54 Schrissten. Dritter Theil.
stärker. Man weis, daß die vornehmsten derselben die historischensind; und welche Art von ihnen vermißt man hier? Man kanndieser Arten drey annehmen. Historische Gründe, welche ausden Zeiten vor der Menschwerdung des Heilandes hergenommensind; historische Gründe ans den Zeiten des Heilandes selbst,und endlich historische Gründe aus den Zeiten die nach ihm gc-folgct sind. Die ersten sind diejenigen, die uns die Propheten andie Hand geben; die andern sind die, welche auf den Wundernunsers Erlösers beruhen; und die dritten werden aus der Art,wie die christliche Religion ausgebreitet worden, hergeholt. Allediese hat Cardkn mit wenig Worten, aber mit sehr nachdrückli-chen, berührt. Was kann man von den Vorhcrverkündigungcnder jüdischen Propheten stärkcrs sagen, als dieses: daß sie inChristo so genau erfüllet worden, daß man sie eher für Erzch-lungcn, die nach geschehener Sache aufgesetzt worden, als fürdas, was sie sind, halten sollte? Kann die Zweydeutigkeit der-selben mit ausdrücklichern Worten geleugnet werden? Ich willnicht hoffen, daß man mit lieblosen Vermuthungen so weit ge-hen werde, daß man behaupte, Lardan- habe, eben durch diesenZusatz, sie verdächtig machen, und ganz von weitem anzeigenwollen, für was man sie eigentlich zu halten habe. So un-sinnig kann kein vernünftiger Mann seyn, welcher es weis, daßnoch jctzo ein ganzes Volk ihr unverfälschtes Alterthum, zu sei-ner eignen Widerlegung, behauptet — Auch von den WundernChristi spricht unser Philosoph sehr scharfsinnig, und bemerktzwey Dinge dabey, deren eines bey den Wundern der falschenReligionen immer mangelt. Er behauptet, daß sie wirklicheWunder sind, und behauptet, daß sie, als solche, von glaub-würdigen Zeugen bekräftiget worden. Er unterscheidet sie alsovon den Täuschcrcycn eines gelehrten Betricgcrs, welcher einemunwissenden Pöbel das Seltene für das Göttliche, und dasKünstliche für das Wunderbare verkauft. Er unterscheidet sieauch ferner von den Prahlcrcycn der Schwärmer, die wer weiswas wollen gethan haben; nur Schade, daß es niemand gese-hen hat. Kann man ihre Glaubwürdigkeit besser, oder kanman sie nur anders beweisen? — Endlich sehe man auch, wiegründlich er von dem Beweise aus der Fortpflanzung der christ-