Druckschrift 
4 (1838)
Entstehung
Seite
94
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Schrifftcn. Dritter Theil.

dasjenige mische, was der väbstlichcn Heiligkeit einzig und alleinzustehet, ermähnte den Herzog zu vcrschicdncn malen, Theilsdurch die höflichsten Briefe, Theils durch besondre Abgeordnete,daß er dem päbfllichm Stuhle diese Beschimpfung nicht anthun,sondern das aufgefangene Geld wieder heraus geben möge.Doch da der Herzog sich dessen halsstarrig weigerte, und aufseiner Meinung blieb, so that ihn der Pabst in Bann. DerAugustiner wollte diese Gelegenheit, sich bey dem Herzoge ein-zuschmeicheln, nicht versäumen, und behauptete mit vieler Frech-heit, daß ein so unbilliger Spruch ganz und gar keine Krafthabe, und daß der Pabst keinen unschuldiger Weise in den Bannthun könne. Er fing hierauf an sehr viel Heftiges wider denrömischen Pabst und seine Anhänger auszustosscn, welches allesgedruckt und sehr geschwind in ganz Deutschland ausgebreitetwurde. Zugleich ermähnte er den Herzog von Sachsen, sichdurch diese Drohungen von seinem einmal gefaßten Entschlüssenicht abbringen zu lassen. Die Gemüther der Deutschen warenschon längst, durch die mehr als heidnischen Sitten der Römer,aufgebracht worden, und hatten schon heimlich das Zoch desrömischen Pabstcs abzuschütteln gesucht. Daher kam es denn,daß sobald Luthers Schriften öffentlich bekannt wurden, sie beyallen einen ganz erstaunlichen Beyfall fanden. Die Deutschen frohlockten, schimpften auf die Römischgcsinntcn, und verlang-ten, daß ein allgemeines christliches Eoncilium gehalten werdensolle, worinnc man Luthers Lehren untersuchen, und eine andreEinrichtung in der Kirche treffen könne. Und wollte Gott , daßdieses geschehen wäre! Doch da der Pabst mit aller Gewalt seinRecht behaupten wollte, da er sich für ein allgemeines Conci-lium furchte, da er, die Wahrheit frey zu sagen, seinen privatVortheil, welcher vielleicht dabey Gefahr lauffcn könnte, demHeile der Christenheit vorzog, da er Luthers Schriften, ohneUntersuchung vertilgen wollte; so schickte er cincn Lcgatum aLatcrc an den Kayscr Marimilian, welcher es dahin bringensollte, daß Luthcrn von dem Kayscr und dem ganzen römischenReiche, ein Stillschweigen auferlegt werde. Es wurden daherin Augspurg Rcichsversammlungcn angestellt, auf welche Luthervon dem Kayscr gefordert wurde. Er erschien also daselbst, fest