Druckschrift 
4 (1838)
Entstehung
Seite
16
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Schrifften, Dritter Theil.

war, als Horatius vor den Spiegeln seine unzüchtigenLüste gestillt: eines Abschreibers, der ein verdienstliches Werk zuthun glaubte, wenn er mit dieser Anekdote die Nachrichten desSuctons vermehrte.

Ich bin hoffentlich der erste, der diese Vermuthung vorträgt,ob ich gleich nicht der erste bin, der die Stelle, die sie bctrift,für untergeschoben halt. Zvacier hat sie in seiner Übersetzungstillschweigend ausgelassen, und stillschweigend also verdammt.Baxter läßt sie in seiner Ausgabe gleichfalls weg, und fügt ineiner Anmerkung hinzu: «zuN I,Io omittuntur, a no5c!c> quo ve-lmloiio mlili'Ltli, lunt, no^uo enim toluin inlionosts, verum etiamäoiiclioula ^5 «o-^^-«?-« viclentur. Es sollte mir lieb seyn, wennich das, was Barter hier mit ganz trocknen Worten sagt, rich-tig erwiesen hätte.

Und zwar sollte es mir schon deswegen lieb seyn, weil diezweyte Art von Beweisen, die man von der Unkcuschhcit desHoraz aus seinen eignen Schriften nimmt, ein grosses verlieret,wann sie von der erstem nicht mehr unterstützt wird.

Giebt man es zu, oder giebt man es nicht zu, daß derDichter die Natur schildert; daß die sinnlichen Gegenstände ihnnicht bloß und allein, ja nicht einmal vorzüglich beschäftigenmüssen; daß die Empfindungen,-so wie sie die Natur selbst be-leben, auch sein Gemählde beleben müssen? Man giebt es zu.Räumt man es ein, oder räumt man es nicht ein, daß dieEmpfindungen der Wollust unter allen diejenigen sind, welchesich der meisten Herzen bemächtigen, und sich ihrer am leichte-sten bemächtigen; daß sie unter sich der mchrcstcn Abändrungcnfähig sind, welche alle Wollust, aber alle eine andre Wollustsind; daß der Dichter, so wie er hier seine meiste Stärke zeigenkann, auch hier seinen meisten Ruhm zu erwarten hat? Manräumt es ein. Also räume man auch ein, daß der DichterWein und Liebe, Ruh und Lebe», Schlaf nnd Tanz besingen,und sie als die vornehmsten Güter dieses Lebens anpreisen darf;oder wenigstens gestehe man zu, daß man dem Dichter, wennman es ihm untersagen wollte, eines von den schönsten Feldernuntersagen würde, wo er die angenehmsten Blumen für dasmenschliche H-rz sammle» könnte. Ich rede von dem mcnschli-