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Die Erziehung des Menschengeschlechts.
welches der Rechenmeister seinen Schulen, voraus sagt, damitsie sich im Rechnen cinigermaassen darnach richten können.Wollten sich die Schüler an dem voraus gesagten ?acit begnü-gen: so würden sie nie rechnen lernen, und die Absicht in wel-cher der gute Meister ihnen bey ihrer Arbeit einen Leitfadengab, schlecht erfüllen.
h. 77.
Und warum sollten wir nicht auch durch eine Religion, mitderen historischen Wahrheit, wenn man will, es so mißlichaussieht, gleichwohl auf nähere und bessere Begriffe vom gött-lichen Wesen, von unsrer Natur, von unsern Verhältnissen zuGott, geleitet werden können, auf welche die menschliche Ver-nunft von selbst nimmermehr gekommen wäre?
H. 78.
Es ist nicht wahr, daß Spcculationcn über diese Dinge je-mals Unheil gestiftet, und der bürgerlichen Gesellschaft nachthci-lig geworden. — Nicht den Spcculationcn: dcm Unsinnc, derTyranney, diesen Spcculationcn zu steuern; Menschen, die ihreeigenen hatten, nicht ihre eigenen zu gönnen, ist dieser Aor-wurf zu machen.
H. 79.
Vielmehr sind dergleichen Spcculationcn — mögen sie imEinzeln doch ausfallen, wie sie wollen — unstreitig die schick-licdsren Uebungen des menschliche» Verstandes überhaupt, solange das menschliche Herz überhaupt, höchstens nur vermögendist, die Tugend wegcn ihrcr cwigcn glückseligen Folgen zu lieben.
H. 80.
Denn bey dieser Eigennützigkeit des menschlichen Herzens,auch den Verstand, nur allein an dem üben wollen, was un-sere körperlichen Bedürfnisse bctrift, würde ihn mehr stumpfen,als wetzen hcisscn. Er will schlechterdings an geistigen Gegen-ständen geübt scvn, wenn cr zu seiner völligen Ausklärung ge-langen, und diejenige Reinigkeit des Herzens hervorbringe» soll,die uns, die Tugend um ihrcr selbst willen zu licbcn, fähig macht.
§. 81.
Oder soll das menschliche Geschlecht auf diese höchste Stu-fen der Aufklärung und Reinigkeit nie kommen? Nie ?