt, so daß das, was er sclbst sagt,zusammcnhängt und natürlich aus einander fließt: man dieWidersprüche, in die er durch die natürlichste Erklärung seinerNachrichten mit andern Geschichtschreibern gcräth, lieber auf sei-ner Rechnung stchcn lassen, als durch eine minver natürliche

(°) Messias, vierzehnter Gesang.