Tie Erziehung des Menschengeschlechts.
327
§. 82.
Nie? — Laß mich diese Lästerung nicht denken, Allgütigcr!— Die Erziehung hat ihr Ziel: bey dem Geschlechte nicht we-niger als bey dem Einzeln. Was erzogen wird, wird zu Et-was erzogen.
§. 83.
Die schmeichelnden Aussichten, die man dem Jünglinge er-öffnet; die Ehre, der Wohlstand, die man ihm vorspiegelt: wassind sie mehr, als Mittel, ihn zum Manne zu erziehen, derauch dann, wenn diese Aussichten der Ehre und des Wohlstandeswegfallen, seine Pflicht zu thun vermögend sey.
H. 84.
Darauf zweckte die menschliche Erziehung ab: und die gött-liche reichte dahin nicht? Was der Kunst mit dem Einzelngelingt, sollte der Natur nicht auch mit dem Ganzen gelingen?Lästerung! Lästerung!
§. 86.
Nein; sie wird kommen, sie wird gewiß kommen, die Zeitder Vollendung, da der Mensch, je überzeugter sein Verstandeiner immer bessern Zukunft sich sühlct, von dieser Zukunftgleichwohl Bcwcgungsgründc zu seinen Handlungen zu erborgen,nicht nöthig haben wird; da er das Gute thun wird, weil esdas Gute ist, nicht weil willkührlichc Belohnungen darauf gesetztsind, die seinen flatterhaften Blick ehedem blos heften und stär-ken sollten, die innern bessern Belohnungen desselben zuerkennen.
§. 86.
Sie wird gewiß kommen, die Zeit eines neuen ewigenEvangeliums, die uns selbst iu den Elemcntarbüchcrn des NeuenBundes versprochen wird.
§. 87.
Vielleicht, daß selbst gewisse Schwärmer des drcyzchntcn undvierzehnten Jahrhunderts einen Strahl dieses neuen ewigenEvangeliums aufgefangen hatten; und nur darin» irrten, daßsie den Ausbruch desselben so nahe verkündigten.
§. 88.
Vielleicht war ihr dreyfaches Alter der IVclr keine so leereGrille; und gewiß hatten sie keine schlimme Absichten, wenn sie