Druckschrift 
4 (1838)
Entstehung
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Rettungen des Horaz .

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alle kleine Eigenthümlichkeiten eines Schriftstellers so genau zukennen, daß man den geringsten Abgang derselben in seinemNachahmer entdecken sollte; ich weis endlich, daß man, um insolchen Vermuthungen recht leicht zu fehlen, nichts als wenigGcschmak und recht viel Stolz besitzen darf, welches, wie mansagt, gleich der Fall der meisten Kunstrichtcr ist. Doch derScholiast Porph'/non führt eine Stelle aus dieser Lebensbeschrei-bung des Horaz an, und legt sie mit ausdrücklichen Wortendem Sueton bey. Dieses nun ist schon etwas mehr, ob gleichauch nicht alles. Die Paar Worte die er daraus anführt, sindgar wohl von der Art, daß sie in zwey verschiedenen Lebens-beschreibungen können gestanden haben. Doch ich will meineZwcifclsucht nicht zu weit treiben; Sueton mag der Verfasser seyn.

Succon also, der in dieser Lebensbeschreibung hundcrtcrlcybeybringt, welches dem Horaz zum Lobe gereichet, läßt, gleich-sam als von der Wahrheitsliebe darzu gezwungen, eine Stellemit cinflicsscn, die man tausendmahl nachgeschrieben, und oftgenug mit einer kleinen Kützclung nachgeschrieben hat. Hier istsie: ros vv»eroas intom^orantlor tra<V>t»r. I>!iln> fpoeulstc»eudieulo t"corta clioltur IialmilVv äik^ollts, ut MocunPio rv--hzexillkt, ilii oi imsZo enitus i-oierrotur.

Was will man nun mehr? Sueton ist doch wohl ein glaub-würdiger Schriftsteller; und Horaz war doch wohl Dichters ge-nug, um so etwas von ihm für ganz wahrscheinlich zu halten?

Man übereile sich nicht, und sey anfangs wenigstens nurso vorsichtig, als es Sueton selbst hat seyn wollen. Er sagttraclitm', clielwr. Zwey schöne Wörter, welchen schon mancherehrliche Mann den Verlust seines guten Namens zu danken hat!Also ist nur die Rede so gegangen ? Also hat man es nur ge-sagt? Wahrhaftig, mein lieber Sueton , so bin ich sehr übelauf dich zu sprechen, daß du solche Nichtswürdigkeiten nachplau-dcrst. Zn den hundert und mehr Jahren, die du nach ihmgelebt, hat vieles können erdacht werden, welches ein Geschicht-schreiber wie du, hätte untersuchen, nicht aber ununtcrsucht fort-pflanzen sollen--

Es würde ein wenig cckcl klingen, wenn ich diese Apostropheweiter treiben wollte. Zch will also gelassener fortfahren--