Betrachtungen über das weinerlich Komische.
Weg, durch einfache Verwicklungen zu gefallen, und lehrte die sinn-reiche Art, sie unsern Sitten gemäß einzurichten.
Von dem Lügner muß man so gleich auf den Moliere kommen,um die französische Scene ans ihrer Staffel der Vollkommenheit zufinden. Diesem bewundernswürdigen Schriftsteller haben wir die sie-genden Einfälle zu danken, welche unsere Lustspiele auf alle Europäische Bühnen gebracht haben, und uns einen so besondern Vorzug vor denGriechen und Römern geben.
Nunmehr sahe man alle Schönheiten der Kunst und des Geniesin unsern Gedichten verbunden: eine vernünftige Oekonomic in derEintheilung der Fabel und dem Fortgange der HcnOlllug; fein ange-brachte Zwischenfälle, die Aufmerksamkeit des Zuschauers anzufeurcn;ausgeführte Charaktere, die mit Nebenpersonen in eine sinnreiche Ab-stechung" gebracht waren, um den Originalen desto mehr Lorsprungzu geben. Die Laster des Herzens wurden der Gegenstand des hohenKomischen, welches dem Alterthume, und, vor Melieren, allen VölkernEuropenS unbekannt war, und eine neue erhabne Art ausmacht, derenReihe nach Maßgebung des Umfanges und der Zärtlichkeit der Ge-müther empfunden werden. Endlich so sahe man auch, in der vonden Alten nachgeahmten Gattung, eine auf die Sitten und Handlun-gen des bürgerliche» und gemeinen Lebens sich beziehende Beurtheilung;das Lustige und Spaßhafte wurde aus dem Innersten der Sache selbstgenommen, und weniger durch die Worte als durch die wahrhaftigkomischen Stellungen der Spiele ausgedrückt.
Bey Erblickung dieses edelu Fluges konnte man natürlicher Weisenicht anders denken, als daß die Komödie auf diesem Grade der Vor-lreflichkeit, welchen sie endlich erlangt hatte, stehen bleiben, und daßman wenigstens alle Mühe anwenden würde, nicht aus der Art zuschlagen. Allein, wo sind die Gesetze, die Gewohnheiten, die Vergleiche,welche dem Eigensinne der Neuigkeit widerstehen, und den Geschmackdieser gebiethrischen Göttin festsetzen könnten? Das Ansehen des Mo-
° Durch dieses Wort habe Ich das Französische cvnir»s>e übersetzenwolle». Wer es besser zu übersetzen weis, wird mir einen Gefallen thun,wann er mich es lehret. Nur daß er nicht glaubt, es sey durch Gegensatzzu geben. Ich habe Abstechung deswegen gewählt, weil es von den Far-ben hergenommen, und also eben so wohl ein mahlerisches Kunstwort ist, alsdas französische. Ueb.
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