Rettung des Lard.mS, 53
gung, ohne vorhergegangene Prüfung? Man sage nicht, daßdie Prüfung seiner eignen Religion schon zureiche; daß es nichtnöthig sey, die Merkmahle der Göttlichkeit, wenn man sie andieser schon entdeckt habe, auch an andern aufzusuchen. Manbediene sich des Gleichnisses nicht, daß, wenn man einmal denrechten Weg wisse, man sich nicht um die Irrwege zu bekümmernbrauche.--Man lernt nicht diese durch jenen, sondern je-nen durch diese kennen. Und benimmt man sich nicht, durchdie Anpreisung dieser einseitigen Untersuchung, selbst die Hofnung,daß die Irrgläubigen aus Erkenntniß unsre Brüder werden kön-nen? Wenn man dem Christen befiehlt, nur die Lehren Christizu untersuchen, so befiehlt man auch dem Mahomctancr, sichnur um die Lehre des Mahomcts zu bekümmern. Es ist wahr,jener wird darüber nicht in Gefahr kommen, einen bessern Glau-ben für einen schlechtem fahren zu lassen; allein dieser wirdauch die Gelegenheit nicht haben, den schlechtem mit einem bes-sern zu verwechseln. Doch was rede ich von Gefahr? Der mußein schwaches Vertrauen auf die ewigen Wahrheiten des Hei-landes setzen, der sich fürchtet, sie mit Lügen gegen einanderzu halten. Wahrer als wahr, kann nichts seyn; und auch dieVcrläumdung hat da keine Statt, wo ich auf der einen Seitenichts als Unsinn, und auf der andern nichts als Vernunft sehe.Was folgt also daraus ? Daß der Christ, bey der Bcrglcichungder Religionen, nichts verlieren, der Heide, Jude und Türkeaber unendlich viel gewinnen kann; daß sie nicht nur, nicht zuuntersagen, sondern auch anzupreisen ist.
Cardan muß also in der Art dieser Verglcichung gefehlthabe». Wir wollen sehen. Es kann auf eine gedoppelte Artgeschehen seyn. Entweder er hat die Gründe der falschen Re-ligionen allzustark, oder die Gründe der wahren allzu schwachvorgestellt.
Hat er wohl das letztere gethan? — — Zch verlange un-parthcyischc Leser; und diese sollen es mir sagen, ob einer vonallen den unzchlbarcn Gottcsgclchrtcn und Wcltweiscn, welchenach dem LarSan die Wahrheit der christlichen Religion erwie-sen haben, einen Grund mehr, oder eben dieselben Gründe stär-ker vorgetragen hat, als er. Weitläufiger wohl, aber nicht