Druckschrift 
4 (1838)
Entstehung
Seite
13
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Rctiimgcn des Horaz.

angeben, die so ungezwungen ist, daß man sie ohne Widerredeanncbmen wird. Anstatt nehmlich: hieeulsto eudicmlo scortaäicitur Iiaduiste äispollta rathe ich ZU lesen spvcula in culiiculoleni-t-uis ita clieltur k-lduillv cus^osita, ut ^e. Man sieht daßich wenigstens sehr aufrichtig bin, und mir kein Bedenken mache,meinen Grund selbst zu entkräften. Doch wer weiß ob ich esthun würde, wenn ich nicht den übrigen Gründen desto mehrzutraute. Zch glaube aber; sie sind von der Beschaffenheit, daßdas, was ich noch hinzusetzen will, sie fast unwidcrsprcchlichmachen wird.

Zch hatte nicht lange über diese verdächtige Beschuldigungnachgedacht, als ich mich erinnerte, etwas ähnliches bey demScncca gelesen zu haben. Dieser ehrliche Philosoph hat nichtgern eine Gelegenheit versäumt, wo er mit guter Art seine ernst-haften Lehren, mit einem Zuge aus der Geschichte lebhaftermachen konnte. Zn dem ersten Buche seiner natürlichen Fragenhandelt er unter andern von den Spiegeln, und nachdem er al-les beygebracht, was er als ein Physiker davon zu sagen ge-wußt, so schließt er endlich mit einer Erzchlung, die ziemlichschmutzig ist. Vielleicht sollte ich mehr sagen, als ziemlich;wenigstens bin ich nicht der einzige, der es einem stoischen Wei-sen verdenkt, sie mit allen spitzigen Schönheiten seines laconi-schcn Witzes ausgckrahmt zu haben. Fromondus setzt schonhinzu: IioneMus t->cu!sr<?8 8onoea; und es giebt Ucbcrsctzer, dielieber ihre Urschrift hier verstümmeln, als durch allzugrossc Treueihren Lesern die Rothe ins Gesicht treiben wollen. Ich würdeeben so behutsam seyn, wenn nicht unglücklicher Weise beynahedie gantzc Rettung meines Dichters davon abhingc. Der Un-schuld zum Nutzen kann man schon den Mund ein wenig wei-ter aufthun. Ich werde bey dem allen noch weit bescheidenerals Scncca seyn, den diejenigen, welche gründlicher unterrich-tet seyn wollen, in dem sechzehnten Hauptstückc des angeführtenBuchs nachlesen können.

Bey dieser Gelegenheit", sagt er zu seinem Lucil,mußich dir doch ein Histörchen crzchlcn, woraus du erkennen wirst,wie die Geilheit sogar kein Werkzeug zur Anrcitzung der Wol-lust verachtet, und wie sinnreich sie ist, ihrem unzüchtigen