Druckschrift 
10 (1839)
Entstehung
Seite
125
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Eine Parabel -c.

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Die Bitte.

Ein andres ist ein Pastor: ein andres ein Bibliothekar. Soverschieden klingen ihre Benennungen nicht: als verschieden ihrePflichten und Obliegenheiten sind.

Ucbcrhaupt denke ich, der Pastor und Bibliothekar Verhaltensich gegen einander, wie der Schäfer und der Kräuterkcnncr.

Der Kräutcrkcnner durchirret Berg und Thal, durchspähetWald und Wiese, um ein Kräutchen aufzufinden, dem Lunneusnoch keinen Namen gegeben hat. Wie herzlich freuet er sich,wenn er eines findet! Wie unbekümmert ist er, ob dieses neueKräutchcn giftig ist, oder nicht! Er denkt, wenn Gifte auchnicht nützlich sind (und wer sagt es denn, daß sie nichtnützlich wären?) so ist es doch nützlich, daß die Gifte be-kannt sind.

Aber der Schäfer kennt mir die Kräuter seiner Flur; undschätzt und pflegt nur diejenigen Kräuter, die seinen Schafendie angenehmsten und zuträglichsten sind.

So auch wir, ehrwürdiger Mann! Ich bin Aufsehervon Büchcrschätzcn; und möchte nicht gern der Hund seyn, derdas Heil bewacht: ob ich schon freylich auch nicht der Stall-knecht seyn mag, der jedem hungrigen Pferde das Heu in dieRauffe trägt. Wenn ich nun unter den mir anvertrautenSchätzen etwas finde, von dem ich glaube, daß es nicht be-kannt ist: so zeige ich es an. Bors erste in unsern Katalogen;und dann nach und nach, so wie ich lerne, daß es diese oderjene Lücke füllen, dieses oder jenes berichtigen hilft, auch öf-fentlich: und bin ganz gleichgültig dabey, ob es dieser für wich-tig, oder jener für unwichtig erkläret, ob es dem einen frommet,oder dem andern schadet. Nützlich und verderblich, sind eben sorelative Begriffe, als groß nnd klein.

Sie hingegen, Ehrwürdiger Mann, würdigen alle litterari-sche Schätze nur nach dem Einflüsse, den sie auf Ihre Gemeindehaben können, und wollen lieber zu bcsorglich als zu sahrläßigseyn. Was geht es Sie an, ob etwas bekannt, oder nicht be-kannt ist? wenn es nur Einen auch von den Kleinsten ärgernkönnte, die Zhrer geistlichen Aufsicht anvertrauet sind.