Druckschrift 
4 (1838)
Entstehung
Seite
107
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Norrede.

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so bitte ich, mir erst ein gutes Stück von Oem italiäni-schen Theater zu nennen." - -'- Diese Bitte machte mich soverwirrt, daß ich mir nunmehr beständig vorstellte, ein jederder in der welschen Litteratur nur nicht ganz und gar einFremdling sey, werde uns zuruffcn: wenn ihr die Bühnen derübrigen Ausländer nicht besser kennt, als die Bühne der Zta-liäncr, so haben wir uns feine Dinge von euch zu versprechen!

Was war also natürlicher, als daß ich die erste die besteGelegenheit crgrif, mich von einer Gesellschaft los zu sagen,die gar leicht meinen Entwurf in der Ausführung noch mehrhätte verunstalten können? Zch nahm mir vor, meine Bemü-hungen für das Theater in der Stille fortzusetzen, und die Zeitzu erwarten, da ich das allein ausführen könnte, von welchemich wohl sahe, daß es gemeinschaftlich mit andern nicht allzu-wohl auszuführen sey.

Zch weis nicht, ob ich mir schmeicheln darf, diese Zeit jetzterreicht zu haben. Wenigstens kann ich versichern, daß ich seitdem nicht aufgchörct habe, meinen erstem Vorrath mit allemzu vermehren, was, nach einer kleinen Einschränkung des Plans,zu meiner Absicht dienlich war.

Diese Einschränkung bestand darinnc, daß ich den Z5e>'trä-gen, welche, ihrer ersten Anlage nach, ein Werk ohne Endescheinen konnten, eine Anzahl mäßiger Bände bestimmte, welchezusanmiciigcnommcn, nicht bloß einen theatralischen Mischmasch,sondern wirklich eine critischc Geschichte des Theaters zu allenZeiten und bey allen Völkern, obgleich ohne Ordnung wedernach den einen, noch nach den andern, enthielten. Zch setztemir also vor, nicht alles aufzusuchen, was man von der dra-matischen Dichtkunst geschrieben habe, sondern das beste undbrauchbarste; nicht alle und jede dramatische Dichter bekannt zumachen, sondern die vorzüglichsten, mit welchen entweder einejede Nation als mit ihren größten pranget, oder welche wenig-stens Genie genug hatten, hier und da glückliche Veränderun-gen zu machen. Und auch bey diesen wollte ich mich bloß aufdiese von ihren Stücken einlassen, welchen sie den größten Theilihres Ruhms zu danken haben. Mein vornehmstes Augenmerkblieben aber dabey noch immer die Alten, mit welchen ich das