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Theatralische Bibliothek.
liere/ und noch mehr, die Empfindung des Wahren, nöthigten zwareinigermassen verschicdne von seinen Nachfolgern, in seine Fußtapfenzu treten, und lassen ihn auch noch jetzt berühmte Schüler finde».Doch der größte Theil unsrer Verfasser, und selbst diejenigen, welchendie Natur die meisten Gaben ertheilet hat, glauben, daß sie ein sonützliches Muster verlassen können, und bestreben sich um die Wette,einen Namen zu erlangen, den sie, weder der Nachahmung der Altennoch der Neuern, zu danken hätten.
Ich will unter der Menge von Neuigkeiten, die sie auf unsreScene gebracht haben, nichts von jenen besondern Komödien sagen,worinne man W«scn der Einbildung zur wirklichen Person gemachtund sie anstatt dieser gebraucht hat: es ist dieses ein fehenmäßiger Ge-schmack, und nur die Oper hat das Recht sich ihn zuzueignen. Auchvon jenen Komödien will ich nichts gedenken, worinne die spitzige Leb-haftigkeit des Gesprächs anstatt der Verwicklung und Handlung dienenmuß; man hat sie für nichts als für feine Zergliederungen der Empfin>düngen des Herzens, und für ein Zusammengesetztes aus Einfällenund Strahlen der Einbildungskraft anzusehen, welches geschickter ist,einen Roman glänzend zu machen, als ein dramatisches Gedicht mitseinen wahren Zierrathen auszuputzen. Ich will mich vorjezo blos aufdiejenige neue Gattung des Komischen einschränken, welcher der Abt DeS-fontaines den Zunahmen der Weinerlichen gab, und für die man in derThat schwerlich eine anständigere und gemäßere Benennung finden wird. (^)Damit man mir aber nicht ein Unding zu bestreiken, Schuld ge-ben könne, so muß ich hier die Maximen eines Apologisten der Me-lanide," dieser mit Recht so berühmten Komödie, von welcher ichnoch oft in der Folge zu reden Gelegenheit finden werde, einrücken.„Warum wollte man, sagt er, einem Verfasser verwehren, in eben„demselben Werke das Feinste, was das Lustspiel hat, mit dem Rührend-sl) Ich gestehe es, nichts ist lächerlicher, als über Namen zu streiten;es ist aber auch eben so lächerlich, einen bekannten und bestimmten Name»einer Sache beyzulegen, der er nicht zukömmt. Der Name einer Komödiekömmt dem weinerlich Romischen nicht besser zu, als der Name einesEpischen Gedichts den Abenlheuern des Dom Quichott zukömmt - - Wie sollman also diese neue Gattung bezeichnen? Eine in Gespräche gebrachte pathe-tische Deklamation, die durch eine romanenhaste Verwicklung zusammen ge-Hallen wird zc. Man sehe ?rinl-ipes pour lire !es ?oeles im 2ten Theile.° teures tur lUelsniSe. Paris , 1741.