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Tie Erziehung des Mcnschciigeschlcchts.
§. 39.
Da die Jndc» nunmchr, auf Veranlassung der reinern per-sischen Lehre, in ihrem Ichova nicht blos den größten allerNarionalgöttcr, sondern Gott erkannten; da sie ihn als solchenin ihren wieder hcrvorgcsuchtcn heiligen Schriften um so eherfinden und andern zeigen konnten, als er wirklich darum war;da sie vor allen sinnlichen Vorstellungen desselben einen ebenso großen Abscheu bezeugten, oder doch in diesen Schriften zuhaben angewiesen wurden, als die Perser nur immer hatten:was Wunder, daß sie vor den Augen des Cyrus mit einemGottesdienste Gnade fanden, den er zwar noch weit unter demreinen Sabeismus, aber doch auch weit über die groben Ab-göttereien zu seyn erkannte, die sich dafür des vcrlaßncn Lan-des der Juden bemächtiget hatten?
H. 40.
So erleuchtet über ihre eignen unerkannten Schätze kamensie zurück, und wurden ein ganz andres Volk, dessen ersteSorge es war) diese Erleuchtung unter sich dauerhaft zu ma-chen. Bald war an Abfall und Abgöttcrey unter ihm nichtmehr zu denken. Denn man kann einem Nationalgott wohluntreu werden, aber nie Gott, so bald man ihn einmal er-kannt hat.
H. 4t.
Die Gottcsgclehrren haben diese gänzliche Veränderung desjüdischen Volks verschiedentlich zu erklären gesucht; und Einer,der die Unzulänglichkeit aller dieser verschicdnen Erklärungensehr wohl gezeigt hat, wollte endlich „die augenscheinliche Erfül-lung der über die Babylonische Gefangenschaft nnd die Wie-derherstellung aus derselben ausgcsprochucn und ausgeschriebnen„Weissagungen," für die wahre Ursache derselben angeben.Aber auch diese Ursache kann nur in so fern die wahre seyn,als sie die mm erst veredelten Begriffe von Gott voraus setzt.Die Juden mußten nun erst erkannt haben, daß Wundcrthunund das Künftige vorhersagen, nur Gott zukomme; welchesbcydcS sie sonst auch den falschen Götzen beygeleget hatten, wo-durch eben Wunder und Weissagungen bisher nur einen soschwachen, vergänglichen Eindruck auf sie gemacht hatten.