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Schrifftcu. Dritter Theil.
„Feuer Nahrung zu schaffen. Ein gewisser -Hostius übertraf an„Unkcuschheit alles, was man jemals auf der Bühne gesehen„und verabscheuet hat. Er war dabey ein reicher Gcitzhals,„ein Sklave von mehr als tausend Scstcrzien. Als ihn seine„Sklaven umgebracht hatten, achtete der göttliche August ihn„nicht für werth, seinen Tod zu rächen, ob er ihn gleich nicht„billigte. Er verunreinigte sich nicht allein mit Einem Ge-schlechte; sondern er war auf das männliche eben so rasend„als auf das weibliche. Er ließ sich Spiegel verfertigen, die,„wie ich sie in dem vorhergehenden beschrieben habe, die Bil-„dcr um vieles vcrgrösscrtcn, und den Finger an Dicke und„Lange einem Arme gleich machten. Diese Spiegel stellte er so,„daß wenn er sich selbst von einem seines Geschlechts mißbrau-„chcn ließ, er alle Bewegungen seines Schänders darinnc sc-„hcn, und sich an der falschen Grösse des Gliedes, gleichsam„als einer wahren, vergnügen konnte. Er suchte zwar schon„in allen Badstubcn die Muster nach dem vcrgrösscrtcn Maaß-„stabc aus; gleichwohl aber mußte er seine unersättliche Brunst„auch noch mit Lügen stillen. Nun sage man mir, ob es„wahr ist, daß der Spiegel nur der Reinigkeit wcgcn crfun-„dcn scy?" —
Weiter brauche ich meinen Stoiker nicht zu verdolmetschen.Er moralisirt noch eine ziemliche Ecke ins Feld hinein, undgiebt sich alle Mühe die Augen seiner Leser auf diesen Gegen-stand recht zu hcftcn. Man sollte schwören, er rede von demfrcywilligen Tode des Cato, so feurig wird er dabcy!
Ich will mich vielmehr sogleich zu den Folgerungen wcndcn,die daraus flicsscn. Dcr göttliche Augustus, welcher hier einenunzüchtigen Mann so verabscheuet, daß er auch seinen Tod, anden nichtswürdigstcn Krcaturen in den Augen eines Römers,an meuchclmördcrischcn Sklavcn, nicht ahnden will, ist cbcudcr August, dcsscn Liebling Horaz war. Nun mahlt man unsden Horaz zwar nicht völlig als einen Hostius; allein das wasdaran fehlt, ist auch so groß nicht, als daß es in dem Betra-gen des Augustus einen so merklichen Unterscheid hätte machenkönnen. Unter den lem-tis, die dcr Dichter vor dem Spiegelsoll genossen haben, will man nicht bloß weibliche verstehen, dc-