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§- 4.
„Ferner verachte das Ansehen der Alten lind der Verstor-benen. Wir sind zwar überall unsern Vorfahren viel schuldig;nur in der Religion sind wir ihnen nichts schuldig Zc.
5- 6.
„An die Hirten und Lehrer, unter welchen du lebest, kehredich nicht. Zn einer so wichtigen Sache, als das Heil deinerSeelen ist, mußt du dich auf niemanden verlassen. Der besteChrist ist der, welcher sein eigner Hirt ist. Die Sorge für deineSccligkcit ist niemanden aufgetragen, und niemand wird fürdich zum Teufel fahren. Du kanst dich ja selbst aus Bücherngenugsam unterrichten, derer heut zu Tage oft ein Schuster undSchneider mehrere hat, als sonst ei» grosser Docror des Kano-nischen Rechts . Und was ist jetziger Zeit gemeiner als die Ge-lehrsamkeit? Was haben die Gelehrten vor gemeinen Handwcrks-lcutcn, die oft fertiger mit der Zunge sind als sie, voraus, alsden Namen? Vor diesen mochte es wohl wahr seyn, daß mandie Gelehrsamkeit nur bey den Gelehrten finden konnte; allein jetztreäeunt 8iltum!it rvAlis,In <niilius ^l't^rium vulgo nülvetur ^momuni.
5- 6.
„Mit diesen witzigen Köpfen also, welche eigentlich keine Ge-lehrte sind, rathe ich dir fleißig umzugehen. Alle Pastorcs, Magi-stros, Doctorcs, Baccalaurcos verachte gegen sie. Diese finsternLeute wollen, daß man nur ihnen alles glauben müsse; sie sindaufgeblasen und in ihre Grillen närrisch verliebt. Wenn sichja noch einige unter ihnen finden, die diese Fehler nicht haben,so sind sie dafür albern, blödsinnig, einfältig und dumm. Über-haupt aber werden sie dich alle mit so viel Sophistcrcvcn undschulmäßigcn Unterscheidungen plagen, daß du nothwendig einenEckcl für sie bekommen mußt. Sie werden dich auf die Gram-matiken, auf die Vcriiunftlchrcn, auf die Wörterbücher, aufCommcntarios, Disputationcs, Thomistcn und Scotistcn verwei-sen; sie werden dich zu einem ewigen Sklaven der Bücher ma-chen, damit sie dich ja in ihren Ketten behalten, und du nurimmer ihre Speichel lecken mußt :c.