Druckschrift 
4 (1838)
Entstehung
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Schrifflcn. Dritter Theil.

H- 7.

Noch einmahl also, laß diese düsteren Köpfe, und giebdich mit niemanden, als mit solchen ab, welchen Wahrheit undLügen gleichgültige Dinge sind, und die weder die Kunst zuschlicsscn, noch zu disputircn, gelernt haben. Du brauchst ebennicht, um die Theologie zu lernen, deine andern Handthicrungenaufzugeben; du kannst alles dabey treiben, was du nur willst;und cs ist genug wenn du nur in müßigen Stunden mit dei-nen Gesellschaften ein wenig von der Religion schwatzest. Dukannst alles unter Scherz und Lachen lernen Schusterund Schneider sind oft die besten Theologen, weil sie aus Er-fahrung reden. Die Stimme des Pöbels, ist die Stimme Got-tes. Versuch cs nur!

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Du wirst aber desto leichter lernen, jc mit beredtem duumgehest; dergleichen jetziger Zeit die Engcländcr und Holländerzu seyn Pflegen, bey welchen alle Marktplätze von Religion wic-dcrschallcn. Ihre Wciblcins so gar, sind die geschwätzigsten, dienur zu stndcn sind, und sie können fertiger von theologischenDingen plaudern, als mancher langbärtigc Professor der Theo-logie. Doch auch nicht immer mit einem unterrede dich! Baldmit diesem, bald mit jenem, damit du fein vielerlei) in denKopf bekömmst Zc.

5- 9.

Nun muß ich dich ferner zur Kühnheit aufmuntern. DasSprichwort sagt: den Kühnen hilft das Glück; und ich sagedir: den Kühnen hilft die Weisheit. Furchtsame bleiben aufdem bekannten Wege; Zweifelhafte folgen einem Führer; unddie den Weg nicht wissen, treten in andrer Fußtapfcn. DieFeigheit verräth ein unedles Gemüth. Ein Weiser weis, daßer etwas weis; er verehrt sich, und läßt sich von andern ver-ehren. Was fragt er darnach, ob ihn andre frech, verwegen,oder, wie sie sonst wollen, nennen?

5- io.

Mit dieser Tugend ist die Großmuth verwandt, die duauch lernen mußt. Sie ist cs, welche dich die Klcinigkcitcn dcrSprachlehrer, und die Kindcrcycn dcr Dialcktikcr verachten lehrt:c.