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Arioiiiala,
daß er sich wundert. Der Himmel erhalte uns nur noch langein dem nehmlichen Verhältniße; daß er sich wundert, undich mich nicht.
IX. (9)
Die Religion ist nicht wahr, rveil die Evangelisten unsApostel sie lehrten: sondern sie lehrten sie, rveil sie rvahr ist-
Jede scharfsinnige Unterscheidung laßt sich von einem, derseiner Sprache nur ein wenig mächtig ist, in eine Antithese brin-gen. Weil nun aber freylich nicht jede Antithese auf einerscharfsinnigen Unterscheidung beruhet; weil oft nur ein bloßesWetterleuchten des Witzes ist, was ein zerschmetternder Strahldes Scharfsinnes seyn sollte, zumal bey den lieben Dichtern: soist der Name Antithese ein wenig verdächtig geworden. Daskömmt nun den Herren sehr gnt zu Passe, die, ich weiß nichtwelchen naturlichen Widerwillen gegen allen Scharfsinn haben;besonders, wenn er sich nicht in ihre Alltagswortc kleidet. Sieschreyen: Antithese! Antithese! Und damit haben sie alleswiderlegt.
Auch diese Antithese sagt nichts! sagt der vielsagende Hr.Pastor. „Denn sind die Evangelisten und Apostel Männer,„welche geredet und geschrieben haben, getrieben durch den„h. Geist: so ist die christliche Religion wahr, weil die Evan-gelisten und Apostel, oder cigcntlicb, weil Gott selbst sie gclch-„rct hat. Der zweyte Satz steht bloß müssig da."
Nun denn! so muß ich schon das Maaß meiner SündenHaufen, und eine Antithese mit einer andern Antithese unter-stützen. Auch das, was Gott lehret, ist nicht wabr, weil esGott lehren will: sondern Gott lehrt es, weil es wahr ist.
Steht der zweyte Satz hier auch müssig? — Za; wennwir nicht wüßten, was diese Herren sich für einen schönen Be-griff von dem Willen Gottes machten! Wenn wir nicht wüß-ten, daß, nach ihrem Sinne, Gott etwas wollen könne, blosweil er es wolle. Und auch das ließe sich in gewissem Ver-stände von Gott noch sagen: so daß ich kaum weiß, wie ichihren Unsinn in Worte fassen soll.