lieber die Fabeln aus d. Zeiten b, Minnes. 2tc entdccknng. 366
tcralur, die Epoche Friedrichs des Grossen, zu nennen für gutfindet! — Der Schweizerische Kunstrichtcr sagt ja selbst: „Wir„haben gegenwärtige Fabeln desto lieber vor der Manessischen„Sammlung vorhergehen lassen, weil sie bey ihrer natürlichen„Einfalt eine grosse Leichtigkeit haben, welche sich auch öfters„denjenigen verständlich macht, die nur ein flüchtiges Auge„darauf werfen, ohne daß sie sich mit den Schönheiten der„alten Sprache eine gelehrte Arbeit machen." Was heißt dasanders, als: die Sprache dieser Fabeln ist nicht die Spracheder ältern Dichter in der Manessischen Sammlung, sondern eingutes Theil verständlicher, d. i. ein gutes Theil jünger, unsrer
itzigcn Sprache näher? - Und was will der gelehrte Mann
mit der Orthographie jenes Alters? Giebt es denn eine solche?Wenn er das Glück gehabt, einen Codex zu erhalten, in wel-chem durchaus eine gleichförmige Orthographie beobachtet wor-den: ist das darum die Orthographie jenes Alters? Finden sichdenn nicht selbst in der Manessischen Handschrift fast so viel
vcrschicdnc Orthographien, als vcrschicdnc Dichter? - Was
endlich den Ausdruck, die Einfälle, die ganze poetische Kunstanbelangt, woraus wir schlicsscn sollen, daß unser Fabeldichterder Zeitgenosse der Minnesinger gewesen; so kann ich nicht ber-gen, daß ein solcher Schluß zu viel Unkundc mit den späternDichtern des t4tc» und der ersten Hälfte des 45>m Jahrhun-derts verräth. Zeiten, welche einen -Hugo von iLr^mbcrg undeinen Hcrman von Sachsenhcim noch gehabt haben, könnenja wohl auch einen Fabeldichter hervorgebracht haben, wie diesen.Za, ich schäme mich nicht zu bekennen, daß die Fabeln, welchein dein Renner zerstreut sind, nach meinem Geschmacke (ichweiß wohl, daß Gcllcrls Urtheil ganz anders ausgefallen ist)weit lebhafter und untcrhaltcndcr erzählt sind, als diese vorge-gebenen Fabeln dcs Schwäbischen Zeitalters.
Was der Schweizerische Kunstrichtcr von den materiellemKennzeichen seiner bessern Handschrift sagt, scheint eher noch einhistorischer Beweis zu seyn. Scheint, sage ich: denn im Grundeist cs doch nur auch, dunkle unerklärliche Empfindung. „So„viel man, sagt er, aus den Eharaktcrcn der Buchstaben ur-theilen kann, so ist sie gegen dem Ausgangc des dreyzehnten
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